Das Coronavirus hat uns fest im Griff

Liebe Freundinnen und Freunde der Rumänienhilfe Alsterdorf,

erstmal schicken wir ein goßes Dankeschön an das Team in Oradea für den großen Einsatz, den Betrieb in der Krise entsprechend zu organisieren und dabei alle vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen einzuhalten. Wir wissen, das ist schwere Arbeit. Wir hoffen ihr hört unseren Beifall aus Deutschland, der allen Mitarbeiter*innen in Oradea, Cadea und Săcueni gilt!

Wir hoffen, dass es allen Beteiligten persönlich so weit gut geht, wie es einem eben derzeit gut gehen kann. Denn die Lage ist ernst, insbesondere auf finanzieller Seite. Nicht nur die Einnahmen aus den Produktverkäufen gehen gegen Null, sondern auch die Entscheidungen über Fördermittel wurden auf unbestimmte Zeit verschoben. Besonders bedrohlich ist die Tatsache, dass das (wie im letzten Newsletter bereits beschrieben) im November 2018 beschlossene Gesetz zur Anpassung der Erstattungen im Bereich der Wohnversorgung von Menschen mit Behinderung noch nicht in die Tat umgesetzt wurde. Nach wie vor muss die Differenz zwischen den Gehaltskosten und übrigen gestiegenen Ausgaben und den zu geringen staatlichen Erstattungen vom Verein Asociaţia româno-germană Alsterdorf getragen werden. Der Verein bleibt nach wie vor in höchstem Maße abgängig von deutschen Spendenmitteln.


Die Situation in Rumänien

Auch in Rumänien gilt: zu Hause bleiben! Eine sehr schwierige Zeit für viele KlientInnen, denn einige sind akut von Arbeitslosigkeit bedroht.
Einige Angebote wie das Tageszentrum für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen in Oradea oder die Werkstätten und das Catering in Cadea mussten schließen. Aufträge und Bestellungen können nicht ausgeführt werden. Die MitarbeiterInnen arbeiten nun verstärkt in den Wohngruppen, sind in diesen mitunter durch strenge Verordnungen der Regierung in Isolation. Dies bedeutet für alle Beteiligten Stress.

Die KollegInnen in Oradea, vor allem die Psychologen, arbeiten verstärkt am Telefon und kommunizieren intensiv z.B. via WhatsApp und unterstützen die KlientInnen wie sie können. Kontakt halten auf digitalen Wegen ist durch die aktuelle Coronavirus-Pandemie weltweit wichtiger als je zuvor. Das Team der Asociaţia româno-germană Alsterdorf steht an der Seite aller KlientInnen. Wir können den MitarbeiterInnen vor Ort gar nicht genug danken für ihr außerordentlich gutes Engagement!
Zudem gibt es Probleme bei der Beschaffung mit Schutzmaterialien wie Desinfektionsmittel, Masken und Handschuhen. Alles ist teurer geworden.

Die gute Nachricht: bisher hat sich kein/e MitarbeiterIn und kein/e Klient/in mit dem Coronavirus infiziert!


Reisen nach Rumänien

Auch Reisen nach Rumänien sind im Moment nicht möglich. Der ehrenamtliche inklusive Arbeitseinsatz im Mai wurde abgesagt. Unklar ist, ob der inklusive Bildungsurlaub im September und die Feierlichkeiten zum 30jährigen Jubiläum der Rumänienhilfe Alsterdorf im November stattfinden können.

Lesen Sie hier die persönliche Geschichte von Charlotte, die im Rahmen ihrer Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin an der Fachschule für soziale Arbeit Alsterdorf ihr Praktikum in Oradea abbrechen musste.


Mein Praktikum in Oradea in Zeiten des Coronavirus

„Am 5.3.2020 machte ich mich zusammen mit einem Klassenkameraden auf den Weg nach Rumänien. Unser Ziel war Oradea, wo wir ein etwas mehr als drei monatiges Erasmus Praktikum in der „Asociatia romana germana Alsterdorf" absolvieren wollten. Das Wochenende verbrachten wir erstmal damit die Stadt zu erkunden. Oradea ist eine wirklich spannende, schöne Stadt und es gab allerlei Dinge für uns zu entdecken. Am Montag hatten wir dann unseren ersten Praktikumstag. Zuerst hatten wir ein Gespräch mit der Leitung der Asociatia, sie erzählten und was es hier in Oradea und in der Umgebung für Einrichtungen gibt und erklärten uns wie die „Asociatia romana germana Alsterdorf" aufgebaut ist und funktioniert. Anschließend schnupperten wir schon mal in das Tageszentrum rein. Jetzt konnten wir das erste mal unsere Brocken Rumänisch ausprobieren und schon mal ein paar der Klienten des Tageszentrums kennen lernen.

