Way down we go

I'm a 40y+ old gay guy living in Vienna. I moved here in 2018. This blog is about the sexual and sensual experiences that I made since then. It's entertaining and sometimes frightening! It shall be a warning for all those who are on the same road. Reflect on yourself! It's not that extreme, but also far away from usual. Enjoy! PS: It's written in German since this allows me to more precisely picking the right words to express my feelings. To get the full story, you better start reading at the very bottom.

Wien // Lockdown!

Seit dem 12. März sitze ich nun schon zu Hause. Ich habe mich gut mit dem Home-Office arrangiert. Ich versuche nach Möglichkeit einmal pro Tag ins Freie zu gehen. Joggen oder einfach nur Spazieren. Einkäufe habe ich auf ein bis zweimal die Woche reduziert. Das Leben ist ruhiger geworden und es tut mir gut. Ich lese davon wie sich Menschen mit der Isolation quälen. Vielleicht sollten wir alle auch mal das Positive darin sehen?!

Wie berichtet, hatte sich mein Körper mit dem kalten Enzug gut eingerichtet. Keine Party, kein Fortgehen, kein Ecstasy. Überhaupt war es auf einem vorbei mit den chemischen Drogen. Stattdessen verlagerte sich das Leben mehr ins Private.

Ich war nie mit dem Rauchen von Joints warm geworden. Ich hasste den Tabakgeschmack. Mir brannte der Hals und ich konnte die Wirkung nie einordnen. Durch den Vapo änderte sich das nun. Hin und wieder gönnte ich mir ein wenig Gras und fühlte mich entspannt. Ich brauche nur sehr kleine Mengen. Es war ganz anders als gewohnt, aber es eignete sich gut für daheim. Doch wo bekommt man Gras her? Beim Joggen hielt ich die Augen auf. Ich sah immer wieder Leute mit einem Joint, aber nie einen Dealer. Auch im Freundeskreis waren alle Lieferwege zum Erliegen gekommen. Keine staatliche Aktion hatte je so positiven Einfluß auf den Drogenkonsum wie der Lockdown.

Bereits zuvor hatte ein Freund Pilze (Magic Mushrooms) bestellt. Wir hatten mit Freunden eine gemütliche Runde geplant, in welcher wir auf einander aufpassen wollten. Die Lieferung war bereits eingetroffen, aber nun war Lockdown. Was nun? Kontaktsperre, Social Distancing! Schlagworte an die wir uns wirklich hielten.

Die ersten zwei Wochen sperrte ich mich weg! Ich traf keinen Freund, ich sagte jedem ab, der mich besuchen wollte und ich ging so gut wie nie einkaufen. Danach änderte sich die Situation ein wenig. Ich beschloss, dass Social Distancing nicht 100% bedeuten muss. Auch mit 50% oder 75% ist allen geholfen. Es ging um Reduzierung, nicht um Abstellen.

Also traf man sich zum Spazierengehen auf Abstand. Nun sank auch die Angst vor dem Abend auf Pilzen. Und wegwerfen wollten wir sie auch nicht. Sie halten sich nunmal nur einen Monat. Also machten wir es uns gemütlich. Einer hatte bereits Erfahrung und begann mit einer höheren Dosis. Wir anderen waren vorsichtiger.

Die psychodelischen Effekte sind anfangs komisch. Ich begann jede Veränderung mit kindlicher Neugier zu erkunden. Von einem leichten Kribbeln, über das Frösteln bis hin zur veränderten Farbwahrnehmung und 3D sowie Tunneleffekt war alles dabei. Aber keine Wirkung war so sehr wirklichkeitsverzehrend wie im Internet beschrieben.

Da noch eine ganze Menge der Pilze übrig geblieben war, trafen wir uns einige Wochen später nochmals zu zweit und starteten stärker. Diesmal potenzierte sich die Wirkung bei mir. Es war wie eine Tür, an der ich vorher nur geklopft hatte. Ich hatte nur einen flüchtigen Blick in die Welt dahinter erhascht. Ein Blick durch die nur einen Spalt weit offene Tür. Diesmal wurde mir die Tür nicht nur geöffnet, vielmehr wurde ich mit voller Wucht durchgetreten, so dass ich den Kaninchenbau wie in Alice im Wunderland stürzte.

Die ersten Erfahrungen erkannte ich wieder. Der Tunneleffekt ist einfach nur genial. Wir redeten, tanzten und kochten uns etwas zu Essen. Währenddessen setzte alle 30min die nächste Welle ein. Und jede Welle war heftiger als die vorhergehende. Jede Welle brachte eine neue Erfahrung, eine neue Wirkung mit sich. Je stärker die Welle wurde, desto mehr musste ich mich zusammenreißen und sammeln. Ich erkannte, wie mich jedes kleines Detail im Raum magneticsh anzog. Visuals, welche wir am Fernseher laufen liesen, waren am heftigsten. Aber auch Licht oder organische Muster zogen die Aufmerksamkeit an sich. Ich schwamm in einem Meer aus vielen verschiedenen Mikrokosmen, wechselte zwischen ihnen hin und her und erfreute mich an der Schönheit der Dinge.

Ich musste erst lernen, dass ich gedanklich aus diesem Mikrokosmos heraus zoomen kann. Auf dieser Makro-Ebene hielt ich es aber nicht lange aus. Zu intensiv waren die Eindrücke, die auf mich niederprasselten. Dennoch lernte ich, dass ich einen Ruhepol, einen Rückzugsort in mir finden musste. Wann immer eine neue Welle auf mich einschlug, musste ich mich für 5min auf diesen Ruhepol zurückziehen, damit ich von der Welle nicht überrollt wurde. Erst dann fühlte ich mich wohl und konnte die Sinneseindrücke vollends genießen.

