Wien // hoch dosiert ist halb gewonnen

Der Titel ist halb sarkastisch gemeint. Es ist mal wieder an der Zeit zu berichten. Einige Artikel sind noch in Vorbereitung, aber sie liegen im Graubereich zwischen Legalität und Illegalität, so dass ich noch überlege, ob und wie ich darüber schreiben möchte. Jedenfalls habe ich aufgehört in chronologischer Reihenfolge zu schreiben. Stattdessen lasse ich den Gedanken jetzt freien Lauf.

Heute ist Sonntag kurz vor Mitternacht. Ein langes Wochenende geht zu Ende. Es war ein Wochenende voller #metime. Zwei Nächte hintereinader fortgehen, zwei Nächte high und zwei Tage zur Erholung daheim. Ich bin hin und hergerissen, ob es nun toll oder höchstgradig bedenklich ist. Gerade gestern habe ich zudem wieder die Global Drug Survey von Zeit.de mitgemacht. Letztes Jahr war ich hier noch ein fast unbeschriebenes Blatt. Doch dieses Jahr sieht es schon etwas anders aus. Daher möchte ich heute nicht über die Erlebnisse im Club reden, so schön die natürlich auch immer sind. Stattdessen möchte ich das Jahr Revue passieren lassen und versuchen zu beschreiben, wie es mein Leben und meine Persönlichkeit verändert hat.

Meine erste Erfahrung mit Ecstasy liegt jetzt fast genau ein Jahr zurück. Und wenn ich hin und wieder die alten Geschichten lese oder mit Freunden über die einzelnen Erlebnisse sinniere, dann stelle ich fest, dass vieles vor dem ich am Ende jeder Geschichte Angst hatte oder was ich vermeiden wollte, dann doch in der ein oder anderen Art eingetreten ist. Aber lest selbst.

Letzten November fing alles mit einer halben Pille in Amsterdam, aufgeteilt auf zwei Viertel, an. Damals wusste mein Körper noch nicht was auf ihn zukommt und so konnte ich mit der neuen Wahrnehmung, der leichten Übelkeit und Verwirrung im ersten Moment nicht umgehen. Es dauerte eine Weile bis ich die Nacht genießen konnte. Rückblickend war es nur Energie und wohlige Nähe, aber kein echter Kick, wie ich ihn erst viel später erleben sollte. Aber es war nur eine halbe Pille.

Später las ich im Internet oft, dass der erste Rausch immer der Beste sei. Aus meiner Erfahrung heraus würd ich das eher mit naja beantworten. Vielmehr ist es so, dass sich dein Körper unglaublich schnell an neue Gegebenheiten gewöhnt. Bei der Drogenberatung haben sie es besser formuliert. Dein Körper dreht bei jeder neuen Substanz halb durch. Und genau diesen Effekt hast Du genau nur einmal. Bist du also an Ecstasy gewöhnt, kaufst dann aber bei einem unbekannten Dealer auf der Straße und reagierst auf einmal krass darauf oder hast einen mega unkontrollierten Trip? Dann war es wohl kein Ecstasy, sondern irgendein anderer Scheiß, den Dein Körper noch nicht kannte. Also Vorsicht und immer brav mit kleinen Mengen anfangen.

Meine körperliche Tolleranz ist mittlerweile unglaublich hoch, so dass ich bald medizinisch gezwungen bin eine Pause einzulegen. Relativ bald nach dem ersten Trip stieg mein Konsum auf 1 bis 1,5 Pillen pro Nacht. Und ich bin dem Prinzip der kleinen Mengen treu geblieben. Auch heute nehme ich in der Regel immer nur Hälften, dafür aber viele und die Menge macht es aus. Pillen auf der Straße haben in der Regel 180mg bis 290mg. Alle öffentlichen Quellen geben 80mg als unbedenkliche Menge an, wobei sich hier die Dosis pro Kilogram Körpergewicht für Männer und Frauen stark unterscheidet.

