Berlin // von Euphorie und Schuldgefühl

Der folgende Text basiert zu großen Teilen auf meiner Erfahrung in einem der bekanntesten Berliner Techno-Clubs. An dieser Stelle sei erwähnt, dass es sich um meine persönlichen Erfahrungen, Motivationen, Wünsche und Ängste dreht und sonst in keinerlei offiziellem Zusammenhang zum Club steht. Es kann leicht der Eindruck entstehen, dass jeder Club ein Hort illegaler Aktivitäten ist. Aber dem ist nicht so. Ganz im Gegenteil, es gibt viel Sicherheitspersonal, gute Kontrollen und überall nette Bedienung. Alle geben sich Mühe den Abend zu einer persönlichen und sinnlichen Erfahrung zu machen.

Sonntag morgen, einen Tag vor Heiligabend 2018. Es ist halb fünf morgens und hier sitze ich nun, im roten Dämmerlicht im Erdgeschoss im Club. Allein auf der Couch, nur mit mir selbst. Der Club ist noch nicht sonderlich voll und so habe ich ein wenig Ruhe und bin ungestört. In der Hand halte ich eine winzig kleine Tüte mit zwei Pillen. Eine kleinere in Herzform und eine größere rechteckige, schwarz-bläulich. Endlich halte ich vor mir, was ich nun schon seit Wochen herbei gesehnt habe.

Es ist Weihnachten und ich bin für eine Woche nach Hause geflogen. Ich habe mir fest vorgenommen daheim zu bleiben, Ruhe zu geben und statt fern zu sehen eher ein Buch zu lesen und Zeit mit der Familie zu verbringen. Doch irgendwie ist ja noch viel Zeit zwischen Freitag, dem Tag meiner Anreise und Montag dem heiligen Abend. Zeit Berlin in vollen Zügen zu genießen. Früher bin ich bei jedem Heimatbesuch mindestens einmal fortgegangen. Da Berlin für mich seit je her aber auch Familienbesuch ist, bleibt seit langem kaum mehr Zeit zum Fortgehen.

Aber nun ist mir nach den Erzählungen und Erfahrungen meiner Wiener Freundschaft Plus wieder einmal nach fortgehen. Er war erst vor einer Woche von seinen Freunden nach Berlin eingeladen und hatte mir davon berichtet. In den letzten Wochen war ich auch in Wien und Graz ständig fort und hatte stets Spaß daran. Nur war meine Wiener Bekanntschaft in irgendeinem Berliner Club und hatte sich dort zwei Pillen Ecstasy eingeworfen. Damit hatte er schon vor Mitternacht angefangen und mir im Moment der Glückseligkeit dann ein paar super liebe Nachrichten geschickt. Zu der Zeit war ich gerade in Graz auf einer anderen Party. Ich hatte ihn beneidet, wäre selbst gern in Berlin gewesen und mit ihm fortgegangen. Da ich aber nicht dabei war, hatten mich seine Nachrichten mental heruntergezogen. Er hatte sich wieder in meine Gedanken; in meinen Kopf geschlichen und meine Laune war dahin. Zugegeben, sie war davor schon nicht sonderlich gut. Zwar war ich mit Freunden unterwegs und das allein sollte einen glücklich machen. Aber ich wollte selbst gern Ecstasy nehmen statt Alkohol zu saufen. Ich hatte fest darauf gebaut, dass jemand aus dem Freundeskreis was dabei hat. Letztendlich war in Graz aber nichts zu bekommen und so blieben alle beim Alkohol - in rauhen Mengen. Zum Glück verlief der Abend in Graz dann später auch ohne Pillen super und ich hatte eine tolle Zeit mit meinen Freunden dort.

Einige Tage später, noch vor meiner Reise nach Berlin, schrieben wir dann über unsere Erfahrung mit Ecstasy sowie seine Partyerfahrung in Berlin. So kamen wir auf meinen Lieblings-Club. Er traue sich dort nicht hin, da die Türsteher für ihr wahlloses Ja oder Nein beim Einlass berühmt berüchtigt waren. Wenn Du Pech hast, stehst Du stundenlang in der Schlange, nur um dann abgewiesen zu werden. Widerspruch zwecklos. Ich war ungefähr fünfmal im dort und hatte immer Glück. Nun bin ich aber fast 40 und war lange nicht dort. Diesmal hatte ich den Entschluss gefasst, es wieder mal richtig krachen zu lassen.

Statt wie sonst mit dem Auto, wollte ich diesmal mit dem Zug in die Stadt fahren. Das aber bedeutet auch die ganze Nacht dort zu verbringen, da zwischen 1 Uhr und 6 Uhr morgens keine Bahn fährt. Die ganze Nacht? Das passte gut zu meinem Plan und ich wollte ohnehin nicht schlafen. Wie ein kleines Kind freute ich mich darauf und hatte insgeheim doch ein schlechtes Gewissen. Es war Vorweihnachtszeit. Ich sollte bei meiner Mutter bleiben und Zeit mit ihr verbringen. War überhaupt zu erwarten, dass viele Leute ausgehen, so kurz vor Weihnachten? Sollte ich die ganze Nacht verschwenden? Wohl wissend, dass ich am Sonntag dann ja auch mal schlafen muss. Am Ende hat doch der Wille zum fortgehen gesiegt und so sitze ich gegen 19 Uhr im Zug nach Berlin.