Organische Formen und Muster schienen zu Leben zu erwachen. Alles pulsierte. Nichts stand still. Biologische Formen, wie der Fisch, den wir aßen, ergaben auf einmal Sinn. Die Schönheit der Natur zerlegte sich in Gedanken in absolut logische Ebenen, welche ich sofort begriff. Wir diskutierten über Gott, Evolution und höhere Wesen, welche solche Schönheit erschaffen konnten. Wann immer ich etwas trank oder kostete, zerlegte mein Gehirn den Sinneseindruck in scharf von einander getrennte Ebenen. Ich wusste sofort, welche Zutaten verwendet wurde. Sie bildeten sich glasklar vor mir ab. Als könnte ich mit der Macht meiner Gedanken alles ordnen und Dingen einen Sinn geben. Wir redeten über Urlaube und schöne Ausflüge. Ich merkte, wie sich diese Erinnerungen in meinem Kopf ebenfalls in logische Bestandteile zerlegten. Eine Erfahrung war eine Zusammensetzung aus einer schönen Landschaft, einer guten Flasche Wein und den Freunden, dei dabei waren. Ich konnte diese Bestandteile zerschneiden und somit in Gedanken umbauen. Ich erkannte wie sich verschiedene Erfahrungen zu einem Cluster ergänzten und welche kleine Zutat sie voneinander unterschied.

Mit jeder Welle wurde die Erfahrung heftiger und ich wusste nicht mehr wie lange ich sie noch beherrschen konnte bevor es als Gesamterfahrung ins Unangenehme kippen würde. Nach gut zwei bis drei Stunden war das Plateau überwunden und es folgten mehrere angenehme Phasen. Die Wirkung war weiterhin voll da, aber jede Phase des Coming-Down war länger und angenehmer. Wir plauderten über Gott und die Welt. Bekamen Lachkrämpfe und kochten um zwei Uhr nachts schon wieder Essen.

Wichtig ist jedoch, dass nicht nur psychodelische Effekte einsetzen, sondern andere Sinneswahrnehmungen und Sicherheitsschranken abgeschaltet werden. Wenn du dir den Finger in den Hals steckst, weil du kotzen willst, hältst du auf einmal dein Kehlkopfdeckel oder das Gaumensegel zwischen den Fingern. Du trinkst ein Glas Wein derart schnell, dass es dir nicht auffällt. Die sinierst über den Geschmack und die Eindrücke vom Wein während Du schon beim nächsten Glas bist. Hier rate ich zur Vorsicht und Reduktion.

Die Pilzerfahrung war extrem und wir werden sie in unsere Liste aufnehmen. Aber nur für seltene Fälle. Es ist nichts, was man jedes Wochenende braucht. Auch schlafe ich danach sehr schlecht, da mein Kopf selbst mit geschlossenen Augen weiter auf Hochtouren arbeitet.

Neben Pilzen nahm nun auch Gras mehr Platz in meinem Leben ein. Da alle öffentlichen Quellen zum Erliegen gekommen waren, musste ich wieder aufs Darknet ausweichen. Der Shop, wo ich sonst bestellte, war nun durch Exit-Scam weg vom Fenster. Die letzte Bestellung von Ecstasy war somit auch für die Katz'. Mit diesem Risiko muss man halt leben. Jetzt hieß es wieder recherchieren, lesen und aufs Bauchgefühl vertrauen.

Aber ich fand einen neuen Markt, der rein auf Gras spezialisiert war. Die kleine Bestellung kam trotz Corona auch wirklich an. Mein Zuhause und ich haben uns gut arrangiert. Dennoch ist es traurig zu hören, dass es bis mindestens Ende August keine Party geben wird. Auch wenn ich Ecstasy nicht vermisse, so tut es mir doch um die Party, die Veranstalter und das gemütliche Publikum leid. Mal sehen wie lange der Lockdown noch andauert!

Wien & Graz // The party is over!

Es ist bereits Mitte April, als ich rückblickend diese Zeilen schreibe. Wir alle sitzen seit einem Monat daheim. Wir alle halten zusammen und beschützen die Schwachen. Was abgedroschen klingt, ist die Realität. Und ich und viele meiner Freunde halten sich daran.

Die Zeit davor war irgendwie surreal. Ich hatte das Jahr mit einer Pause vom Fortgehen und von Ecstasy begonnen. Eine Pause die gut tat. Auch danach hatte ich es geschafft, diesen Rythmus beizubehalten. Ich hatte gelernt, dass ich meine Wochenenden und meine Freizeit nur anders verplanen muss. Daheim sitzen und Zeit haben ist keine gute Kombination.

Also war ich oft mit dem Snowboard in den Bergen. Ich fuhr wie wild und lernte ein paar neue Tricks. Etliche Prellungen und Stürze inklusive. Es war Fun pur! Zwischendurch ging ich dann aber doch fort. Mit einem Freund ging es von Club zu Club. Nur eben seltener, aber dann auch gern mal zwei Tage hintereinander.

Ende Februar war es wieder soweit und wir hatten eine gute Zeit. Anfäng März musste ich dann nach Graz. Ein Freund hatte Sponsion und mit ihm hatten nun so gut wie alle meiner Freunde Graz den Rücken zugekehrt. Anders als in Wien, sitzt man in Graz gern gemütlich bei Bier und säuft sich nieder. So blieben von einer Gruppe von etwa 20 Personen am Ende nur 3 übrig, die zum Elevate Festival im Dom im Berg spazierten.

Die Location und die Musik war super. Nur hatten wir nichts zum Nachhelfen. Meine Freunde hatten nur noch wenig übrig. Dennoch verteilten wir es irgendwie auf drei Personen und die Wirkung war herrlich. Vielleicht sollte man es wieder öfter mit geringeren Dosen probieren und länger mit dem Nachlegen warten? Ich merkte jedoch, dass mir keine Party ohne Hilfe mehr gefällt. Wie unter Strom wanderte ich umher und fragte mich von Person zu Person. Wer verkauft etwas? Wo bekomme ich was her? Natürlich war ich nicht der einzige. Viele waren auf der Suche und kaum wer wurde fündig. Nur Koks war gut im Umlauf. Aber niemand wollte was verkaufen. Alle waren froh, selbst etwas zu haben. Lediglich eine gratis Line konnte ich am WC erhaschen. Aber diese trug mich sehr lange.

Den Tag darauf verbrachten wir sehr ruhig und angenehm. Erst am Sonntag hieß es wieder "Auffi auf di Berg". Ich hatte mein Snowboard dabei. Die Tage zuvor gab es Neuschnee und Sonntag war der einzige sonnige Tag in der Wetterprognose. Also schnell noch den Winter genießen, bevor es eindeutig zu warm wird. Es war traumhaft. Ich konnte nicht ahnen, dass es wirklich das letzte Mal sein sollte. Ich konnte nicht wissen, wie schnell Corona in aller unser Leben kommen wird.

