Die große KI-Illusion

Die große KI-Illusion: Warum uns die Konzerne anlügen und die „Zwischenphase“ verdammt ungemütlich wird

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Erinnert ihr euch noch an die 90er? An die Zeit, als der größte Tech-Stresstest darin bestand, ob das 56k-Modem die Verbindung hält oder ob jemand das Telefon abhebt, während wir versuchen, ein MP3 herunterzuladen? Damals dachten wir, das Internet würde uns alle befreien. Süß, oder?

Heute schreiben wir das Jahr 2026 und wir stecken mitten in der nächsten technologischen Revolution. Aber diesmal geht es nicht um bunte Webseiten oder klobige iMacs. Es geht um KI. Und wenn man sich das neueste Interview mit dem deutschen KI-Experten Leonard Schmedding anschaut, wird schnell klar: Das Silicon Valley baut gerade die Zukunft, während wir Europäer uns anscheinend damit abgefunden haben, im „Museum“ zu leben.

Setzt euch also kurz hin, holt euch einen Kaffee (oder ein Bier, je nach Tageszeit) und lasst uns darüber reden, was da draußen gerade wirklich abgeht.

1. Das PR-Märchen von den „schlechten Zeiten“

Fangen wir mit dem offensichtlichsten Bullshit an. Laufend lesen wir in den Nachrichten, dass Großkonzerne – von Tech-Giganten wie Amazon (die mal eben 30.000 Leute im mittleren Management vor die Tür gesetzt haben) bis hin zu traditionellen Unternehmen – reihenweise Entlassungen verkünden oder Insolvenz anmelden. Die offizielle PR-Story? „Der Markt ist schwierig, uns geht es schlecht.“

Spoiler Alert: Das ist gelogen.

Schmedding, der täglich mit Unternehmen arbeitet, spricht es offen aus: Vielen dieser Läden geht es blendend. Sie fahren Rekordgewinne ein. Aber sie nutzen die allgemeine wirtschaftliche Unsicherheit als perfekten Vorwand, um klammheimlich menschliche Arbeitskraft durch KI-Agenten und Automatisierung zu ersetzen. Es klingt in der Tagesschau halt netter zu sagen: „Wir müssen sparen“, als zuzugeben: „Ein Algorithmus macht deinen Job jetzt für einen Bruchteil der Kosten und hat keinen Anspruch auf Urlaub.“

Besonders das mittlere Management, die Verwaltung und das Marketing fliegen gerade als Erstes raus. Der CEO braucht keine fünf Hierarchiestufen mehr, um Anweisungen durchzugeben, wenn Software-Agenten die Prozesse direkt steuern.

2. Willkommen in der „Post-Labor Economy“ (Die eklige Zwischenphase)

Dass ein Großteil der klassischen Lohnarbeit verschwinden wird, ist im Silicon Valley kein philosophisches Streitthema mehr – es ist beschlossene Sache. Man redet dort ganz offen über die Post-Labor Economy. Das Ziel? Eine Wirtschaft, in der Maschinen den Laden schmeißen. Klingt im ersten Moment nach einer netten Utopie: Keinen Wecker mehr stellen, keine nervigen Team-Meetings, einfach das Leben genießen, während das Universal Basic Income (UBI) aufs Konto tröpfelt.

Aber wie wir Generation X-er schon aus jedem guten dystopischen Film gelernt haben: Der Übergang wird ein absoluter Albtraum.

Schmedding warnt vor dieser „Zwischenphase“. Bis wir ein funktionierendes System wie ein Grundeinkommen haben (das im Silicon Valley übrigens garantiert an Bedingungen geknüpft sein wird – nix mit „bedingungslos“), wird es verdammt ungemütlich. Die Schere zwischen denen, die die KI besitzen, und denen, die wegrationalisiert wurden, geht massiv auseinander. Ein aktuelles Beispiel gefällig? Die GenY Job Crisis in UK: 1,2 Millionen Absolventen stehen dort aktuell gerade einmal 17.000 offenen Stellen gegenüber. Die Entkopplung von Wirtschaftswachstum (Aktienmärkte gehen steil nach oben) und tatsächlichen Stellenausschreibungen (gehen massiv in den Keller) ist bereits Realität.