Stunden zuvor hatte mich zufällig jemand auf einer dieser Dating-Apps angeschrieben. Jemand mitten aus Berlin und ich fragte mich, wieso er gerade mich draußen am Land in 38km Entfernung anschreibt? Dennoch entwickelte sich ein super nettes Gespräch, ganz ohne Andeutungen, ohne Zwänge und ohne ein Wort über Sex. Da ich ohnehin nach Berlin wollte, meinte ich, dass wir uns doch zu einem oder zwei Bier treffen könnten. Er war total begeistert, meinte aber er müsse arbeiten und habe erst gegen 23 Uhr Zeit. Auch das passte wieder gut in meinen Plan. Ich wollte so oder so in die Gay Sauna. Letztes Mal war es ein toller Besuch und so stand es auch heute auf meiner Liste.

Wieder Erwarten war die Sauna gut besucht, aber mein Kopf war woanders und die Gedanken nicht wirklich frei. So hatte ich zwar hier und da meinen Spaß, aber nichts was in Erinnerung bleiben sollte oder in einer Kabine gemütlich endete. Gelangweilt brach ich gegen 22 Uhr Richtung Berlin Friedrichshain auf. Mein neuer Chat-Freund hatte mir geschrieben, wo er ungefähr ist. Aber wir hatten keinen genauen Treffpunkt ausgemacht. So nahm ich einfach die U-Bahn, wechselte in die Ringbahn und stieg in der Frankfurter Allee aus. Zum Glück war sein Kiez dicht an der Warschauer Straße und somit auch dicht am Club.

Leider hatte ich noch immer nichts von ihm gehört. So fuhr ich noch eine Station weiter und schlenderte dann gemütlich durch Berlin Friedrichshain. Immer die Simon-Dach-Straße hinunter und die Revaler Straße entlang. Da ich im Südwesten Berlins aufgewachsen bin, war mir der Westen immer näher und der Osten eher fremd. So war Friedrichshain für mich total neu und ich sog die Eindrücke in mich auf. Ich war überrascht den den vielen Bars und von der Art von Gästen überall. Ich fing an Berlin zu mögen. Zudem war Vollmond und ich konnte ein paar tolle Fotos von den alten Fassaden mit dem Mond im Hintergrund machen.

Weit nach Mitternacht meldete sich meine neue Bekanntschaft. Leider würde es noch etwas länger dauern. Aber er nannte mir eine kleine Bar, welche er gut kennt und so setzte ich mich allein mit einem Bier an die Theke und wartete. Gerade als das Bier fast leer war kam er endlich. Größer als ich, im typisch Berliner Look mit langem braunen Mantel, Turnschuhen und Mütze. Sehr lässig und gleich auf den ersten Blick entspannt sympathisch. Wir blieben an der Bar und plauderten über seine Zeit in Berlin. Er war erst seit 3 Monaten in der Stadt und die fühlte sich doch ganz anders an als die Besuche als Tourist davor. Er beschwerte sich, dass man zwar Tag ein Tag aus Party machen könne und viele Menschen kennenlernt, aber eben keine richtigen Freunde. Ich konnte das gut nachvollziehen, da es mir in meinem Jahr in Wien ähnlich ergangen ist.

Wir sprachen auch übers Fortgehen, über den Club und über Drogen. Er wäre gern mitgegangen, musste morgen aber früh auf, um Geschenke zu kaufen und abends mit dem Bus nach Süddeutschland fahren. Immerhin stand ja noch Weihnachten vor der Tür. Er empfahl mir aber einige weitere Berliner Techno Clubs in welche ich gehen sollte, falls ich am Club meiner Wahl abgewiesen werden sollte. Weit nach 3 Uhr verließen wir dann die Bar und spazierten langsam Richtung Club. Er kannte die Gegend gut und begleitete mich ein Stück. Wir scherzten über mein Outfit und ob ich so überhaupt reinkommen würde. Am Abend hatte es geregnet und so hatte ich einen großen Schirm dabei. Mit dem würde ich nicht in den Club kommen. Also musste der Schirm nun als erstes verschwinden. Ich versteckte ihn an einem Bauzaun, wo er in der Früh dann leider nicht mehr war. Kurz vorm Club verabschiedeten wir uns und nahmen uns vor die gemeinsame Partynacht 2019 nachholen. Ich war froh ihn so spontan kennengelernt zu haben.