Was man aber kaum findet, sind Angaben über Höchstdosierungen und Grenzen ab denen Du mit hoher Wahrscheinlichkeit im Krankenhaus landest. Irgendwo hatte ich gelesen, dass einige Fälle (teilweise mit Tod als Folge) bei etwa 700mg lagen. Oft ist aber nicht die Dosis das Problem, sondern die Seiteneffekte und die Dauer der Party. Dein Körper macht irgendwann schlapp, dein Kreislauf weiß nicht mehr wo Vorn und Hinten ist und dir fehlen einfach nur Kalorien über Kalorien. Mein Rat: erkenne wann genug ist und gehe heim. Meine Party geht oft von 1 oder 2 Uhr nachts bis 7 Uhr morgens. 4 bis 6 Stunden voller Spaß. Alles darüber zehrt zu sehr an mir.

Aber zurück zur Dosis. Nach weniger als 4 oder 5 mal Fortgehen war ich schon bei 1,5 Pillen, also drei Hälften angelangt. Jede davon hat mich damals noch gut und gern 2h getragen. Unabhängig von der Dosierung habe ich gelernt, dass das Setting und auch die Pausen das wichtigste sind. Ich gehe mittlerweile jede Woche und manchmal sogar zweimal fort. Meinem Körper fehlt es an Zeit das Serotonin wieder aufzubauen. Aber noch geht es mir gut. Dennoch ist der Trip schöner und länger, wenn ich eine gute Woche hatte und gut gelaunt bin. Wann immer der Tag schön war, Freunde dabei sind, die Musik und das Publikum super sind, dann ist es der Trip auch.

Im Frühling hatte ich noch geschrieben, wie ich Angst vor 2 Pillen und den Effekten hatte. Selbst diese Grenze habe ich mittlerweile mehrmals überschritten. Eine übliche Nacht verbraucht zwei Pillen, also vier Hälften. Manchmal noch eine fünfte Hälfte hinterher, aber oft schon früh zwischen 5 und 6 Uhr morgens, wo es eigentlich totaler Unsinn ist. Ein einziges Mal war ich mit einem Freund gemeinsam bis 11 Uhr durchfeiern und hab nachher festgestellt, dass ich in der langen Nacht 4 Pillen verbraucht hatte. Aber auch hier macht es die Zeit aus. Es war eine sehr lange Nacht und ich hatte vorher ausgiebig gegessen und die ganze Zeit über ausreichend getrunken. Auch wenn ich ganze 10h nicht pinkeln konnte, so ging es mir gut.

Da ich derzeit eine feste Bezugsquelle habe und nicht mehr auf der Straße kaufe, weiß ich auch wieviel Dosis in einer Pille ist. Ich habe mich hier für 200mg Pillen entschieden. Zudem habe ich zu reinen MDMA Kristallen gewechselt, welche ich bei der Beratung testen lassen hatte. Mit 98% Reinheitsgrad als Befund kann ich mir hier zumindest sicher sein, was ich mir einwerfe. Die Kristalle zerreibe ich zu Pulver, welches ich in Kapseln abfülle. Erst zu 100mg, dann 150mg und jetzt wieder etwas weniger - 120mg. Manchmal mische ich Pillen und Kapseln an einem Abend. Pillen kann ich leichter in kleinen Teilen zu mir nehmen, während Kapseln doch stärker wirken und ich dann genau auf die Uhr schauen muss, ob und wann ich noch was einwerfe. Meine Gesamtdosis für einen Abend hat sich bei 400 bis 500mg eingependelt. Ja, 500mg und somit bedenklich hoch. Zeit Pause zu machen! Wenn ich doch nur könnte.

