Dienstag, 16. Dez. 2025 at 09:24

4.1.0f.2 – Die vier Kräfte, die die Mitte unregierbar machen

Die europäische Mitte fällt nicht aus sich heraus.
Sie wird von Kräften zerzogen, auf die nationale Politik kaum Antworten fand.

1. Gesellschaftliche Fragmentierung
Migration, Vermögensverschiebungen, Identitätspolitiken, geopolitische Neuorientierung –
all das erzeugt Teilöffentlichkeiten mit eigenen Wirklichkeiten.

Es gibt nicht mehr „die Öffentlichkeit“,
sondern parallele Wahrnehmungsräume, die kaum interagieren.

Eine Regierung muss nun für Gruppen handeln,
die sich gegenseitig als Ursache der eigenen Probleme betrachten.
Regieren wird zum permanenten Konfliktmanagement.

2. Aufmerksamkeits- und Medienlogik
Digitale Öffentlichkeit bevorzugt:
• Empörung vor Argument
• Konflikt vor Ausgleich
• Klarheit vor Komplexität
• moralische Überhöhung vor nüchterner Vermittlung

Wer aus der Mitte regieren will, klingt für die moderne Medienlogik:
• zu langsam
• zu vorsichtig
• zu differenziert
• zu langweilig

Mitte hat Reichweiten-Nachteile.
Extreme haben algorithmische Vorteile.

3. Strategische Polarisierung der Parteien
Parteien lernen:
Zentrierung kostet Stimmen, Polarisierung bringt Sichtbarkeit.
Damit verschiebt sich die Logik politischer Karrierewege:
• Wer ausgleicht, wirkt schwach.
• Wer spaltet, wirkt entschlossen.
„Für alle regieren“ verliert als politisches Narrativ an Wahlmarktfähigkeit.

4. Geopolitische Druckfelder
USA: Polarisierte Demokratie, Machtpolitik statt Ausgleich.
China: Effizienz ohne Pluralismus.
Russland: Identitäre Mobilisierung gegen den Westen.

Europa steht dazwischen und hat sein eigenes Modell –
liberal, plural, ausgleichsorientiert
nicht mehr überzeugend verteidigt.

Mitte erscheint nicht mehr als Erfolgsmodell,
sondern als Schwäche.

More from kdr1957 und ChatGPT: Die neue Erzählung
All posts