Vorm Club war wie erwartet, ob der Weihnachtszeit, nicht viel los. Ein Pärchen kam Richtung Haupteingang während ich von einem seitlichen Weg eintraf. Das Pärchen wurde direkt abgewiesen und beide waren leicht verstimmt. Ich überlegte was ich jetzt machen sollte, ging dann aber am Gitter vorbei und stellte mich in die angedeutete Warteschlange, drehte mich um und beobachtete das Pärchen. Ich wollte wissen, was an ihnen nicht zum Club passte. Wieso wurden sie abgewiesen? Dann sah ich es. Sie war zu hübsch angezogen. Hohe schwarze Lederstiefel, ein dunkles knappes Kleid und dunkle Strumpfhose. In Summe hübsch und sogar leicht sexy, aber einfach zu brav. Plötzlich redete mich der Türsteher von hinten an. Aus meinen Gedanken gerissen, wusste ich nicht was ich sagen sollte bzw. hatte ich seine Frage gar nicht erst verstanden. Wie ein Vollidiot schaute ich ihn an und er wiederholte seine Frage. Woher ich gekommen bin? Von der Warschauer Straße war meine Antwort. Von wo dort? Ich war zuvor in einigen Bars und wolle jetzt in den Club. Diesmal fragte er mich, ob ich schon öfter hier war. Und ob! Auch wenn es schon eine Weile her war. Am Ende nickte er, bat mich rein und wünschte mir eine schöne Nacht.

Innen ging es zur Security mit nachfolgenden Körper- und Taschenkontrolle. Das kannte ich schon und es gab mir ein gewisses Gefühl der Sicherheit. Neu war allerdings, dass am Handy die Kameras vorn und hinten mit einem Aufkleber abgeklebt wurden. Ich wurde ermahnt, dass Filmen und Fotografieren verboten sei. Ich hielt mich den ganzen Abend dran. Wer will sich schon mit der Security anlegen? Nachdem ich 16 Euro Eintritt hingeblättert hatte, stand ich an der Garderobe. Es war herrlich warm und nicht so kalt wie in Graz letzte Woche. So konnte ich alle unnötigen Kleidungsstücke abgeben und mich oben ins Getümmel werfen.

Auf den ersten Blick hatte sich der Club nicht verändert und ich fühlte mich sofort zu Hause. Die Tanzfläche war halb voll. Der Beat ohrenbetäubend. Das Licht dunkel. Durchsetzt von wenigen blauen und roten sich langsam bewegenden Lichtkegeln. Minimaliusmus in seiner pursten Form. Dazu der Rhythmus - trocken und hart. Nun konnte meine eigentliche Mission beginnen. Ich brauchte erstmal Ecstasy. Nur woher? Eigentlich hatte ich bei früheren Besuchen nie das Verlangen danach. Die Musik und die Lichteffekte hatten mich auch so in Stimmung gebracht. Auch besonders viel Bier war nie von Nöten und starker Alkohol sowieso nicht.

Aber nach Amsterdam wollte ich es nun wirklich wissen. Damals hatten wir in Summe jeder nur eine halbe Tablette genommen. Ich dachte immer man sehe auf Drogen die Farben anders und erlebe die Musik ebenso anders. Aber dem war nicht so. In Amsterdam war ich einfach nur gut drauf und kein bisschen müde. Meine Wiener Bekanntschaft hatte mich damals über meine erste Erfahrungen ausgefragt. Daraufhin meinte er, dass eine halbe Tablette bei ihm auch nur ein Kribbeln ausgelöst hatte und es erst nach der zweiten Hälfte richtig toll war. Daher wollte ich diesmal etwas mehr versuchen. Ich wusste aber, dass ich vorsichtig sein musste. Immerhin war ich heute allein und hatte keine Freunde, die auf mich aufpassen konnten. Und ich konnte mich noch gut daran erinnern, wie mir in Amsterdam beim Einsetzen der Wirkung schlecht geworden war.

Von meinen früheren Besuchen im Club wusste ich noch, wo zu später Stunde die meisten Mensch anzutreffen waren. Damit meine ich nicht die Tanzfläche sondern eher ruhige Rückzugsorte. Dort wollte ich mit der Suche nach einem Dealer beginnen. Meine neue Berlin Bekanntschaft hatte meine Vermutung vorher ebenfalls bestätigt. So wanderte ich durch die Räume und beobachtete die Menschen. Wie üblich gab es ein buntes Party-Volk. Von ganz normalen Partygängern in Alltagskleidung bis hin zu jeglichem Fetisch. Genau diese Mischung von Räumen, Licht und Menschen machen diese magische Anziehungskraft für mich aus.

Aus der Menge stachen bärige Typen mit Lederhose, nacktem Oberkörper und Leder-Harness heraus. Einige von ihnen schienen bereits auf Drogen zu sein und holten sich ständig Wasser am großen Waschbecken. Alles in allem erkannte ich aber nur wenige Leute deren Pupillen bereits weit geöffnet waren. Ganz anders als in Amsterdam. In der Warteschlange am WC fiel mir ein Typ vor mir auf. Eher jung, blond und er hatte mit einem schwarzen Tuch die Haare wie ein Samurai zurückgebunden. Sehr nett anzusehen. Er merkte, dass ich ihn beobachte und lächelte freundlich zurück. Da ich aber aufs Klo musste und meine Gedanken woanders waren oder ich auch einfach zu feige war, traute ich mich nicht ihn anzusprechen. Später saß er noch an der Bar vor den Toiletten und plauderte mit seinen Freunden. Wieder war ich zu feige ihn anzusprechen, obwohl er den Augenkontakt erneut erwiderte. Irgendwann habe ich ihn dann ganz aus den Augen verloren. Tja, Chance vertan!