Hatte ich früher zuviel eingeworfen, so bin ich ins Traumland abgedriftet und hatte beschämt und benommen auf der Tanzfläche gestanden oder leichte Hallizunationen bekommen. Diese Effekte kenne ich heute kaum noch. Mein Körper hat sich zur sehr daran gewöhnt. So sehr, dass ich das Kribbeln schon verspüre, wenn ich gute Techno Musik am Handy über die Kopfhörer oder laut im Auto höre. So gut, dass mein Körper im Club automatisch aufs Klo will, um sich nochmal zu entleeren bevor der Trip beginnt. Er funktioniert wie ein Uhrwerk. Generell ist das MDMA in den Kapseln deutlich angenehmer. Der Trip ist reiner und die Nebenwirkungen viel geringer. Selbst am Morgen wenn ich heimkomme, sind meine Pupillen oft schon wieder normal, ich habe kaum Kieferschmerzen und auch weniger Hangover. Dafür ist der Trip mit Pillen oft noch energiegelandener was wohl daran liegt, dass diese oft mit Amphetaminen und Koffein gestreckt sind.

Was hat sich noch geändert? Ich kann noch immer jede Phase der Wirkung spüren. Vom ersten Magenkrampf, über das Kribbeln auf der Haut, den federleichten Beinen, dem Bewegungsdrang bis hin zum Moment wenn dich der goldene Honig durchfließt. Oft setzten die ersten Effekte jetzt schon nach 10min ein und entfalten sich über eine Stunde, wobei der Kick oft genau bei 30min startet. Legt man genau zu diesem Zeitpunkt nochmal nach, ist der gesamte Kick am Besten. Aber Vorsicht, die Nacht ist lang und die Dosis dann in Sume vielleicht zu hoch, wenn du noch durch die ganze Nacht kommen willst.

Was genau ist dieser Kick? Honig erscheint mir hier wirklich das für mich passendste Wort. Es ist ein Gefühl der Wärme, des Wohlgefühls und der Geborgenheit. Du bist eins mit Dir selbst. Ich habe oft die Augen geschloßen, umfasse mich selbst, wiege sanft zur Musik und vergesse alles um mich herum. Davor liegen die oben genannten Vorstufen, die genauo toll sind. Danach liegt nur noch der pure Bewegungsdrang. Stunde um Stunde verfliegt ehe du dich versiehst.

Dies ist eigentlich auch der größte Nachteil. Zumindest ich bin so mit Tanzen beschäftigt, dass ich kaum ernsthafte Gespräche mit netten Leuten führe. Jede noch so lange Nacht fühlt sich unglaublich kurz an. Ich hab unzählige Male mit lustigen Typen und auch Frauen getanzt. Einige habe ich seit dem immer wieder einmal gesehen, andere nie wieder. Von einigen kenne ich auch den Namen, aber niemanden habe ich bisher außerhalb vom Club jemals getroffen oder gar Freundschaft geschlossen. Selbst wenn ich küssend auf der Tanzfläche stehe, oder mich jemand mit nach Hause nehmen möchte, so lehne ich oft dankend ab. Jeder Trip ist rein für mich allein. Was ich in den anderen Berichten oft als assozial bezeichnet habe, nenne ich jetzt einfach #metime. Dennoch sind auch diese flüchtigen Bekanntschaften so etwas wie eine Sucht. Gerade weil ich keine Namen oder Telefonnummern getauscht habe, rede ich mir oft ein, dass ich die Person beim nächsten Fortgehen sicher wieder treffe. Aber das passiert eigentlich nie.

Was folgt ist der mehr oder weniger harte Coming-Down. Der Moment wo Du dann wirklich heimgehen solltest. Du wirst wieder klar im Kopf, fühlst dich müde und wunderst dich wieso du überhaupt so lange im Club geblieben bist. Oft umschleicht mich auch ein leichtes Frösteln was mich langsam aber sicher ins Bett ruft, wo ich mich dann einkuschle und seelenruhig schlafe. Egal wie high ich gerade bin, ich schlafe immer bestens. Auch wenn mein Puls eine andere Sprache spricht.