Abseites der Pisten übte ich weiter an meiner Technik. Auch wenn ich viel gefahren bin, so war es eigentlich nicht übertrieben viel. Meine Kondition hätte dafür locker reichen sollen. Dennoch fühlte sich mein Körper schlapp an. Zweimal kehrte ich in eine Hütte ein und tankte Energie. Dennoch war ich matt. Und so sollte es die folgende Woche bleiben. Die erste Woche Corona wenn man so will. Wir hatten bereits eine Woche zuvor Home-Office auf freiwilliger Basis ermöglicht. Aber noch traute sich niemand so wirklich. Jeder lag in Lauerstellung und nun überschlugen sich die Ereignisse.

Auf Grund der Situation in Italien hatte ich schon vorher ein komisches Gefühl. Doch nun wurden auch bei uns erst kleinere und dann alle Parties verboten. Kurz darauf auch Restaurants, Universitäten, Schulen und Geschäfte geschlossen. Seit Montag hatte ich angefangen meine Lebensmittelvorräte aufzustocken. Am Mittwoch las ich einige wirklich Besorgniss erregende Artikel über das exponentielle Wachstum und Inkubationszeit. Gemeinsam mit unserem Management waren wir nun endgültig alarmiert und machten Nägel mit Köpfen. Jeder durfte oder sollte von nun an zu Hause bleiben. Somit waren wir mit unserer Entscheidung sogar früher als die offiziellen Anweisungen der Regierung. Nicht jeder nahm das Ernst, doch der Gedanke sickerte nach und nach in jeden Kopf. So kauften alle noch schnell ein und wenige Tage später war wirklich jeder daheim. Spätestens aber als auch Deutschland mit den Maßnahmen nachzog. Langsam kam das öffentliche Leben zum Erliegen.

Zwangspause! Und das ist gut so. Es dauerte ein paar Tage, bis ich mich an den täglichen Rythmus im Home-Office gewöhnt hatte. Aber ich komme gut damit klar. Es ist teilweise sogar zuviel Arbeit. Und ich bin dankbar Arbeit zu haben. Mir geht es gut. Und ich wundere mich, wenn mich Freunde aus Langeweile mittags anschreiben. Auch nach mehr als fünf Wochen fällt mir die Decke nicht auf den Kopf. So lange man noch zum Sport raus ins Freie darf, ist die Welt in Ordnung.

Ich gehe oft joggen, übe daheim auf der Yoga-Matte und fahre viel Rad. Und ich glaube, dass ich Corona bereits hatte. Bereits die Woche vor Graz, spätestens aber die Woche danach fühlte ich mich nicht gut. Nicht elend, aber auch nicht fit. Der Körper spielte verrückt. Da die Skigebiete und die Clubs zu den Hotspots gehören, ist die Chance für mich durchaus groß, dass ich mich angesteckt hatte. Auch der Verlauf könnte dazu passen. Aber ich weiß es eben nicht. Bis heute gibt es keine Möglichkeit sich auf Antikörper testen lassen. Ein Freund hatte zwischendurch Symptome, aber ebenso ohne Chance jemals getestet zu werden.

Für mich bedeutete Corona vor allem kalter Entzug. Gleich wie im Januar hatte ich erwartet, dass mein Körper es mir nicht leicht machen würde. Aber diesmal war es anders. Keine Party war im Angebot, also hatte ich auch nicht den Drang auszugehen. Es war ganz natürlich daheim zu bleiben, und mein Körper spielte mit.

Wien // Rewind and Repeat

Neues Jahr, Neues Glück! Vorsätze? Keine? Oder doch? Wie üblich, las ich, bevor ich diese Zeilen nun schreibe, die alten Texte. Und zum wiederholten Male war ich über das was ich dort las erschrocken. Vieles von dem, was ich dort in vorsichtiger Erahnung geschrieben hatte, ist später dann doch eingetreten.

Der Dezember war herrlich. Vorweihnachtszeit! Wien mit all seinen Glühwein-Standl'n und immer gab es einen Grund Freunde zu treffen. Auf Arbeit wurde es langsam ruhiger und so nahm das Leben gemütliche Züge an. Über den Monat bin ich in Summe fünfmal fortgegangen und habe später überschlagen, dass ich in Summe etwa 14 Pillen verbraucht habe. In einer Studie hatte ich noch gelesen, dass ab einem Verbrauch von 200 bis 500 Pillen im Leben das Risiko für Depressionen oder Geisteskrankheiten auf 60% steigt. Gefühlt bin ich jetzt irgendwo zwischen 50 und 100 Pillen.

Dennoch war der Dezember eher ruhig. Ich bin bereits einige Tage vor Weihnachten heim zur Familie und bin brav zu Hause geblieben. Kein Fortgehen, sondern viel Ruhe und Konzentration auf Dinge, die über die Monate liegen geblieben waren. Organisation vom Sommerurlaub mit Freunden. Eine kleine Prüfung vorbereiten. Freunde besuchen. Okay, ich war auch leicht erkältet und somit zur Pause gezwungen. Kaum war Ruhe eingekehrt, setzte der Schnupfen ein.

Zurück in Wien hatte ich mir vorgenommen es zur Silvester nochmal krachen zu lassen. Ganz spontan waren Freunde und deren Freunde in der Stadt und so verbrachten wir den ganzen Abend gemütlich beisammen und feierten ins neue Jahr. Danach gingen wir in einen Club und erlebten einen herrlichen Start ins neues Jahr, der erst morgens um 8 Uhr im Bett endete.

Auf Grund des Wochenendes und Dreikönigstags waren in der Stadt in den folgenden Tagen wieder viele Events angesagt. So war ich einen Tag später am 2. Januar schon wieder gemeinsam mit einem Freund unterwegs. Diesmal ein kleinerer Club. Mein Vorat war endlich aufgebraucht und so waren unsere Taschen leer und kein Dealer weit und breit. Was mir geblieben war, war das ungeliebte Speed mit dem ich schon so schlechte Erfahrung gemacht hatte.

