Vorarlberger:innen: Enttrohnt den Landesfürsten!

Drei statt neun Bundesländer sollten genügen - zumindest wenn es nach NEOS-Staatssekretär Sepp Schellhorn geht. Wallner antwortete, kampfbereit für Vorarlberg, dass sich das Land sicher nicht durch Wien zusammenlegen lässt: Vorarlberg sei unabhängig und wichtig, und das würde er Wien auch spüren lassen.

Wir wissen zwar nicht, ob Schellhorn mit seinen drei Bundesländern vielleicht Vorarlberg, Mittel-Österreich und Wien gemeint hat, es ist aber auch klar, dass Wallner und seine Landesregierung nicht die Kraft haben, alles zu blockieren - weder in Watte gepackte, fremdenfeindliche Rhetorik noch Inserate bewerkstelligen das.

Ich habe Vorarlberg verlassen, weil es hier für mich keine attraktive Arbeit gibt und weil der von den Landesregierungen ewig geschürte Konservativismus meine Existenz als nichtbinäre Person unglaublich mühsam macht - und das obwohl Vorarlberg aus vielen progressiven, offenen Menschen mit einer Leben-und-Leben-lassen-Philosophie besteht. Als Exilvorarlberger:in kann und will ich aber nicht zuschauen, wie die tüchtig arbeitenden Menschen in Vorarlberg von Brüssel, Wien und Bregenz bevormundet werden.

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Mit Hinblick auf das Betonkaisertum, die Sozialkürzungen, den verpassten sozialen Wohnbau, den geschürten Rassismus, die Vormachtstellung der Skilifte, den "Ausverkauf der Heimat" und die Ungleichverteilung der Ressourcen durch die sich ein "Schaffa, Schaffa, Hüsle baua" für kaum jemanden mehr ausgeht; mit Hinblick auf all das, ist für mich klar: Es ist Zeit für Widerstand. Widerstand gegen die hyperkapitalistische EU und ihren Kriegswahnsinn. Widerstand gegen Wien, die Parteibonzen und Faschisten in der Regierung. Widerstand gegen die mafiösen Skilifte, die Brauunion und Techkonzerne die versuchen unsere Firmen aufzukaufen oder zu zerschlagen. Widerstand gegen unseren Landesfürsten und sein Gefolge, die das alles mittragen und nebenbei Rassismus gegen unsere Nachbarn und Freunde aus der Türkei oder Syrien schüren!

Niemand wollte Österreich - und seien wir ehrlich: Wir wollten und wollen es auch nicht!

Schon einmal hat sich Vorarlberg entschieden: Wir wollten weg von diesem Konstrukt "Österreich". In den Nachwehen des Zweiten Weltkrieges ist unser Gesuchen - unser demokratischer Entscheid - aber nicht "abgelehnt worden" wie es landläufige Meinung ist - das ist die Geschichte, die uns Erzählt wird. Wir sollen uns mit diesem Schicksal abfinden. "Kanton übrig" für die eine und "der Hinterarlberg" für die andere Seite. Tatsächlich ist unser Wunsch um einen eigenen Kanton in den Friedensverhandlungen bewusst underdrückt und unterschlagen worden. Die mächtigen Herren wollten Österreich so und nicht anders. Heute ist es durchaus abstrus von einem Kanton zu träumen - die Zeiten haben sich geändert. Die Stimmung in Vorarlberg lässt keine Sympathien gegenüber den Eidgenossen erkennen - Rassismus, auf Basis eines Jahrzehntelangen Grolls für eine Ungerechtigkeit, die nie vom schweizer Volk beschlossen wurde, sondern von den Siegermächten. Es ist aber an der Zeit, nach viel mehr zu trachten, als nur den Herren Wiens zu entkommen, um dann in den nächsten Käfig gesperrt zu werden: Es ist an der Zeit für eine fortschrittliche, unabhängige, rätedemokratische Bodenseenation.

"Abspaltungsgedanken im 21. Jahrhundert?" werden sich jetzt manche fragen... Nein. Freiheitskampf für eine freie, selbstbestimmte Bodenseenation. Freiheitskampf für einen revoltionären Kern im Herzen Europas. Nehmen wir unserem Landesfürsten, den Bonzen Wiens und den Politiker:innen Brüssels das Szepter aus der Hand und zeigen Europa und der Welt, "was die urwüchsige Kraft alemannischer Fäuste" mit ihren "konsternierten Reihen [...] zu leisten vermag", wenn "das Fußvolk der vereinigten Vorarlberger Streitkräfte" einen befreiten Staat begründet. Der Beweis, dass Vorarlberg das kann, schwimmt heute noch auf dem Bodensee und trägt den Landesnamen - entgegen den Wünschen Wiens, entgegen der rückgratlosen Landesregierung, deren traurige ÖVP im letzten Moment noch versucht hat das revolutionäre Vorarlberg hinter sich zu versammeln ... und dann am falschen Platz gestanden ist, während die vorarlberger Bevölkerung ihr Schiff getauft hat. Zeigen wir, dass "Schaffa, schaffa, Hüsle baua" auch eine kollektive "mir machan des gemeinsam" Mentalität sein kann; dass es eigentlich bedeutet "Gmeinsam schaffa, allna helfa, Umvrteila! A ghörigs Leba für alle."