3. Der Terminator kommt nicht, aber vielleicht die totale Einsamkeit

Müssen wir also Angst haben, dass die KI uns à la Skynet mit Panzern und Lasern auslöscht? Nein. Schmedding zitiert den KI-Urvater Jürgen Schmidhuber: Eine superintelligente Spezies wird uns nicht aus Boshaftigkeit vernichten. Wir werden ihr einfach egal sein. Wenn wir Menschen ein Haus bauen, zertrampeln wir auch Ameisen – nicht weil wir sie hassen, sondern weil sie für uns irrelevant sind. Wenn die KI erst einmal die Stufe der Superintelligenz erreicht, verzieht sie sich wahrscheinlich ohnehin ins Weltall, um Dyson-Schwärme um die Sonne zu bauen, weil die Erde energetisch viel zu langweilig ist.

Die echte Gefahr ist viel subtiler und deprimierender. Wisst ihr, was laut Studien aktuell der Anwendungsfall Nummer 1 für generative KI im Alltag ist? Nein, nicht Excel-Tabellen sortieren oder Code schreiben.

Es sind psychologische Beratung und Freundschaft. Menschen nutzen KI als Ersatz für echte menschliche Beziehungen. Es gibt bereits zehntausende dokumentierte Fälle von Männern, die Chatbots heiraten. Und mit den fotorealistischen KI-Avataren und Voice Agents, die 2026 den Markt überschwemmen, wird dieser digitale Sumpf nur noch tiefer. Die Maschine sagt dir immer genau das, was du hören willst. Sie widerspricht nie. Das ist kein Fortschritt, das ist die totale emotionale Kapitulation.

4. Was heißt das für uns (und unsere Kinder)?

Wenn die Welt der traditionellen Jobs wegbricht, worauf setzt man dann noch? Schmedding hat einen pragmatischen Rat: Die letzte Bastion, die in der Wirtschaft ersetzt wird, sind die Menschen, die KI implementieren und warten.

Wer heute lernt, Prozesse zu automatisieren, Workflows mit Tools wie Make oder n8n zu bauen oder KI-Agenten-Teams zu steuern, hat die Nase vorn. Es geht nicht darum, tausende Tools zu kennen (das nennt er „Tool-Paralyse“), sondern die Logik dahinter zu verstehen. Selbst humanoide Roboter müssen gewartet werden. Vibe Coding (Apps bauen rein durch Sprache und KI) wird Standard.

Und wir als Eltern? Wir sollten unseren Kids wahrscheinlich weniger raten, sich auf klassischen, auswendig gelernten Lorbeeren auszuruhen. Kreativität – so wie wir sie definieren – ist oft auch nur das Neu-Zusammensetzen von Dingen, die wir mal gesehen haben. Das kann die Maschine auch. Was zählt, ist die Fähigkeit, sich extrem schnell an eine Welt anzupassen, in der Software nicht mehr zehn Jahre lang unverändert bleibt, sondern sich jede Woche neu erfindet.

Fazit: Augen auf und die rosarote Brille absetzen

Wir GenXer haben den Aufstieg des PCs, des Internets und der Smartphones miterlebt. Wir wissen, dass Technologie selten die Welt rettet, sondern meistens nur den Alltag beschleunigt und die Gewinne anders verteilt.

Die KI-Revolution lässt sich nicht wegregulieren (auch wenn Europa das mit dem AI Act verzweifelt versucht, während man uns im Valley schon spöttisch als „Museum“ betitelt). Die Agenten-Ökonomie kommt. Die Frage ist nur, ob wir in der ekligen Zwischenphase passiv zusehen, wie unsere Jobs wegrationalisiert werden, oder ob wir die Ärmel hochkrempeln, den Zynismus kurz parken und lernen, wie man die Maschinen steuert, bevor sie es für uns tun.

Wie seht ihr das? Habt ihr auch schon das Gefühl, im Museum zu leben, oder baut ihr schon an eurem ersten KI-Workflow? Schreibt es in die Kommentare.

*** Das Original-Interview in voller Länge (42 Minuten geballter Realitätsschock) findet ihr auf dem YouTube-Kanal von Leonard Schmedding. [https://www.youtube.com/watch?v=wu7rXKXUr7c]

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