Im Erdgeschoss hatte sich der Club dann doch verändert. Früher war es eine leere Halle mit Industriecharakter. Komplett leer, nur unterbrochen von hohen Betonsäulen und einigen wenigen Leder-Sofas. Nun war es ein sanft rot beleuchteter Bereich mit eigener Bar. Dazu gut beheizt und gemütlich. Aus der alten Industriefläche wurde ein Labyrinth und diversen Rückzugsecken zwischen den Säulen. Ich drehte meine Runden und beobachtete weiter die Menschen. Mir vielen drei junge Typen auf. Vielleicht Anfang 20 und alle im gleichen aktuell angesagtem Outfit. Schwarze kurze Trainingshosen, dazu weiße Sportschuhe im Stil der 80er und weiße hohe Socken. Abgerundet durch ein eher weit geschnittenes Sport-Shirt. Alle waren auf der Dating-App Grindr online und schauten sich um. Ich hatte meine Apps bereits auf die neue Position umgestellt, aber bisher noch keine Nachrichten erhalten. Im Grunde war das ja für heute auch nicht mehr Ziel.

Nach einer guten halben Stunde hatte ich noch immer keinen Dealer ausgemacht und fühlte mich für ein 16 jähriges unerfahrenes Kind. Ich fing an Leute anzusprechen, bei denen ich vermutete, dass sie high waren. Natürlich gab mir keiner eine sinnvolle Antwort und so fühlte ich mich noch dümmer als zuvor. Ich blickte mich um und dachte bei mir, hoffentlich fangen die nicht an blöd über mich zu reden oder melden mich bei der Security. Statt zu tanzen war ich noch immer auf der Suche. Statt die Musik zu genießen, machte ich mich lächerlich. Statt mit dem süssen Typen vom WC vorhin zu reden, suchte ich weiter nach Ecstasy. Nebenbei dachte ich mir, welch ein Luxus es doch war einfach mit einem Bier an der Bar zu starten und drauf los zu tanzen. Die Suche gestaltete sich zunehmend schwierig und ich war drauf und dran mich mit dem Gedanken abzufinden, dass ich heute wohl kein Ecstasy bekommen werde. Wieder einmal. In Graz wurde es ja auch schon nichts und beim letzten Fortgehen in Wien ebenfalls nicht.

Wenig später stand ich neben einer Schlange von Menschen an einem nicht genannten Ort. Ich beobachtete jeden einzelnen wie ein Vampir in Lauerstellung. Plötzlich drehte sich ein Typ mit Hipster-Bart und neutralem Blick zu mir um. Ich schätze ihn auf ungefähr 30 Jahre. Ich fragte ihn, ob er wisse wo ich was kaufen könne. Da er mich nicht verstand fragte ich, ob er Deutsch oder Englisch spreche. Natürlich nur Englisch. Da hatten wir das Problem aber schnell gefunden. Ich wiederholte meine erste Frage und er deutete mir hier zu warten. Er verschwand für einige Minuten, guckte immer wieder mal um die Ecke und nach einer Weile fühlte ich mich wieder sehr dumm. Worauf wartete ich hier eigentlich? Und was macht er da hinten? Endlich rief er mich ein Stück weiter zu sich und fragte wie viel ich wolle. Genau wie meine Wiener Bekanntschaft während seines Berlin Besuchs, wollte ich zur Sicherheit zwei kaufen. Was aber nicht bedeutet, dass ich auch beide an einem Abend nehmen wollte. Nun sollte ich 20 Euro bereit halten. Er gab mir ein kleines Tütchen, steckte das Geld ein und der Handel war erledigt. Später am Abend sah ich ihn nochmals am Rande der Tanzfläche. Ich war gerade dabei einen Typen zu beobachten. Der Dealer fragte mich, ob alles in Ordnung sei oder ob ich noch was brauche. Ich deutete an, dass es mir blendend gehe und ich nichts brauche. Nun da ich meine Ware doch noch erhalten hatte, sind wir wieder am Anfang der Geschichte.

Hier sitze ich nun im Erdgeschoss. Ich allein mit dem Tütchen und den zwei Pillen und überlege was ich tun soll. Ich bin heute allein, ohne Freunde zum Aufpassen und es ist Weihnachten. Was wenn etwas schief geht? Ein anderer Freund ist vor Jahren im Krankenhaus gelandet. Er hatte tagelang gefeiert und war am Ende dehydriert zusammengebrochen. Das wollte ich meiner Mutter und mir selbst nicht antun. Es gab genügend Gründe dagegen, aber genauso suchte ich Gründe dafür. Ich wollte jetzt nicht nein sagen. Es war nicht die Sucht die mich trieb. Eher der Wunsch des Experimentieren. Jedenfalls rede mir das bis heute ein.