Es endet immer in halbwachen Nächten mit Schlafstörungen für einige Tage. Aber man bleibt klarer im Kopf und redet mehr mit Menschen. So startete auch dieser Abend mit Speed und ich legte noch zweimal nach. Das Problem war jedoch, dass mir später am WC eine Line Koks anboten wurde und ich diese nicht ablehnte. Der Effekt setzte nach 10min ein und mein Puls schnellte auf 180. Gute zwei Stunden später bekam ich von jemand anderen wieder eine angeboten und nahm auch diese dankend an. Wieder ging der Puls hoch und kam lange nicht mehr runter. Auch wenn ich am Morgen müde war, so konnte ich wieder nicht richtig schlafen und der ganze Tag fühlte sich dumpf und nebelig an.

Beim letzten Fortgehen im Dezember war ich rein auf Ecstasy unterwegs. Aber mit 5 halben Pillen und zu wenig Essen davor, hatte ich doch etwas zuviel erwischt und einfach zu lange getanzt. Gegen 4 Uhr überkam mich eine Übelkeit im Magen und ich konnte gerade noch schnell genug Richtung WC rennen, um mich dort im hohen Bogen ins Pissoir zu übergeben. Zwei Typen sprangen links und rechts zur Seite und gratulierten mir, da ich so sauber getroffen hatte. Es war nur Wasser, aber mein Körper erlitt einen kleinen Schwächenanfall. Ich hockte mich in die Ecke und musste mich sammeln. Mir wurde kalt und ich zitterte leicht. Nach einigen Minuten ging ich wieder auf die Tanzfläche, aber das Frösteln blieb und die restlichen Stunden waren alles andere als angenehm. Zu Hause blieb die Übelkeit und der Schlaf war sehr unruhig. Erst am Nachmittag fühlte ich mich besser. Ich hatte es übertrieben.

Die Erfahrung im Dezember, sowie die Mischung aus Speed und Koks zeigten mir, dass ich es nun letztendlich doch übertrieben habe. Mir wurde klar, dass ich eine Pause brauchte. Ich wusste ja auch wie. Ich zwang mich nichts zu tun und daheim zu bleiben. Doch leider fing ich an, mich selbst und meinen sich gerade anbahnenden Lebensabschnittspartner zu belügen. Plötzlich stand ich weit nach Mitternacht an der Haltestelle und wollte die letzte Straßenbahn erwischen. Da stand ich nun allein in der Kälte und schaute zur Wohnung rauf und musste plötzlich fast heulen. Was machte ich mir vor? Was war mein Ziel? Hatte ich nicht gerade noch gesagt, ich wolle aufhören? Für einen kurzen Moment riss ich mich zusammen, ging wieder rauf in die Wohnung und zog mir gemütliche Kleidung an. Die Straßenbahn kam schon und ich hätte nur einsteigen müssen. Aber endlich blieb ich standhaft. Und ich sollte es bleiben!

Die gute Nachricht zuerst! Ja es funktioniert! Man kann sich lossagen. Aber es ist nicht leicht. Aber auch nicht so schwer, wenn man sich nur ordentlich zwingt. Gerade in den ersten Tagen sowie Freitags und Samstags überkam mich das Gefühl, dass doch sicher wieder eine Party angesagt wäre. Man hat doch gerade nichts besseres vor und könnte doch fortgehen. Manchmal sind es auch am Nachmittag kurze Phasen von 5 bis 15min in denen das Gehirn verrückt spielt. Man spielt ein Frage-Antwort-Spiel mit sich selbst. Man sucht Gründe wieder fortzugehen. Man spielt die Nebenwirkungen und potentiellen Gefahren herunter.

Gerade die ersten zwei Wochenenden und täglichen 15min Phasen waren wirklich hart. Gleich wie in dem Moment nachts an der Straßenbahnhaltestelle, musste ich mich immer selbst daran erinnern, dass jetzt Pause ist. Ich musste immer nur diese 15min überstehen. Danach war das Gefühl für einen Tag oder länger fort. Nach etwa 1,5 Wochen war es dann ganz verschwunden. Und ich vermisste es auch nicht. Der Kampf mit mir selbst war ausgefochten.

So überstand ich 4 Wochen. Es ist unglaublich wie schnell die Energie wieder kam. Ich räumte einige Dinge in der Wohnung um. Ich erledigte eine wichtige Prüfung. Ich ging wieder mit Energie und Freude zur Arbeit. Und ich berichtete stets meinem Freund wahrheitsgemäß, wie es mir ging und wann immer ich mit mir selbst zu kämpfen hatte. Auch nutze ich die Zeit für Wintersport und genoss die frische Bergluft. Meine Kondition war wieder bestens!

Ebenso sagte ich alle Events auf Facebook ab und reduzierte die Benachrichtigungen. Auch begann ich selektiver zu lesen. Nicht jeder Event war gleichwertig. Ich begann auszusortieren oder gar zu ignorieren. Lediglich die besagten 15min der ersten Tage - ich nenne sie die Anfälle - waren das Problem. Neben dem Kampf mit mir selbst ertappte ich mich, wie ich sofort wieder mit Freunden schrieb und versuchte die nächste Party zu organisieren. Aber ich schrieb immer, dass ich eigentlich nicht will. Und wie ein Wunder unterstützten sie mich. Einige gingen allein fort oder machten ebenso Pause. Niemand versuchte mich ernsthaft zu überreden und wenn doch, so fand ich doch immer den Mut von selbst nein zu sagen. Ich erzählte ihnen, dass ich mich nicht wieder selbst belügen möchte und sie unterstützten dies voll und ganz. Es tat gut zu sehen, dass es auch so geht.

Doch nun war wieder Zeit für Party. Nur eben seltener. Zufällig waren nochmal Freunde in der Stadt und so gingen wir wieder als Gruppe. Leider hatte ich an dem Tag viel Arbeit um die Ohren, war noch im Fitness-Center und dann mit den Freunden was leichtes essen. Mir fehlte die Zeit mich vorher schlafen zu legen und ausgiebig zu essen. So ging ich eigentlich übermüdet in den Club. Lediglich ein Power-Napping von 10min half für einen Moment.

