Freitag, 19. Dez. 2025 at 17:57
December 20, 2025•162 words
4.1.1.4 Merkel und Obama – Die letzten Hüter einer brüchigen Ordnung
Angela Merkel und Barack Obama verband mehr als politische Sympathie.
Beide standen für eine Ordnungsvorstellung,
die auf Verfahren, Kooperation und Begrenzung von Macht beruhte.
Sie glaubten – vielleicht zu lange –,
dass diese Ordnung tragfähig genug sei,
um Erschütterungen zu absorbieren.
Dass Zeitgewinn Stabilität schafft.
Dass Eskalationsvermeidung Gestaltung ersetzt.
Doch während sie moderierten,
veränderte sich die Welt schneller als ihre Instrumente:
• autoritäre Macht gewann an Attraktivität,
• wirtschaftliche Globalisierung verlor ihre integrative Kraft,
• ökologische Grenzen wurden sichtbar,
• militärische Macht kehrte als politisches Mittel zurück.
Merkel und Obama hielten zusammen,
aber sie wurden nicht getragen.
Ihre Politik setzte auf Vernunft,
doch Vernunft braucht Mehrheiten,
Institutionen und Erzählungen.
Als diese fehlten,
blieb nur Verwaltung des Bestehenden.
Mit ihrem Abgang verschwand nicht nur persönliche Autorität,
sondern die letzte Erinnerung daran,
dass politische Macht begrenzt, eingebettet und verantwortet sein muss.
Was folgte,
war keine neue Ordnung,
sondern ein Wettlauf konkurrierender Narrative.