Konzentriert begutachte ich die Pillen und entscheide mich für die kleinere. Leider hat die blöde Pille aber keine Sollbruchstelle. Eine ganze Pille will ich aber um Gottes Willen nicht auf einmal schlucken. Nun versuche ich sie mit Gewalt zu zerbrechen. Vergebens. Dann eben einfach grob die Hälfte abbeißen. Es schmeckt sehr bitter, wie Aspirin. Ich spüle den Geschmack mit Wasser runter und denke nicht weiter drüber nach. Die Reise nimmt ihren Anfang. Noch spüre ich nichts, aber ich weiß, dass es jetzt kein zurück mehr gibt. Egal was passieren würde, ich werde sie jedenfalls nicht ausspucken oder mich willentlich übergeben.

Ich habe keine Ahnung, ob die Pille eher stark oder schwach ist. Aber ich weiß wie heftig die erste Wirkung mich in Amsterdam erwischt hatte. Wie ich fast panisch von der Tanzfläche gerannt bin. Wie mir die Menschen zu viel wurden und ich mich fast übergeben hätte. Daher entscheide ich mich dafür die Zeit hier sitzend im Erdgeschoss zu verbringen. Ich weiß, dass es durchaus eine Stunde dauern kann bis die Wirkung einsetzt. Aber ich hab Zeit und will kein Risiko eingehen. So setze ich mich auf eine gemütliche Sitzecke von der ich andere Menschen beobachten kann und weiß, dass auch ich gesehen werde. Schräg gegenüber setzt sich ein älterer Asiate und scheint die Zeit allein auch zu genießen. Mir war zuvor schon aufgefallen, dass Publikum von jung bis alt vertreten ist und ich mich somit nicht alt fühlen muss. Herrlich.

Ich weiß nicht mehr wie lange ich am Ende dort saß, aber nach etwa 20min merkte ich eine leichte Übelkeit. Diesmal nur leicht und bei weitem nicht so stark wie in Amsterdam. Auch blieb mein Puls ruhig und ich schwitzte nicht. Aber die leichte Panik kam dennoch auf. Daher wechsle ich schnell meinen Platz und hocke mich ganz am Ende des Raumes auf den kalten Boden und lehne mich an die Wand. Das rote Lichte fühlt sich warm an und ich fühle mich geborgen. Ich erinnere mich noch wie ich dachte, warum sitzt Du jetzt hier auf dem kalten Boden, allein? Über mir sehe ich die Decke in gefühlt 10m Höhe. Ich fange wieder an den Industriecharakter des Clubs zu bewundern. Die Betonpfeiler haben seitliche Ausbuchtungen auf denen der Stahlboden der Tanzfläche über uns liegt. Dennoch hört man hier unten nur wenig vom dröhnenden Bass über uns. Mein Blick klart auf und das Blickfeld erweitert sich. Ich spüre wie der angenehmere Teil der Wirkung einsetzt. Eine gute halbe Stunde ist vergangen. Dennoch bleibe ich einfach sitzen und starre wie gebannt an die Decke. Mir ist noch nicht nach aufstehen.

Nach einer Weile kommt ein Security-Mann im Dämmerlicht vorbei. Freundlich fragt er mich, ob alles in Ordnung sei. Ich komme mir abermals lächerlich vor, da ich genau weiß, dass er weiß was mit mir gerade geschieht. Ich selbst habe schon oft Leute allein in Ecken sitzen sehen. Da ist es wieder, dieses Schamgefühl. Das gleiche Gefühl, welches ich gegenüber meiner Mutter hatte, als ich mich entschied die Nacht in Berlin zu verbringen, statt daheim zu bleiben. Ich wische den Gedanken zur Seite. Jetzt wo die Wirkung einsetzt, ist es sowieso zu spät um umzukehren. Die Security nickt zufrieden und dreht weiter ihre Runde. Wieder fühle ich mich gut aufgehoben im Club. Keine Ahnung wie viele Minuten ich weiter die Decke anstarre. Ich erinnere mich aber noch, dass ich mich absolut dumm und allein fühlte. Als hätte ich einen großen Fehler begangen. Letztendlich bleibt mir aber keine Wahl und so lasse ich das positive Gefühl einfach zu, raffe mich auf, nehme noch die zweite Hälfte der kleinen Pille und gehe beschwingt nach oben - rauf zur Tanzfläche.

Diesmal erwischt mich der brennende Durst und der trockene Rachen nicht so sehr. Aber ich weiß dennoch, dass der Durst kommen wird und dass Dehydrierung gefährlich sein kann. So besorge ich mir eine leere Flasche. Am Waschbecken bei den Toiletten finde ich etliche Kisten mit leeren Flaschen. Ich wundere mich wieso das Personal so nett ist und den Süchtigen leere Flaschen hinstellt. In Amsterdam sind schon Heerscharen von Leuten nur zum Wasser holen aufs WC gegangen und haben sich dabei jede frei verfügbare leere Flasche geschnappt. Dann wird mir klar, dass die Kisten dort stehen, damit man leere Flaschen leichter dort reinstellen kann statt diese am Boden zu zerschmettern. Wie dumm mein Gedanke doch war. Am Ende der Party habe ich mit Sicherheit drei Liter Wasser getrunken und war höchstens einmal am WC, um dort auch nur super wenig Wasser zu lassen.