Weg mit Wallner. Weg mit da Bürgermeister:innen. Weg mit da Verordnungen aus Wien. Weg mit Hochdütsch! Mir sen ghörige Buggler:inna. Mir wissand am Beschta, wia da Betrieb lofa sött - was sinnvolle Politik isch. In jedn Betrieb an demokratischa Betriebsrot, der d Kontrolla het! I jedam Dorf und in jedra Parzella an demokratischa Rot, wo entscheidat, wia sacha zum lofa hön. D ganz Macht da schaffanda Lüt - glich ob Gaschtarbeiter:inna, Muslim:as, Translüt odr wer sus no do isch. Wer goherig schaffat, untrstützt, do lebt het a Stimm!

Unrealistisch? Unvermeidlich! D basisdemokratische Bodenseenation Vorarlberg würd Östrich und dr EU zega, wo dr Hammr hängt.Mit am Kampf um nationale Selbschtbestimmung zegand mir, dass moderne, liberale, nationalstaatliche Struktura ned dia allwissenda, monolithischa, gottähnlicha Dingr sen, für dia ma se allad haltat. Mir zegan Südtirol, Bayern, Thüringa, da Basken, Nordiren, etc. dass ma da Kampf um echte Selbstbestimmung und Unabhängigkeit jedrzit ufneh, eskaliera und fertigkämpfa ka. So a Selbschtermächtigungsbewegung zrschlod dia Systeme vo Untrdrückung, wo önschre Nationalstaatena sen. Se zrschlod d Illusion dia d EU het, dass dr liberale Kapitalismus langsam zu anam sinnvolla Ziel führt. Se bricht d Ketta, dia önsch internationale Konzerne wia a Brauunion uferlegan zum önsch z Ergebnis vo önschram Schaffa zum neh. Se bringt önsch ned nur Selbstbestimmung sundrn ermächtigt o önschri Genossa übrall, des glich zum tua. Mir send d Mehrheit, mir kün des sel - ohne Breaganz, Wian odr Brüssel. Uf Widrstand in jedam Dorf und Betrieb!

Arbeiter:innen Vorarlbergs, vereinigt euch!


Ist das noch von der Kunstfreiheit gedeckt? Darf das Satire? Irrelevant - die meisten Behörden verstehen es nicht. Niemand wird also unseren Kampf um Freiheit, heimisches Bier, Selbstbestimmung und für ein "heißumfehdetes, wildumstrittenes" revolutionäres Herz Europas stoppen...

P.S.: Vögelchen zwitschern mir, dass die trotzkistisch kommunistischen Traditionen Österreich sicher hinter uns stehen werden. Wir haben also starke Verbündete in der Bundeshauptstadt, die die Polizei beschäftigen werden, während Vorarlberg zur Bodenseenation wird.

P.P.S.: Hier nochmal der Text auf Hochdütsch:

Weg mit Wallner. Weg mit den Bürgermeister:innen. Weg mit den Verordnungen aus Wien. Weg mit Hochdeutsch! Wir sind tüchtige Hakler:innen. Wir wissen am Besten, wie der Betrieb funktionieren sollte - was sinnvolle Politik ist. In jeden Betrieb einen demokratischen Betriebsrat, der die Kontrolle hat! In jedem Dorf und jeder Parzelle einen demokratischen Rat, der entscheidet, wie Dinge zu funktionieren haben. Alle Macht den arbeitenden Menschen - gleich ob Gastarbeiter:innen, Muslim:as, Transpersonen oder wer sonst noch hier ist. Wer hakelt, unterstützt, hier lebt hat eine Stimme!

Unrealistisch? Unvermeidlich! Die basisdemokratische Bodenseenation Vorarlberg wird Österreich und der EU zeigen, wo der Hammer hängt. MIt dem Kampf um nationale Sebstbestimmung zeigen wir, dass moderne, liberale, nationalstaatliche Strukturen nicht die allwissenden, monolithischen gottähnlichen Konstrukte sind, fuer die sie immer gehalten werden. Wir zeigen Südtirol, Bayern, Thüringa, den Basken, Nordiren, etc. dass man den Kampf um echte Selbstbestimmung und Unabhängigkeit jederzeit aufnehmen, eskalieren und fertigkämpfen kann. So eine Selbstermächtigungsbewegung zerschlagt die Systeme der Unterdrückung, die unsere Nationalstaaten sind. Sie zerschlagt die Illusion der EU, dass der liberale Kapitalismus langsam zu einem sinnvollen Ziel führen würde. Sie bricht die Ktten, die uns internationale Konzerne wie die Brauunion auferlegen um uns die Früchte unserer Arbeit zu nehmen. Sie bringt uns nicht nur Selbstbestimmung sondern ermächtigt auch unsere Genoss:innen überall, das Gleiche zu tun. Wir sind die Mehrheit, wir können das selbst - ohne Bregenz, Wien oder Brüssel. Auf Widerstand in jedem Dorf und Betrieb!


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