Am nächsten Tag wollten wir uns eigentlich mit den Leitungen der verschiedenen Einrichtungen zusammensetzten, um zu besprechen wann wir welche Einrichtung kennen lernen können. Aber bevor wir zu der Besprechung kamen wurden wir von den Menschen aus dem Tageszentrum aufgehalten. Es war deutlich voller als am Tag zuvor und alle waren sehr aufgeregt und redeten auf uns ein. Obwohl unser Rumänisch wirklich schlecht war, konnten wir sehr gut versehen worum es ging. Einige der Klienten konnten ein bisschen Englisch oder Deutsch und so stellte sich schnell raus, dass das Tageszentrum aufgrund des Corona-Virus für die Klienten ab dem nächsten Tag geschlossen werden sollte und noch keiner wüsste wann es wieder aufmachen kann. Die Leitung der Asociatia erklärte uns zusätzlich, dass wir aufgrund des Infektionsrisikos keine anderen Einrichtungen besuchen können, aber dass sich das hoffentlich im April alles wieder legt und wir dann unsere Praktikum normal weiterführen können.

Die Tage danach unterstützen wir die Mitarbeiter aus dem Tageszentrum dabei das Tageszentrum für den Tag der Wiedereröffnung vorzubereiten. Manchmal kamen einzelne Klienten vorbei und halfen uns zusätzlich dabei. Wir machten Frühjahrsputz, sortierten aus und überlegten neue Projekte und Bastelideen. Obwohl es ganz und gar keine normalen Arbeitstage für das Tageszentrum waren, hatte ich trotzdem viel Spaß. Vor allem mit den Klienten zu arbeiten die ab und zu kamen. Da sie immer nur alleine oder in Zweiergruppen kamen fiel es mir sehr viel leichter sie direkt etwas kennen zu lernen und Gespräche zu führen.

Während unserer ersten Woche in Rumänien hörten wir immer wieder von anderen Mitschüler*innen, dass sie ihren Praktikumsaufenthalt in anderen Ländern wegen Corona abbrechen mussten und schon wieder auf dem Weg nach Hamburg waren. Wir machten uns natürlich auch Sorgen das wir abreisen müssen, aber da zu dem Zeitpunkt in dem Landkreis Bihor (wo wir waren) keine Infizierten registriert waren, waren diese nicht allzu groß. Selbst als Rumänien den Notstand ausrief und beschloss die Grenzen für Touristen zu schließen, entschieden wir uns zu bleiben. Wir fühlten uns wirklich wohl in Oradea, wir verstanden uns super mit den Mitarbeiten der Asociatia, hatten auch außerhalb schon ein paar Freunde gefunden und genossen es immer neue Dinge entdecken zu können. Umso schlimmer war daher für uns der Zeitpunkt als unsere Schule anrief und uns aufforderte abzureisen, die Schule konnte die Verantwortung nicht mehr tragen und noch gab es Möglichkeiten für uns recht einfach wieder nach Deutschland zu kommen. Wir versuchen mit unserem Schulleiter zu diskutieren damit wir in Oradea bleiben können, immerhin haben wir uns seit Beginn der Ausbildung drauf gefreut ein Praktikum im Ausland machen zu können. Trotzdem konnten wir uns nicht widersetzen. Also buchten wir den letzten Flug den es nach Deutschland gab und versuchten die letzten Tage in Oradea nochmal richtig zu genießen.

Das Nachhausekommen war aber sehr viel schwerer als man sich dass wahrscheinlich vorstellen würde. Auch wenn unsere Flüge keine Probleme bereiteten, müssten wir vorher die ganze Zeit Angst haben, dass sie gestrichen werden. Aber die größte Herausforderung kam erst in Hamburg. Sowohl ich, als auch mein Mitschüler, hatten unsere Zimmer für die drei Monate untervermietet und hatten jetzt keine Wohnung. Zum Glück hatten wir Menschen die uns vorübergehen Aufnahmen. Zusätzlich wurde uns unser Erasmus Stipendium gestrichen und wir hatten kein Geld mehr. Dann mussten wir erst einmal 2 Wochen in Selbstisolation und konnten uns danach erst richtig um eine feste Unterkunft und einen neuen Bafögantrag kümmern.

Ich bin wirklich traurig, dass ich mein Praktikum in Oradea schon nach zwei Wochen abbrechen musste. Auch wenn es mir wahrscheinlich besser damit geht in diesen komplizierten Zeiten in der Nähe meiner Familie sein zu können, wäre ich unfassbar gerne dort geblieben. Die Aussicht, dass ich das Praktikum auf jeden Fall nachholen kann erleichtert diese Traurigkeit zwar ein bisschen, allerdings kann momentan niemand sagen wann das sein wird. Voraussichtlich erst nach meinem Abschluss in eineinhalb Jahren. Trotzdem versuche ich die zwei Wochen die ich hatte nicht als abgebrochenes Praktikum zu sehen, sondern als eine Art Kennenlernen oder Schnupperpraktikum für die Zeit in der ich es nachholen kann." (Charlotte L.)


Das Team der Rumänienhilfe Alsterdorf wünscht Ihnen alles Gute, bleiben Sie gesund!


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