An „Ion Fury“ ist alles retro: Action, Technik und Humor

Die Macher des legendären „Duke Nukem 3D“ legen 23 Jahre später mit „Ion Fury“ eine furiose Portion Nostalgie nach - leider mit Altlasten.

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Von Rainer Sigl

Die Neunzigerjahre sind längst wieder da, zumindest in Sachen First-Person-Shooter. In den letzten Monaten hat sich eine ganze Reihe famoser Indie-Titel der knallharten, geradlinigen Shooter-Vergangenheit wieder angenommen.

Jetzt steht aber statt lauwarmer Erinnerungskost sozusagen ein Original wieder von den Toten auf: Mit „Ion Fury“ veröffentlicht das legendäre Entwicklerstudio 3D Realms, Schöpfer des großen „Duke Nukem 3D“, ein brandneues Spiel, und das stilecht mit Originaltechnologie aus den 90er Jahren. Das bedeutet glorreiche Pixel-Explosionen, markige Sprüche und erstaunlich frischen Spielspaß.

Ionen-Maid mit 90er-Jahre-Humor

Die Handlung von „Ion Fury“ ist ziemlich egal, bemerkenswert ist nur, dass es diesmal kein stereotyper Macho-Muskelprotz, sondern eine Actionheldin ist, die immer größere Schusswaffen gegen böse Soldaten, Monster und Roboter zum Einsatz bringt. Link Test

Eigentlich hätte das Spiel deshalb auch „Ion Maiden“ heißen sollen, dagegen hat sich die legendäre Metalband aber im letzten Moment gerichtlich zur Wehr gesetzt. Anscheinend haben die englischen Gitarren-Großpapas weniger Sinn für den seichten Popcorn-Humor, der das Science-Fiction-Geballer vom plumpen Action-Gemetzel zum hoffnungsfrohen Trash-Kult werden lässt.

Umso deprimierender, dass sich in den letzten Tagen eine unschöne Kontroverse über sexistische und schwulenfeindliche Gags im Spiel entsponnen hat, bei der sich die Macher nach einigem Hin und Her enttäuschenderweise schlussendlich doch geweigert haben, dementsprechende Passagen im Spiel zu ändern.

Alles wie früher - im Guten wie im Schlechten

„Ion Fury“ wartet spielerisch mit alten Tugenden auf: Es gibt unkomplizierte Action, viele, gut versteckte Secrets und simple, aber spannende Schussgefechte in riesigen, recht verschachtelten Levels. Mehr durfte man 1996 nicht erwarten - und auch 2019 hat man seinen Spaß daran. So gesehen ist „Ion Fury“ gelungener Retro ohne Tiefgang, der ins Gedächtnis ruft, wie toll das damals eigentlich war - auch ohne Hochglanzgrafik und Physik-Engine.

„Ion Fury“ ist für Windows und Linux erschienen.

Was auch an die 90er erinnert, dabei aber weniger lustig ist, ist die unerfreulich verlaufene Debatte um homophobe Witzchen, die man im Boys Club - zwinker, zwinker - zwar eh nicht bös gemeint haben will, aber dann aus einer Mischung aus Trotz, Angst vor den rabiaten Fans und halbherzigem Verweis auf künstlerische Freiheit doch auch noch unbedingt mit im Spiel drin haben musste.

Das alles hätte man gern in den 90ern lassen dürfen - es war nicht alles leiwand, damals, in der guten, alten Zeit.


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