Nach und nach tanze ich immer weiter vorn auf der Tanzfläche. Allein mit meiner Flasche voll frischem klarem Wasser. Die Zeit verfliegt und ich erinnere mich nicht wie lange ich dort tanzte. Dennoch fällt mir auf, dass mich die ohrenbetäubende Lautstärke nicht mehr stört. Anfangs konnte man kaum an den Lautsprechern vorbeigehen ohne die Hände schützend über die Ohren zu legen. Nun aber klingt der Beat absolut klar und die Lichteffekte wirken harmonisch abgestimmt. Ich beobachte die Menschen um mich herum und versuche den gleichen Rhythmus zu erwischen. Auch sehe ich die DJs vorn am Pult, wie sie sich abwechseln und die Menge immer mehr anheizen. Abgesehen vom ständigen Nachfüllen meiner Wasserflasche möchte ich nichts weiter als tanzen. Hin und wieder schaue ich am Waschbecken in den Spiegel. Nur um mich zu vergewissern, dass ich nicht wie ein Zombie aussehe oder schräg durch die Gegend laufe. Alles wirkt normal.

Je länger ich am Tanzen bin, desto mehr fange ich an die Typen neben mir zu beobachten. Nun setzt die emphatische Phase ein. Davor habe ich heute eigentlich Angst, da ich allein unterwegs bin. Nun gucke ich die Typen von oben bis unten an, merke mir jedes Detail und wann immer mir jemand zusagt tanze ich neben oder hinter ihm. Wie üblich, funktionierte das eine Weile recht gut und hin und wieder bewegen wir uns zu zweit Bein an Bein oder Hintern an Hintern im gleichen Takt. Die Welt ist in Ordnung, die Zeit könnte ewig so weitergehen. Allein der warme Kontakt fühlte sich schön an.

Später sind zwei jeweils andere Typen aber leicht verwundert als ich ihnen zu nahe komme. Sie bewegten sich einige Meter weiter weg von mir und gehen mir aus dem Weg. Was total verständlich und normal ist, bewirkt bei mir aber eine Art Verwunderung und Enttäuschung. Ich beginne zu merken, dass mir meine Freunde fehlen. Jemand zum Reden oder einfach zum festhalten. Zudem spüre ich, dass die positive Wirkung langsam nachlässt. Seit dem Einsetzen der Wirkung gegen 5 Uhr sind gerade erst drei Stunden vergangen. Es musste jetzt gegen 8 Uhr morgens sein. Im Club war es dunkel und jedes Gefühl für Zeit war verflogen. In Amsterdam hatte die halbe Pille über 6h angehalten. Ich frage mich, ob die Pille hier anders dosiert war oder ob ich so schnell eine Resistenz aufgebaut habe.

Noch fühle ich mich gut und will unbedingt länger tanzen. Aber die Wirkung ist so gut wie weg. Daher überlege ich, ob ich die zweite Pille anbrechen soll. Aber es ist bereits 8 Uhr. Irgendwann - bald - sollte ich nach Hause und einige Stunden schlafen. Am Nachmittag wollen wir zum Weihnachtsmarkt. Ich bin mir nichtmal sicher, wie sich das alles ausgehen soll und ob ich bis dahin überhaupt wieder Auto fahren kann oder besser gesagt - sollte. So entschiede ich mich gegen die zweite Pille. Ich weiß, dass ich sonst nicht vor Mittag den Club verlassen werde. Stattdessen tanze ich einfach noch ein wenig weiter. Aber es fühlte sich anders an. Die Abweisungen der zwei Typen nagen an mir. Ich schaue mich um und entdecke ein paar weitere nette Typen tanzend hinter mir. Einer von ihnen blickt mich mit geweiteten Pupillen an. Auch er ist high. Ich könnte mit ihm tanzen, aber meine Laune ist dahin und meine Gedanken kreisen um den weiteren Tagesverlauf. Vernunft und Logik haben sich zurückgemeldet.

Am Rande der Tanzfläche werfe ich einen Blick auf mein Handy und suche die nächste Zugverbindung nach Hause. Mein Akku hat noch immer stolze 40%. Ich hatte extra das Ladekabel mitgenommen. Aber das Akku übersteht den Abend auch ohne Laden. In gut 40min geht der nächste Zug. In einem klarem Gedanken entscheide ich mich jetzt sofort auf dem Weg zum Bahnhof zu machen. Ich hole meine Kleidung von der Garderobe, sehe wie noch einige Leute eintreffen und sich in Lack und Leder werfen. Für mich aber ist der Abend beendet. Ich gehe hinaus und werde durch den hellen, aber grauen Tag überrascht. Die kalte Luft tut mir gut. Ich trotte hinter einer Gruppe Mädels Richtung Bahnhof und genieße die frische Luft auf meiner Haut. In gut 20min würde der Zug gehen. Ich bin total munter. Ich bin seit mehr als 20h wach, habe aber keinen Hunger und auch keinen Durst. Aber ich weiß, dass ich weiter trinken muss und dass auch eine Kleinigkeit zu Essen nicht schaden könnte. So kaufe ich mir eine Brezel und eine Apfelschorle und setze mich auf den fast menschenleeren Bahnsteig.

