2020 ist ein besonderes Jahr

Liebe Freundinnen und Freunde der Rumänienhilfe Alsterdorf,

2020 wird ein besonderes Jahr, denn die Rumänienhilfe wird 30 Jahre alt. Die Feierlichkeiten zu diesem runden Jubiläum finden im Herbst statt, weitere Informationen werden im Laufe des Jahres bekannt gegeben. 30 Jahre, das ist ein Grund zu feiern und auch um einmal zurück zu blicken. Denn es gab viele Rückschläge und Schwierigkeiten. Insbesondere die finanziellen Schwierigkeiten sind aktueller als je zuvor. Es gibt zwar in Rumänien eine neue Regierung und neue Minister und Staatssekretäre, unklar ist jedoch weiterhin wann das im November 2018 beschlossene Gesetz zur Anpassung der Erstattungen im Bereich der Wohnversorgung von Menschen mit Behinderung endlich in die Tat umgesetzt wird. Wie auch im letzten Jahr muss die Differenz zwischen den Gehaltskosten und übrigen gestiegenen Ausgaben und den zu geringen staatlichen Erstattungen vom Verein Asociaţia româno-germană Alsterdorf, der die Einrichtungen und Dienste in Oradea betreibt, getragen werden. Der Verein bleibt somit hochgradig abgängig von deutschen Spendenmitteln, die damit nicht in vollem Maße für neue Projekte vor Ort eingesetzt werden können.

Großer Dank an alle Engagierten

Ein großer Dank geht an alle Ehrenamtlichen in Deutschland, die viel mitgedacht, mitgelitten und mitunterstützt haben. Insbesondere die rumänischen hauptamtlichen Mitarbeitenden machen eine wunderbare und unheimlich wichtige Arbeit vor Ort. Jede und jeder, der dieses Jahr vor Ort war, hat das gesehen. Besonderer Dank geht an Ana-Maria David, Emil Cuc und Cristian Neu, die unermüdlich das Geschehen vor Ort koordinieren und leiten.


Inhaltliche Fortsetzung

Inhaltlich setzen wir die anspruchsvolle Arbeit der letzten Jahre fort. Der Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung des Heimes in Cadea, auf dem Auszugsprojekt, so dass immer mehr Menschen mit Behinderung ganz ohne Hilfe leben können und dem Aufbau eines Zentrums der Begegnung in Oradea.

Das Heim in Cadea, das unser Trägerverein vor Ort, die „Asociatia romana germana Alsterdorf" 2014 übernommen hat, war seinerzeit eines der herkömmlichen Abschiebeheime für junge Erwachsene mit Behinderung. Heute leben hier die ehemaligen HeimbewohnerIinnen in kleineren Wohneinheiten zu jeweils vier bis acht BewohnerInnen. Sie arbeiten in den verschiedenen Werkstätten, die nicht nur sinnvolle Arbeit ermöglichen, sondern auch Güter produzieren, die auf dem Markt verkauft werden können. Im Dorf haben wir eine Werkstatt und ein Kulturhaus aufgebaut, in dem es eine Holzwerksatt, eine Besenbinderei und eine Kreativwerkstatt gibt und das gleichzeitig als Treffpunkt der Dorfbevölkerung dient. Auf dem Heimgelände gibt es eine Schneiderei und eine Küche, in der auch Essen auf Rädern produziert wird. Um das Heimgelände herum haben wir eine Landwirtschaft mit Viehzucht und Gewächshäusern aufgebaut. In all diesen Bereichen arbeiten Menschen mit Behinderung erfolgreich mit.

In unserem Auszugsprojekt helfen wir jungen Menschen mit Behinderung aus unseren Einrichtungen des betreuten Wohnens den Weg in die völlige Selbstständigkeit zu schaffen. Der Weg dahin bedarf nicht nur eines intensiven Selbstständigkeitstrainings, sondern auch der Vermittlung und Wahrnehmung eines Arbeitsplatzes mittels unserer Arbeitsassistenz und dann das Beziehen einer eigenen Wohnung. Einige haben das bereits geschafft. In 2020 beginnen wir damit, insbesondere jungen Frauen und BewohnerInnen aus Cadea Auszüge in die Selbstständigkeit zu ermöglichen und diese zu begleiten.

Seit Juli 2018 bauen wir im Stadtteil Josia, einer Hochhaussiedlung am Rande von Oradea, einen Treffpunkt auf, in dem sich die meist älteren Menschen des Stadtteils treffen können und Menschen mit Behinderung unter fachlicher Anleitung lernen, kleine alltagsnahe Dienstleistungen zu erbringen. Dazu gehören unter anderem das Bereiten und Servieren von kleinen Speisen und Getränken, die Unterstützung der alten Menschen durch Wegebegleitung zum Arzt oder Einkaufen, sowie die Pflege der umgebenden Grünanlagen. Die Menschen mit Behinderung werden durch dieses „learning by doing" auf Arbeitsplätze auf dem ersten Arbeitsmarkt vorbereitet. Der Treffpunkt wird gut angenommen, die aufgebauten Strukturen werden in 2020 noch weiter stabilisiert.


Bildungsurlaub in Oradea

Wer sich die Einrichtungen und Dienste vor Ort ansehen möchte, sollte sich zum diesjährigen Bildungsurlaub anmelden. Der inklusive Bildungsurlaub wird organisiert von Leben mit Behinderung Hamburg und findet statt vom 12. bis 19. September 2020. Das Programm des einwöchigen Bildungsurlaubes variiert von Jahr zu Jahr. Im Mittelpunkt steht immer, die Lebenssituation in Bezug auf Arbeit, Freizeit und Bildung von Menschen mit Behinderung kennenzulernen. Die soziale, wirtschaftliche und historische Realität in Oradea vergleichen wir mit der Situation in Deutschland. Wir lernen unterschiedliche Wohnformen kennen, besuchen Arbeitsplätze und machen uns mit Freizeitangeboten vertraut. Wir kommen mit den BewohnerInnen einer Psychiatrie ins Gespräch und lassen uns von den BewohnerInnen einer Großeinrichtung das Leben auf dem Land zeigen. Wir lassen uns durch die Stadt Oradea führen und entdecken die kulturellen Angebote der Stadt. Am letzten Tag treffen wir Vertreterinnen aus der Sozialbehörde, die uns viele Fragen beantworten können.


Wir wünschen ein erfolgreiches und gesundes Jahr! Das Team der Rumänienhilfe Alsterdorf


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