Während und auch nach jedem Fortgehen schaue ich genau auf meinen Puls. Auch hier hat sich mein Körper daran gewöhnt. Es ist schwer meinen Puls selbst im höchsten Rausch noch über 150 Schläge pro Minute zu bringen. Oft pendelt er bei 120 bis 130, was aber ganz gut so ist. Mittlerweile kann ich auch gut sagen wie lange das Zeugs im Körper bleibt. Während der ersten Phase des Schlafs schlägt das Herz gute 90 mal pro Minute. Nach 3 Stunden fällt der Puls schlagartig um 10 bis 20 Schläge und so setzt es sich alle 2 Stunden fort bis er wieder bei halbwegs normalen 60 Schlägen angekommen ist. Jede halbe Pille wirkt also genau 6 Stunden auf meinen Puls. So wie ich ihn schrittweise hochjage, so schrittweise fällt er wieder runter.

Generell bleibt der Puls aber den ganzen Tag über höher. Jede Bewegung, jede kleine Anstrengung lässt ihn wieder locker auf 140 hochschnellen. Daher lieber keinen Sport machen und stattdessen daheim bleiben. Das sind auch die Momente, die ich so sehr liebe. Gemütlich aufwachen, Frühstück essen und über den Tag verteilt immer wieder auf der Couch schlafen und einfach nur allein sein. Das friedlichste Gefühl das ich kenne. Zudem kommt das richtige Coming-Down widerum schrittweise über den Nachmittag verteilt. Die Haare auf der Haut stellen sich auf oder ein leichtes kurzes Frösteln überfällt mich. Ganz so, als würde mir jemand sanft über den Rücken streicheln. Erst am Abend, oft zwischen 16 und 20 Uhr ist der Spuck dann vorbei. Ganze 12 Stunden nach der letzten Einnahme, lange nachdem die Party und der Trip bereits vorbei sind.

Der eigentliche Kick setzt immer nur nach der ersten Dosis ein. Wenn es kein guter Tag ist, dann dauert der Honig süße Moment gerade einmal 5 bis 15 Minuten. Wenn der Tag gut war, so wie Freitag, dann lässt dich der Kick auch mal eine Stunde schweben. Generell verblast die Wirkung dann aber immer schneller, so dass die Abstände zum Nachlegen immer kürzer werden. Ich muss mich mittels Uhr oft zwingen nur jede Stunde nachzulegen. Wieso? Weil die Dosis über die Nacht sonst zu hoch wird und weil sich manchmal die Wirkung über 1 bis 2 Stunden aufbaut und sich so mehrmaliges Nachlegen potenziert.

Vergleicht man die 12 Stunden bis zum Abend nach der Party, bis mein Körper wieder im halbwegs normalen Zustand angekommen ist, mit den 5min des reinen Kick und der 6 Stunden Party, so wirkt die Balance nicht ausgewogen. Verglichen mit einer Nacht auf Alkohol finde ich es persönlich aber absolut in Ordnung. Ich liebe den Tag daheim nur mit mir selbst. Ich habe oft kaum Nebenwirkungen, mir ist nicht schlecht, habe kein Kopfweh und selbst am zweiten Tag so gut wie nie die typische Depression.

Und gerade weil es mir damit zu gut geht, ist es auch gleichzeitig gefährlich. Ich habe angefangen meine Freizeit und die Wochenenden nach guten angesagten Events zu planen. Manchmal ist mir die Party wichtiger, als mit Freunden was anderes außer Party zu machen. Am liebsten kombiniere ich beides, aber am Ende ist mir die Party oft wichtiger. Doch leider bleibt dann nicht mehr viel vom Wochenende übrig. Und so zehrt es an dir. Jede Party verbraucht soviele Kalorien, so dass ich oft 1 bis 2kg Gewicht verliere, was sicher auch daran liegt. dass man lange nichts ißt und nur Wasser trinkt.

Meist esse ich bewusst am nächsten Tag viel und gesund. Dennoch sieht mein Körper dünner und drahtiger aus. Meine generelle Kondition hat ein wenig gelitten und seit einigen Wochen kämpfe ich mit verschleimter Lunge und Nase. Ob das das Überbleibsel eines hartnäckigen Hustens oder die Wechselwirkung zwischen meinem Astma und dem Ecstasy ist, kann ich noch nicht sagen.