Da mein Vorrat aufgebraucht war, kauften wir die Pillen diesmal auf der Straße. Ich hatte 3 sehr potente Pillen von jeweils knapp 300mg und eine davon aus einer anderen Quelle. Wir waren verhältnismässig früh im Club und so startete die Reise gegen 1 Uhr und endete erst um 7:30 Uhr. Statt wie üblich 4 bis 5 Stunden tanzte ich also gute 7 Stunden ohne Pause durch. Natürlich musste ich mal aufs WC, was zum Glück auch funktionierte. Aber ich nahm mir nie die Zeit mich mal zu setzen und auszuruhen. Gegen 5 Uhr morgens hatte ich 1,5 Pillen verbraucht und merkte wie mich die Wirkung der dritten Hälfte gerade recht heftig trug. Die Welle war sehr heftig und auf Grund der längeren Pause war auch der initiale Kick sehr gut. Nur irgend etwas war anders. Ich fühlte mich heute nicht wohl. Es war nicht der sanfte Honig, der mich umfloss. Es war eher eine unkontrollierte Energie. Mein Blick wanderte wie wild umher und ich fühlte mich energiegeladen, aber eben nicht wohl behütet und warm. Vermutlich waren die Pillen nicht reines MDMA, sondern mit Koffein, Speed oder anderem Zeug gemischt.

Irgnendwann kam der Moment, wo mein Körper mir mitteilte, dass die Party vorbei wäre. Der Moment, in dem man eigentlich ganz natürlich heim geht. Nur diesmal wollten meine Freunde noch länger bleiben und so warf ich die vierte Hälfte ein, obwohl der Trip gerade sehr intensiv war. Der nun einsetende Energieschub war mega. Nur kamen mit ihm auch die Nebenwirkungen, welche ich im Dezember schon kurz erlebt hatte. Mein Magen wurde flau und mir wurde schlecht. Diesmal konnte ich es aber kontrollieren und musste mich nicht übergeben. Aber es fühlte sich nicht gut an. Das Gefühl blieb auf dem Heimweg und den ganzen Tag über. Wir aßen gegen 14 Uhr Frühstück und auch hier hätte ich mich fast nach wenigen Bissen übergeben müssen. Mein Magen war noch immer flau und mir war schwindelig. Zum Glück hatte ich keinen Schüttelfrost und keinen Zusammenbruch. Dafür hatte ich auf der Tanzfläche Muskelspasmen. Meine Hüfte fühlte sich an als würde mir jemand mit einem Taser Stromschläge versetzen. Jede Bewegung schmerzte und die Beine wollten nicht mehr. So fühlte ich mich dann Samstag, Sonntag und Montag noch immer schlapp und die Oberschenkel bedankten sich mit lang anhaltendem Muskelkater.

Was war diesmal so anders? Ich weiß es nicht! Aber ich vermute, dass die unbekannten Pillen nicht rein waren. Auch hatte ich eine Pause eingelegt in welcher die Resistenz angeblich relativ gut wieder zurückgeht. Sprich, ich hatte zuviel eingeworfen. Dies passte auch zu den sonstigen Nebenwirkungen. Jeder von uns hatte leichte Halluzinationen und auch das Wegdriften hatte ich für einen kurzen Moment wieder erlebt. Selbst daheim sah ich Farben und Konturen wieder stark verändert. Ich genoss den Moment sogar, da ich diese Nebenwirkungen schon eine Weile nicht mehr erlebt hatte. Sofern in den Pillen wirklich 290mg bzw 320mg waren, was der Dealer behauptete, habe ich als 600mg zu mir genommen. Über die 7h Stunden verteilt ist das von der Wirkung noch okay. Aber ich vermute, dass ich knapp an einer Vergiftung vorbeigeschrammt war und mich daher so lange schwach gefühlte habe. Der flaue Magen und das Unwohlsein scheinen ab 500mg einzusetzen. Es erscheint mir als meine körperliche Grenze.

Die mehreren Wochen Pause waren super. Das Leben fühlte sich wieder gut an. Die bewusste Party danach war auch gut, aber nicht super und der Hangover so stark wie ich ihn nie zuvor erlebt hatte. Ich war nicht depri, aber der Kiefer tat schon im Club weh und die körperliche Schwäche hielt gut und gerne drei Tage an. Ich werde das kommende Wochenende vermutlich noch einmal fortgehen, aber dann heißt es wieder Pause. Ich freue mich sogar drauf, denn es fühlte sich gut und richtig an.

Wien // hoch dosiert ist halb gewonnen

Der Titel ist halb sarkastisch gemeint. Es ist mal wieder an der Zeit zu berichten. Einige Artikel sind noch in Vorbereitung, aber sie liegen im Graubereich zwischen Legalität und Illegalität, so dass ich noch überlege, ob und wie ich darüber schreiben möchte. Jedenfalls habe ich aufgehört in chronologischer Reihenfolge zu schreiben. Stattdessen lasse ich den Gedanken jetzt freien Lauf.

Heute ist Sonntag kurz vor Mitternacht. Ein langes Wochenende geht zu Ende. Es war ein Wochenende voller #metime. Zwei Nächte hintereinader fortgehen, zwei Nächte high und zwei Tage zur Erholung daheim. Ich bin hin und hergerissen, ob es nun toll oder höchstgradig bedenklich ist. Gerade gestern habe ich zudem wieder die Global Drug Survey von Zeit.de mitgemacht. Letztes Jahr war ich hier noch ein fast unbeschriebenes Blatt. Doch dieses Jahr sieht es schon etwas anders aus. Daher möchte ich heute nicht über die Erlebnisse im Club reden, so schön die natürlich auch immer sind. Stattdessen möchte ich das Jahr Revue passieren lassen und versuchen zu beschreiben, wie es mein Leben und meine Persönlichkeit verändert hat.

Meine erste Erfahrung mit Ecstasy liegt jetzt fast genau ein Jahr zurück. Und wenn ich hin und wieder die alten Geschichten lese oder mit Freunden über die einzelnen Erlebnisse sinniere, dann stelle ich fest, dass vieles vor dem ich am Ende jeder Geschichte Angst hatte oder was ich vermeiden wollte, dann doch in der ein oder anderen Art eingetreten ist. Aber lest selbst.

Letzten November fing alles mit einer halben Pille in Amsterdam, aufgeteilt auf zwei Viertel, an. Damals wusste mein Körper noch nicht was auf ihn zukommt und so konnte ich mit der neuen Wahrnehmung, der leichten Übelkeit und Verwirrung im ersten Moment nicht umgehen. Es dauerte eine Weile bis ich die Nacht genießen konnte. Rückblickend war es nur Energie und wohlige Nähe, aber kein echter Kick, wie ich ihn erst viel später erleben sollte. Aber es war nur eine halbe Pille.

