Niedrigere Fahrpreise = mehr Fahrgäste

Niedrigere Ticketpreise machen den ÖPNV beliebter. Diesen bekannten Zusammenhang konnten drei Forschende der Universität Barcelona in einer frisch veröffentlichten Studie erneut nachweisen. Eine Senkung der Preise um die Hälfte führte demnach zu einem 36 Prozent erhöhten Fahrgastaufkommen. Hintergrund der Studie ist eine bereits 2019 durchgeführte Reform der Tarifzonen in der Metropolregion Barcelona. Viele, die zuvor in Zone 2 gelebt und höhere Preise gezahlt hatten, lebten nun in der günstigeren Zone 1. Pendler profitierten am meisten — Hausbesitzer am wenigsten, denn die Preissenkung wurde über eine Steuer auf Wohneigentum finanziert.

María Cervini-Plá, Mariona Tomàs und Javier Vázquez-Grenno untersuchten in 10 von 18 Gemeinden (diejenigen mit Bahnhof oder Metrostation) das Fahrgastaufkommen anhand der entwerteten Tickets und verglichen dieses mit der Auslastung vor der Reform. Zudem zogen sie die Daten eines Mobilitätssurveys heran. Dieses Vorgehen erlaubte es ihnen, sich auf regelmäßige Fahrgäste zu fokussieren und beispielsweise touristische Nutzung auszuklammern. Gemeinden rund um Barcelona, die nicht in den Genuss einer Preissenkung gekommen waren, dienten als Kontrollgruppe.

Kurz nach der Preissenkung und rund um eine später stattfindende Kommunalwahl wurden Anstiege verzeichnet. Ein weiterer ergab sich, als die Hausbesitzer rund um Barcelona gut ein Jahr nach der ÖPNV-Reform ihren Steuerbescheid in den Händen hielten. Vielen wurde offenbar jetzt erst bewusst, dass sie für die Preisssenkung mit einer neuen Grundsteuer zahlten. Es gab Diskussionen. Protestgruppen formierten sich und brachten die Reform auf die Tagesordnung.”Dieser Anstieg lässt sich entweder auf die erhöhte Bekanntheit der Steuer, die größere Sichtbarkeit der Fahrpreissenkung oder möglicherweise auf beides zurückführen”, so die Forschenden. Viele Politkier hatten in den Wochen vor der Kommunalwahl lieber über die Preisssenkung als über die Steuer geredet. Auch in den Pressemitteilungen der Kommunen findet sich nichts über die Art und Weise der Gegenfinanzierung. Die Tatsache, dass nicht alle gleichermaßen profitieren, wurde im Wahlkampf gekommt ausgeklammert. Während regelmäßige Nutzer ohne eigenes Wohneigentum mit circa 387 € im Jahr am meisten sparten, mussten Hausbesitzer im Schnitt rund 40 € mehr Steuern entrichten. Die öffentliche Hand verzeichnete 4,81 Millionen € weniger Ticketerlöse.

Unter umweltpolitischen Gesichtspunkten fällt das Fazit gemischt aus: Zwar ließen viele ihr Auto oder Motorrad zugunsten des Zuges stehen, jedoch sank auch der Anteil derjenigen, die ihre täglichen Strecken besonders umweltfreundlich zu Fuß oder auf dem Rad zurücklegen. “Anhand von Umfragedaten beobachten wir auch eine Verkehrsverlagerung weg von privaten Verkehrsmitteln — wie Autos, Motorrädern und Kleinlastwagen — sowie vom Zu-Fuß-Gehen und Radfahren”, so die Autoren, “Dies deutet darauf hin, dass die Fahrpreissenkung nicht nur eine Verlagerung weg von umweltschädlicheren Verkehrsmitteln, sondern auch weg von umweltfreundlichen Alternativen bewirkt hat. Infolgedessen bleibt die Nettoauswirkung der Maßnahme auf die Umwelt unklar, was für politische Entscheidungsträger, die mobilitätsbezogene Maßnahmen konzipieren, eine wichtige Überlegung ist.”

Die Forschenden konnten somit bestätigen, was einige Studien zuvor bereits gezeigt hatten: Eine Preissenkung macht den ÖPNV attraktiver.

Quelle:

Cervini-Pla et al. (2025): The impact of fare reductions on public transportation use, https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2212012225000425