Was hat Ecstasy mit mir mental angestellt? Wie schon gesagt, ich ziehe oft die Party vor und vernachlässige andere Themen. Meine Hobbies haben sich stark eingeschränkt und ich gehe auch nur noch halb so oft laufen oder trainieren. Einige Freunde, die wissen, dass ich gern fortgehe, gehen hin und wieder mit, aber haben sich gefühlt doch etwas abgewendet. Generell bin ich kälter und emotionsloser geworden. Zeitgleich aber auch antriebsloser. Stattdessen bin ich mit mir selbst glücklick und zufrieden. Dagegen wirkt es fast komisch, dass im Berufsleben nicht zufriedener, sondern ungeduldiger und oft aufbrausender geworden bin. Gerade diese Punkte unter Kontrolle zu halten kostet mich viel Mühe.

Da meine Dosis nun schon fast bei 500mg und somit viel zu hoch ist, wäre es Zeit für eine längere Pause. Mindestens ein Monat oder am besten gleich länger oder gar für immer. Doch hier zeigt sich das böse Wesen der Drogen. Ich kann und will nicht aufhören. Zu sehr liebe ich die Parties und zu oft gibt es diese in der Stadt. Teilweise kannst du von Freitag Abend bis Montag früh jeden Abend fortgehen, wenn du nur willst. Meist ist es bei mir der Freitag. Doch kaum hat sich mein Körper wieder erholt, bin ich gegen Mitternacht am Folgetag wieder hellwach und gehe, weil ich nichts besseres vor habe, manchmal nochmal weg. Doch zweimal pro Wochenende ist einfach nur dumm. Von der Dosis mal ganz abgesehen.

So oft ich mir schon vorgenommen habe aufzuhören oder zu verringern, so oft bin ich gescheitert. Mitterweile glaube ich, dass nur der harte Entzug hilft. Es ist nicht die körperliche Sucht, sondern die Party und alles drum herum. Während Gras mich gar nicht anmacht und ich somit auch nichts rauchen will, so sehr zieht mich Ecstasy noch immer in seinen Bann. Oft denke ich mir am Weg nach Hause oder am Tag danach, wieso machst du das? Die Erlebnisse, die Dauer des Trips, einfach alles verblaßt immer schneller. Schon oft hatte ich mir dann eingeredet, dass wäre jetzt der letzte Trip gewesen. Aber kaum ist der Körper wieder normal und der Anflug von Depression verschwunden, ruft schon wieder die nächste Party.

Vermutlich muss ich alle Pillen und alle Kapseln einfach verbrauchen oder besser wegwerfen und alle Hinweise auf Parties in sozialen Medien deaktivieren und ignorieren. Einfacher gesagt als getan. Aber früher oder später muss das sein.

Zufällig wurde mir einmal eine Line Speed angeboten. Eigentlich wollte ich davon die Finger lassen, aber in dem Moment hatte es sich richtig angefühlt. Im Gegensatz zu Ecstasy bekam ich aber keinen Kick. Vielmehr war ich einfach munter und wach. Als ein paar Freunde und ich später einmal Speed bei einem Dealer kauften, machten wir erst recht unsere negativen Erfahrungen. Da es für den Körper neu war, waren die negativen Effekt umso stärker. Auch wenn der Energieantrieb rasch verfliegt, so hält es sich länger im Körper. Du kannst einfach lange nicht pinkeln, auch wenn die Blase noch so sehr drückt, es will einfach nicht. Du sitzt unter Umständen selbst am Folgetag 30min am Klo, um drei Tropfen aus dir rauszupressen. Dein Schlaf ist total gestört. Wenn überhaupt, dann schäfst du nur sehr oberflächlich und auch mindestens drei Tage danach ist der Schlafrythmus noch total im Eimer. Und das obwohl ich Speed im Gegensatz zu Ecstasy nicht oral nehme, sondern als Line durch die Nase ziehe. Eine Line hat hier in etwa 15mg.