Später las ich im Internet oft, dass der erste Rausch immer der Beste sei. Aus meiner Erfahrung heraus würd ich das eher mit naja beantworten. Vielmehr ist es so, dass sich dein Körper unglaublich schnell an neue Gegebenheiten gewöhnt. Bei der Drogenberatung haben sie es besser formuliert. Dein Körper dreht bei jeder neuen Substanz halb durch. Und genau diesen Effekt hast Du genau nur einmal. Bist du also an Ecstasy gewöhnt, kaufst dann aber bei einem unbekannten Dealer auf der Straße und reagierst auf einmal krass darauf oder hast einen mega unkontrollierten Trip? Dann war es wohl kein Ecstasy, sondern irgendein anderer Scheiß, den Dein Körper noch nicht kannte. Also Vorsicht und immer brav mit kleinen Mengen anfangen.

Meine körperliche Tolleranz ist mittlerweile unglaublich hoch, so dass ich bald medizinisch gezwungen bin eine Pause einzulegen. Relativ bald nach dem ersten Trip stieg mein Konsum auf 1 bis 1,5 Pillen pro Nacht. Und ich bin dem Prinzip der kleinen Mengen treu geblieben. Auch heute nehme ich in der Regel immer nur Hälften, dafür aber viele und die Menge macht es aus. Pillen auf der Straße haben in der Regel 180mg bis 290mg. Alle öffentlichen Quellen geben 80mg als unbedenkliche Menge an, wobei sich hier die Dosis pro Kilogram Körpergewicht für Männer und Frauen stark unterscheidet.

Was man aber kaum findet, sind Angaben über Höchstdosierungen und Grenzen ab denen Du mit hoher Wahrscheinlichkeit im Krankenhaus landest. Irgendwo hatte ich gelesen, dass einige Fälle (teilweise mit Tod als Folge) bei etwa 700mg lagen. Oft ist aber nicht die Dosis das Problem, sondern die Seiteneffekte und die Dauer der Party. Dein Körper macht irgendwann schlapp, dein Kreislauf weiß nicht mehr wo Vorn und Hinten ist und dir fehlen einfach nur Kalorien über Kalorien. Mein Rat: erkenne wann genug ist und gehe heim. Meine Party geht oft von 1 oder 2 Uhr nachts bis 7 Uhr morgens. 4 bis 6 Stunden voller Spaß. Alles darüber zehrt zu sehr an mir.

Aber zurück zur Dosis. Nach weniger als 4 oder 5 mal Fortgehen war ich schon bei 1,5 Pillen, also drei Hälften angelangt. Jede davon hat mich damals noch gut und gern 2h getragen. Unabhängig von der Dosierung habe ich gelernt, dass das Setting und auch die Pausen das wichtigste sind. Ich gehe mittlerweile jede Woche und manchmal sogar zweimal fort. Meinem Körper fehlt es an Zeit das Serotonin wieder aufzubauen. Aber noch geht es mir gut. Dennoch ist der Trip schöner und länger, wenn ich eine gute Woche hatte und gut gelaunt bin. Wann immer der Tag schön war, Freunde dabei sind, die Musik und das Publikum super sind, dann ist es der Trip auch.

Im Frühling hatte ich noch geschrieben, wie ich Angst vor 2 Pillen und den Effekten hatte. Selbst diese Grenze habe ich mittlerweile mehrmals überschritten. Eine übliche Nacht verbraucht zwei Pillen, also vier Hälften. Manchmal noch eine fünfte Hälfte hinterher, aber oft schon früh zwischen 5 und 6 Uhr morgens, wo es eigentlich totaler Unsinn ist. Ein einziges Mal war ich mit einem Freund gemeinsam bis 11 Uhr durchfeiern und hab nachher festgestellt, dass ich in der langen Nacht 4 Pillen verbraucht hatte. Aber auch hier macht es die Zeit aus. Es war eine sehr lange Nacht und ich hatte vorher ausgiebig gegessen und die ganze Zeit über ausreichend getrunken. Auch wenn ich ganze 10h nicht pinkeln konnte, so ging es mir gut.

Da ich derzeit eine feste Bezugsquelle habe und nicht mehr auf der Straße kaufe, weiß ich auch wieviel Dosis in einer Pille ist. Ich habe mich hier für 200mg Pillen entschieden. Zudem habe ich zu reinen MDMA Kristallen gewechselt, welche ich bei der Beratung testen lassen hatte. Mit 98% Reinheitsgrad als Befund kann ich mir hier zumindest sicher sein, was ich mir einwerfe. Die Kristalle zerreibe ich zu Pulver, welches ich in Kapseln abfülle. Erst zu 100mg, dann 150mg und jetzt wieder etwas weniger - 120mg. Manchmal mische ich Pillen und Kapseln an einem Abend. Pillen kann ich leichter in kleinen Teilen zu mir nehmen, während Kapseln doch stärker wirken und ich dann genau auf die Uhr schauen muss, ob und wann ich noch was einwerfe. Meine Gesamtdosis für einen Abend hat sich bei 400 bis 500mg eingependelt. Ja, 500mg und somit bedenklich hoch. Zeit Pause zu machen! Wenn ich doch nur könnte.

Hatte ich früher zuviel eingeworfen, so bin ich ins Traumland abgedriftet und hatte beschämt und benommen auf der Tanzfläche gestanden oder leichte Hallizunationen bekommen. Diese Effekte kenne ich heute kaum noch. Mein Körper hat sich zur sehr daran gewöhnt. So sehr, dass ich das Kribbeln schon verspüre, wenn ich gute Techno Musik am Handy über die Kopfhörer oder laut im Auto höre. So gut, dass mein Körper im Club automatisch aufs Klo will, um sich nochmal zu entleeren bevor der Trip beginnt. Er funktioniert wie ein Uhrwerk. Generell ist das MDMA in den Kapseln deutlich angenehmer. Der Trip ist reiner und die Nebenwirkungen viel geringer. Selbst am Morgen wenn ich heimkomme, sind meine Pupillen oft schon wieder normal, ich habe kaum Kieferschmerzen und auch weniger Hangover. Dafür ist der Trip mit Pillen oft noch energiegelandener was wohl daran liegt, dass diese oft mit Amphetaminen und Koffein gestreckt sind.