9 Uhr morgens in Berlin - Sonntag vor Weihnachten. Ich fühle mich herrlich wohl, weiß aber dass die Depression früher oder später kommen wird. Auf den Zug wartend, versuche ich die Brezel zu essen. Aber meine Kehle ist so trocken, dass mir jeder Bissen schwer fällt. Selbst das Kauen bedarf größter Anstrengung und Konzentration. Jeder noch so kleine Bissen muss mit einem großen Schluck Apfelschorle runtergespült werden. Gegen 6 Uhr hatte ich meiner Mutter eine SMS geschrieben, dass es mir gut geht und ich noch im Club bin. Jetzt schreibe ich ihr, ob sie mich vom Bahnhof zu Hause abholen könne und ich bin dankbar, dass sie sofort antwortet. Während der Zugfahrt mache ich Fotos von meinen Augen. Die Pupillen sind geweitet und ich frage mich was ich nur antworten soll, wenn meine Mutter mich darauf anspricht. Ich kann die Pupillen ja schlecht verstecken und ich weiß, dass es noch einige Stunden so bleiben wird. Aber Mütter sind viel zu schlau für so direkte Fragen. Sie merken sich solche Dinge und irgendwann in einigen Jahren werde ich dann Rede und Antwort stehen müssen. Vielleicht hilft ja dann dieses Tagebuch.

Zuhause gehe ich erst duschen und dann direkt ins Bett. Wie beim ersten Mal, schlafe ich trotz Ecstasy sofort ein. Nach etwa 5h Schlaf wache ich auf und wir verbringen den Tag wie geplant. Weihnachtsmarkt und Verwandtschaft treffen. Ich bin froh, dass der Plan aufgegangen ist. Zudem bin ich gut gelaunt und nicht wirklich müde. Ich weiß aber, dass das Tief einen Tag später kommen wird. Und so kommt es auch. Zu Heiligabend wache ich mit Schmerzen in den Kaumuskeln auf. Scheinbar hat das Zähneknirschen mit Verspätung gewirkt. Eigentlich eine typische Nebenwirkung, die mir in Amsterdam auf der Tanzfläche sofort aufgefallen war, aber diesmal in Berlin fast gar nicht. Dennoch hatte ich vorsorglich den ganzen Abend Kaugummi gekaut. Den ganzen Tag über versuche ich meinen Mund zu massieren und die Muskeln zu dehnen. Innerlich trauere ich noch immer der kurze Nacht im Berghain hinterher. Ich wollte so gern länger tanzen.

Gegen Nachmittag kommen die erwarteten Nebenwirkungen. Vor allem die Depression macht mich fertig. Ich fühle mich allein, leicht depressiv und sehne mich nach Freunden und Berührung. So fange ich an alle die mir lieb sind über WhatsApp anzuschreiben. Einigen berichte ich von meiner Erfahrung. Bei anderen melde ich mich einfach so und warte sehnsüchtig auf Antwort. Auch meiner Wiener Bekanntschaft schreibe ich. Da wir uns aber vor Weihnachten gestritten haben, herrscht Funkstille und so bekomme ich von ihm erst viel später eine kurze trockene Antwort, über die ich mich aber wie ein kleines Kind freue. Mein persönliches Weihnachtsgeschenk. Eigentlich streiten wir darüber, ob nun der Weihnachtsmann oder das Christkind kommt. Aber allein dass wir miteinander schreiben, stimmt mich froh.

Das Problem dabei ist, dass mir das hier und jetzt völlig nebensächlich erscheint. Alles wirkt grau in grau. Zudem wundere ich mich noch immer, dass die Wirkung im Club doch so schnell nachgelassen hatte. Beim ersten Mal hat mich die halbe Pille die ganze Nacht durchtanzen lassen und diesmal hat die doppelte Dosis gefühlt nur halb so lange angedauert. Dagegen sind die Nebenwirkungen jedoch mehr als doppelt so hart. Um zu verstehen was das Zeug mit mir macht, fange ich an im Internet über Ecstasy, die Wirkung, Nebenwirkungen und das Suchtpotential zu recherchieren. Glücklicherweise gibt es sehr viele Informationen. Unterm Strich bin ich froh zu lesen, dass es nicht körperlich süchtig macht und verglichen mit anderen Drogen noch harmlos bewertet wird. Einzig, dass in der Regel Jugendliche zwischen 21 und 25 Jahren Ecstasy zum fortgehen nehmen und ich nun schon fast 40 bin, stimmt mich komisch. Obwohl es nicht körperlich süchtig macht, wird immer wieder auf die psychische Abhängigkeit hingewiesen. Dass jedes Fortgehen ohne High nur noch dumpf erscheint. Ich fühle innerlich, dass dies die absolute Wahrheit ist. Ich hatte zwar immer Spaß beim Fortgehen, aber mit Ecstasy ist es nochmals ganz anders. Obwohl ich nicht genau sagen kann wieso.