Die Wirkung setzt dabei nach 10min ein und entfaltet nach 30min die volle Wirkung für etwa eine Stunde. Nur die Wirkung ist eben nur Bewegungsdrang und wach sein. Es fehlt die wohlige Energie und das tolle Gefühl. Kürzlich hatte ich die Idee einige Male lieber Speed statt Ecstasy zu nehmen, um mein Serotoninspiegel zu schonen. Aber leider gewöhnt sich der Körper an das Zeugs noch schneller und gerade die Schlafstörungen sind eine absolute Katastrophe. Zudem jagt es den Puls teilweise auf 180 Schläge hoch und die Körpertemperatur steigt sehr hoch an. Es fühlt sich fast an wie Fieber, so dass du innerlich betest, dass es bitte nicht noch weiter steigt. Auch hatte ich während des Coming Down noch im Club übelste Kopfschmerzen.

Hin und wieder nehme ich jetzt ganz wenig Speed, um die Party schneller zu starten und nicht auf die Wirkung vom Ecstasy warten zu müssen. Aber auch das ist keine gute Kombination, da dann die Wirkung der ersten Dosis Ecstasy viel geringer ausfällt. Manchmal gar wie ein stotternder Motor. Der Puls fällt ab, um dann wieder kurz anzusteigen. Genau dieser Pulsanstieg (oft von 80 auf 140) für ein oder zwei Minuten ist der eigentliche Kick, das wohlige Gefühl. Nur ist es eben komisch, wenn es kommt und geht und nicht so richtig in die Gänge kommt.

Neben Ecstasy und Speed hatte mir jemand am WC eine Line angeboten, die sich als Kokain herausstellte. Es passiert eigentlich sogar recht häufig, dass mir jemand gratis Kokain anbietet. Letztens auch eine Mischung aus Kokain und Ketamin. Aber bis auf das eine Mal, habe ich nie wieder irgendwas probiert und immer brav nein gesagt. Was war die Wirkung? Gefühlt, gar keine. Außer, dass ich arrogant genug war dem Typen dann nein zu sagen, als er mich mit nach Hause nehmen wollte.

Was ist also nun zusammenfassend gesagt so gefährlich? Auf jeden Fall die kürzeren Abstände und die hohe Dosis. Noch habe ich keine körperlichen Nebenwirkungen oder Langzeiteffekte und hatte auch keine medizinischen Notfälle. Aber ich bin mir bewusst, dass ich nicht ungeschoren davon kommen werde. Es ist also nur eine Frage der Zeit. Schlimmer aber sind die Auswirkungen auf den Leben und das soziale Umfeld. Jede Party ist wichtiger, als sonstige Hobbies. Manche Freunde gehen auf Distanz. Es beeinflußt das Berufsleben und es fängt an Deine Gedanken zu dominieren. Es schleicht sich ganz langsam in Dein Leben und wiegt dich in besten Gedanken. Nur damit Du nachher einfach nicht davon weg kommst.

Du glaubst, dass du es allein schaffst, aber du irrst. Ich werde demnächst nochmal zur Beratung gehen. Und zum Glück habe ich jemanden gefunden, mit dem ich zwar noch keine echte Beziehung pflege, aber dennoch ein sehr inniges Verhältnis habe. Er ist mir eine Stütze und beide wollen wir zusammenhalten, damit ich aufhöre. Wir müssen einen Sinn schaffen, der wichtiger ist als die Party. Bis dahin muss ich mir eingestehen, dass eine der nächsten Parties dann auch wirklich die letzte ist. Ich muss es mir selbst eingestehen und ehrlich mit mir sein. Denn nichts fällt in der Sucht leichter, als sich Lügen und Ausreden einfallen zu lassen, nur um der Sucht allzu leichtfertig nachzugeben.

In Summe dachte ich bereits, dass ich höchstgradig gefährdet bin. Lustigerweise bekommt man bei der eingangs erwähnten Global Drug Survey immer einen persönlichen Vergleich zur Gesamtmenge. Danach bin ich in noch am unteren Ende der Skala, was ich aber nicht so ganz glauben mag. Okay, ich bin ein Party-Tiger und zum Glück nicht am Mischen mit vielen anderen Drogen. Und ich brauche es auch nicht im Alltag. Eine Entschuldigung ist das aber nicht.


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