Was hat sich noch geändert? Ich kann noch immer jede Phase der Wirkung spüren. Vom ersten Magenkrampf, über das Kribbeln auf der Haut, den federleichten Beinen, dem Bewegungsdrang bis hin zum Moment wenn dich der goldene Honig durchfließt. Oft setzten die ersten Effekte jetzt schon nach 10min ein und entfalten sich über eine Stunde, wobei der Kick oft genau bei 30min startet. Legt man genau zu diesem Zeitpunkt nochmal nach, ist der gesamte Kick am Besten. Aber Vorsicht, die Nacht ist lang und die Dosis dann in Sume vielleicht zu hoch, wenn du noch durch die ganze Nacht kommen willst.

Was genau ist dieser Kick? Honig erscheint mir hier wirklich das für mich passendste Wort. Es ist ein Gefühl der Wärme, des Wohlgefühls und der Geborgenheit. Du bist eins mit Dir selbst. Ich habe oft die Augen geschloßen, umfasse mich selbst, wiege sanft zur Musik und vergesse alles um mich herum. Davor liegen die oben genannten Vorstufen, die genauo toll sind. Danach liegt nur noch der pure Bewegungsdrang. Stunde um Stunde verfliegt ehe du dich versiehst.

Dies ist eigentlich auch der größte Nachteil. Zumindest ich bin so mit Tanzen beschäftigt, dass ich kaum ernsthafte Gespräche mit netten Leuten führe. Jede noch so lange Nacht fühlt sich unglaublich kurz an. Ich hab unzählige Male mit lustigen Typen und auch Frauen getanzt. Einige habe ich seit dem immer wieder einmal gesehen, andere nie wieder. Von einigen kenne ich auch den Namen, aber niemanden habe ich bisher außerhalb vom Club jemals getroffen oder gar Freundschaft geschlossen. Selbst wenn ich küssend auf der Tanzfläche stehe, oder mich jemand mit nach Hause nehmen möchte, so lehne ich oft dankend ab. Jeder Trip ist rein für mich allein. Was ich in den anderen Berichten oft als assozial bezeichnet habe, nenne ich jetzt einfach #metime. Dennoch sind auch diese flüchtigen Bekanntschaften so etwas wie eine Sucht. Gerade weil ich keine Namen oder Telefonnummern getauscht habe, rede ich mir oft ein, dass ich die Person beim nächsten Fortgehen sicher wieder treffe. Aber das passiert eigentlich nie.

Was folgt ist der mehr oder weniger harte Coming-Down. Der Moment wo Du dann wirklich heimgehen solltest. Du wirst wieder klar im Kopf, fühlst dich müde und wunderst dich wieso du überhaupt so lange im Club geblieben bist. Oft umschleicht mich auch ein leichtes Frösteln was mich langsam aber sicher ins Bett ruft, wo ich mich dann einkuschle und seelenruhig schlafe. Egal wie high ich gerade bin, ich schlafe immer bestens. Auch wenn mein Puls eine andere Sprache spricht.

Während und auch nach jedem Fortgehen schaue ich genau auf meinen Puls. Auch hier hat sich mein Körper daran gewöhnt. Es ist schwer meinen Puls selbst im höchsten Rausch noch über 150 Schläge pro Minute zu bringen. Oft pendelt er bei 120 bis 130, was aber ganz gut so ist. Mittlerweile kann ich auch gut sagen wie lange das Zeugs im Körper bleibt. Während der ersten Phase des Schlafs schlägt das Herz gute 90 mal pro Minute. Nach 3 Stunden fällt der Puls schlagartig um 10 bis 20 Schläge und so setzt es sich alle 2 Stunden fort bis er wieder bei halbwegs normalen 60 Schlägen angekommen ist. Jede halbe Pille wirkt also genau 6 Stunden auf meinen Puls. So wie ich ihn schrittweise hochjage, so schrittweise fällt er wieder runter.

Generell bleibt der Puls aber den ganzen Tag über höher. Jede Bewegung, jede kleine Anstrengung lässt ihn wieder locker auf 140 hochschnellen. Daher lieber keinen Sport machen und stattdessen daheim bleiben. Das sind auch die Momente, die ich so sehr liebe. Gemütlich aufwachen, Frühstück essen und über den Tag verteilt immer wieder auf der Couch schlafen und einfach nur allein sein. Das friedlichste Gefühl das ich kenne. Zudem kommt das richtige Coming-Down widerum schrittweise über den Nachmittag verteilt. Die Haare auf der Haut stellen sich auf oder ein leichtes kurzes Frösteln überfällt mich. Ganz so, als würde mir jemand sanft über den Rücken streicheln. Erst am Abend, oft zwischen 16 und 20 Uhr ist der Spuck dann vorbei. Ganze 12 Stunden nach der letzten Einnahme, lange nachdem die Party und der Trip bereits vorbei sind.

Der eigentliche Kick setzt immer nur nach der ersten Dosis ein. Wenn es kein guter Tag ist, dann dauert der Honig süße Moment gerade einmal 5 bis 15 Minuten. Wenn der Tag gut war, so wie Freitag, dann lässt dich der Kick auch mal eine Stunde schweben. Generell verblast die Wirkung dann aber immer schneller, so dass die Abstände zum Nachlegen immer kürzer werden. Ich muss mich mittels Uhr oft zwingen nur jede Stunde nachzulegen. Wieso? Weil die Dosis über die Nacht sonst zu hoch wird und weil sich manchmal die Wirkung über 1 bis 2 Stunden aufbaut und sich so mehrmaliges Nachlegen potenziert.

Vergleicht man die 12 Stunden bis zum Abend nach der Party, bis mein Körper wieder im halbwegs normalen Zustand angekommen ist, mit den 5min des reinen Kick und der 6 Stunden Party, so wirkt die Balance nicht ausgewogen. Verglichen mit einer Nacht auf Alkohol finde ich es persönlich aber absolut in Ordnung. Ich liebe den Tag daheim nur mit mir selbst. Ich habe oft kaum Nebenwirkungen, mir ist nicht schlecht, habe kein Kopfweh und selbst am zweiten Tag so gut wie nie die typische Depression.