Weiters wird erwähnt, dass es dich sozial verändert. Du bist nur noch auf der Suche nach dem Kick und fängst an deine Umgebung zu vernachlässigen. Auch das erscheint mir plausibel in meinem aktuellem Zustand. Ein anderes Thema ist die Dosierung. Der Körper baut sehr schnell eine Toleranz auf, so dass die Dosis ständig erhöht werden muss, was dann aber auch die Nebenwirkungen verstärkt. Ich hoffe, dass ich davon noch weit entfernt bin. Über den Tag helfen mir dann vor allem zwei Freunde. Mit einem schreibe ich über unsere gemeinsame Erfahrung in Amsterdam und den direkten Vergleich zu Berlin. Und ich schreibe mit meiner neuen Berliner Bekanntschaft, der meine Nebenwirkungen sehr gut verstehen kann ich mich tröstet. Innerlich fühle ich mich nach wie vor dumm. Es ist Heiligabend und mein Zustand ist eine reine Nebenwirkung, die nicht hätte sein müssen.

Obwohl der Tag so dumpf ist, beginne ich schon wieder mit der Suche nach dem nächsten Event. Ich habe noch die zweite Pille aus dem Club und möchte diese natürlich noch nehmen. Noch vor Silvester sind in Wien einige nette Veranstaltungen. So schreibe ich fast jeden, den ich in Wien auch nur halbwegs kenne an und frage, ob er oder sie mitgehen mag. Erst hinterher merke ich wie blöd das auf manche gewirkt haben muss. Dann fällt mir ein, dass ich die Pille ja irgendwie nach Wien bringen muss. Natürlich möchte ich am Flughafen nicht erwischt werden. So fange ich an über mögliche Strafen oder Transport-Tips zu recherchieren. Wieder fühle ich mich dumm und frage mich wie ich innerhalb kurzer Zeit vom Erstkonsumenten, der nie was mit Drogen am Hut haben wollte, zu dem Punkt kommen konnte, an dem ich schon überlege wie ich Pillen schmuggeln kann. Soviel sei gesagt, ich habe die Pille letztendlich unbeschadet nach Wien gebracht. Aber mehr als fünf sollte man wohl nicht bei sich haben, um im Fall der Fälle nicht straffällig zu werden.

Die Weihnachtsfeiertage gehen in einem ähnlichen dumpfen grau weiter. Wahrscheinlich ist Weihnachten immer ein wenig so. Man sitzt mit der Familie zusammen und sehnt sich nach Abwechslung. Diesmal fällt mir aber auf, dass ich zu keiner Gefühlsregung im Stande bin. Ich lache nicht, ich gehe auf keinen Witz ein und alles um mich herum interessiert mich einfach nicht. Dagegen genieße ich die Zeit allein mit meinem Buch. Zudem habe ich ständig leichtes Kopfweh. Beim ersten Mal war ich noch total begeistert, dass es im Gegensatz zum Alkohol keinen Hangover gibt. Diesmal erscheint es aber schon ganz anders. Auch hier stimmen die Informationen aus dem Internet.

Obwohl meine Tage grau und grau sind, bemerke ich noch eine andere Veränderung. Mein Denken und meine Logik scheinen fokussierter zu sein. So kann ich beim Kartenspielen auf einmal Zusammenhänge leichter erkennen und Spielzüge vorausdenken. Etwas dass ich sonst nicht so gern mag oder wo ich sonst durch Gespräche leicht abgelenkt bin. Neben der präzisen Analyse meines Zustandes, merke ich noch eine weitere Veränderung an mir. Ich werde offener gegenüber neuem. Ich habe zwar keine Lust härtere Drogen zu probieren, aber ich entwickle ein Interesse die Kombination aus Drogen und Sex zu erleben. Etwas, dass mir vorher total egal war. Ich merke auch, dass ich vorsichtig sein muss, da meine Hemmschwelle immer tiefer sinkt. Naiv glaube ich noch immer, dass alles nicht so schlimm werden wird - ich habe mich ja unter Kontrolle. Genau hier fällt mir mein Onkel ein, welcher an seiner Alkoholsucht langsam zu Grunde gegangen ist und auf dem Weg sein Leben und seine Familie zerstört hat. Ich hoffe, dass es soweit bei mir nie kommen wird.

Letztendlich bin ich froh, dass ich trotz Weihnachten dennoch ausgegangen bin und dass ich danach viel recherchiert habe. Ich zwinge mich das Thema weiterzuverfolgen. Ich will auf jeden Fall vermeiden, dass es mich zu sehr verändert. Ich möchte keine Auswirkungen auf meine Arbeit erleben und ich möchte nicht süchtig werden. Aber ich merke, wie es langsam mein Gehirn umbaut. Es verändert mich! Anscheinend macht es doch auf die ein oder andere Art süchtig und ich habe Angst was danach kommen mag. Vielleicht ist es aber genau diese Lässigkeit, die ich lange gesucht habe.


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