Freitag, 19. Dez. 2025 at 17:56

4.1.1.2 Warum andere nicht folgten – Verantwortungslücken in Europa und den USA

Die entscheidende Frage lautet nicht,
warum Merkel nicht führte,
sondern warum ihr niemand folgte.

In Europa fehlte nach 2005 ein politisches Zentrum,
das bereit gewesen wäre,
Verantwortung für die Neubegründung des Gemeinsamen zu übernehmen.
Frankreich schwankte zwischen Führungsanspruch und innenpolitischer Blockade.
Großbritannien verabschiedete sich schrittweise aus der europäischen Ordnung.
Die südeuropäischen Staaten waren mit Finanz- und Schuldenkrisen beschäftigt.
Osteuropa definierte Sicherheit zunehmend gegen Russland
und nicht mit Europa.

Die EU-Institutionen verwalteten Verträge,
aber sie gestalteten keine politische Richtung.
Luxemburg, Brüssel und Frankfurt wurden Orte technokratischer Stabilisierung,
nicht politischer Entscheidung.
Integration wurde formal vertieft,
während politischer Zusammenhalt erodierte.

Auch auf transatlantischer Ebene entstand keine tragfähige Führungspartnerschaft.
Barack Obama verkörperte – ähnlich wie Merkel –
eine Politik der Vernunft, der Deeskalation und der Verfahrensbindung.
Doch auch er unterschätzte,
wie weit die Weltordnung bereits destabilisiert war.

Die USA zogen sich strategisch aus Europa zurück,
ohne eine neue Sicherheitsarchitektur zu etablieren.
Die NATO suchte nach Aufgaben,
ohne ihren politischen Zweck neu zu definieren.
So entstand ein sicherheitspolitisches Vakuum,
das nicht durch Kooperation,
sondern durch Abschreckungslogik gefüllt wurde.

In diesem Raum handelten andere entschlossener:
Russland nutzte die fehlende strategische Klarheit des Westens,
nicht aus dem Nichts,
sondern entlang der Bruchlinien einer ungeklärten Ordnung.
China konzentrierte sich auf langfristige Machtprojektion,
während Europa mit sich selbst beschäftigt blieb.

Merkel hielt in dieser Gemengelage das System zusammen,
aber sie konnte es nicht erneuern.
Nicht weil sie es nicht wollte,
sondern weil die Voraussetzungen fehlten:
politischer Wille,
gemeinsame Ziele,
und die Bereitschaft anderer, Verantwortung zu übernehmen.

Als Merkel ging,
war nicht die Führung verschwunden –
sie war nie gemeinsam aufgebaut worden.

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