Und gerade weil es mir damit zu gut geht, ist es auch gleichzeitig gefährlich. Ich habe angefangen meine Freizeit und die Wochenenden nach guten angesagten Events zu planen. Manchmal ist mir die Party wichtiger, als mit Freunden was anderes außer Party zu machen. Am liebsten kombiniere ich beides, aber am Ende ist mir die Party oft wichtiger. Doch leider bleibt dann nicht mehr viel vom Wochenende übrig. Und so zehrt es an dir. Jede Party verbraucht soviele Kalorien, so dass ich oft 1 bis 2kg Gewicht verliere, was sicher auch daran liegt. dass man lange nichts ißt und nur Wasser trinkt.

Meist esse ich bewusst am nächsten Tag viel und gesund. Dennoch sieht mein Körper dünner und drahtiger aus. Meine generelle Kondition hat ein wenig gelitten und seit einigen Wochen kämpfe ich mit verschleimter Lunge und Nase. Ob das das Überbleibsel eines hartnäckigen Hustens oder die Wechselwirkung zwischen meinem Astma und dem Ecstasy ist, kann ich noch nicht sagen.

Was hat Ecstasy mit mir mental angestellt? Wie schon gesagt, ich ziehe oft die Party vor und vernachlässige andere Themen. Meine Hobbies haben sich stark eingeschränkt und ich gehe auch nur noch halb so oft laufen oder trainieren. Einige Freunde, die wissen, dass ich gern fortgehe, gehen hin und wieder mit, aber haben sich gefühlt doch etwas abgewendet. Generell bin ich kälter und emotionsloser geworden. Zeitgleich aber auch antriebsloser. Stattdessen bin ich mit mir selbst glücklick und zufrieden. Dagegen wirkt es fast komisch, dass im Berufsleben nicht zufriedener, sondern ungeduldiger und oft aufbrausender geworden bin. Gerade diese Punkte unter Kontrolle zu halten kostet mich viel Mühe.

Da meine Dosis nun schon fast bei 500mg und somit viel zu hoch ist, wäre es Zeit für eine längere Pause. Mindestens ein Monat oder am besten gleich länger oder gar für immer. Doch hier zeigt sich das böse Wesen der Drogen. Ich kann und will nicht aufhören. Zu sehr liebe ich die Parties und zu oft gibt es diese in der Stadt. Teilweise kannst du von Freitag Abend bis Montag früh jeden Abend fortgehen, wenn du nur willst. Meist ist es bei mir der Freitag. Doch kaum hat sich mein Körper wieder erholt, bin ich gegen Mitternacht am Folgetag wieder hellwach und gehe, weil ich nichts besseres vor habe, manchmal nochmal weg. Doch zweimal pro Wochenende ist einfach nur dumm. Von der Dosis mal ganz abgesehen.

So oft ich mir schon vorgenommen habe aufzuhören oder zu verringern, so oft bin ich gescheitert. Mitterweile glaube ich, dass nur der harte Entzug hilft. Es ist nicht die körperliche Sucht, sondern die Party und alles drum herum. Während Gras mich gar nicht anmacht und ich somit auch nichts rauchen will, so sehr zieht mich Ecstasy noch immer in seinen Bann. Oft denke ich mir am Weg nach Hause oder am Tag danach, wieso machst du das? Die Erlebnisse, die Dauer des Trips, einfach alles verblaßt immer schneller. Schon oft hatte ich mir dann eingeredet, dass wäre jetzt der letzte Trip gewesen. Aber kaum ist der Körper wieder normal und der Anflug von Depression verschwunden, ruft schon wieder die nächste Party.

Vermutlich muss ich alle Pillen und alle Kapseln einfach verbrauchen oder besser wegwerfen und alle Hinweise auf Parties in sozialen Medien deaktivieren und ignorieren. Einfacher gesagt als getan. Aber früher oder später muss das sein.

Zufällig wurde mir einmal eine Line Speed angeboten. Eigentlich wollte ich davon die Finger lassen, aber in dem Moment hatte es sich richtig angefühlt. Im Gegensatz zu Ecstasy bekam ich aber keinen Kick. Vielmehr war ich einfach munter und wach. Als ein paar Freunde und ich später einmal Speed bei einem Dealer kauften, machten wir erst recht unsere negativen Erfahrungen. Da es für den Körper neu war, waren die negativen Effekt umso stärker. Auch wenn der Energieantrieb rasch verfliegt, so hält es sich länger im Körper. Du kannst einfach lange nicht pinkeln, auch wenn die Blase noch so sehr drückt, es will einfach nicht. Du sitzt unter Umständen selbst am Folgetag 30min am Klo, um drei Tropfen aus dir rauszupressen. Dein Schlaf ist total gestört. Wenn überhaupt, dann schäfst du nur sehr oberflächlich und auch mindestens drei Tage danach ist der Schlafrythmus noch total im Eimer. Und das obwohl ich Speed im Gegensatz zu Ecstasy nicht oral nehme, sondern als Line durch die Nase ziehe. Eine Line hat hier in etwa 15mg.

Die Wirkung setzt dabei nach 10min ein und entfaltet nach 30min die volle Wirkung für etwa eine Stunde. Nur die Wirkung ist eben nur Bewegungsdrang und wach sein. Es fehlt die wohlige Energie und das tolle Gefühl. Kürzlich hatte ich die Idee einige Male lieber Speed statt Ecstasy zu nehmen, um mein Serotoninspiegel zu schonen. Aber leider gewöhnt sich der Körper an das Zeugs noch schneller und gerade die Schlafstörungen sind eine absolute Katastrophe. Zudem jagt es den Puls teilweise auf 180 Schläge hoch und die Körpertemperatur steigt sehr hoch an. Es fühlt sich fast an wie Fieber, so dass du innerlich betest, dass es bitte nicht noch weiter steigt. Auch hatte ich während des Coming Down noch im Club übelste Kopfschmerzen.

Hin und wieder nehme ich jetzt ganz wenig Speed, um die Party schneller zu starten und nicht auf die Wirkung vom Ecstasy warten zu müssen. Aber auch das ist keine gute Kombination, da dann die Wirkung der ersten Dosis Ecstasy viel geringer ausfällt. Manchmal gar wie ein stotternder Motor. Der Puls fällt ab, um dann wieder kurz anzusteigen. Genau dieser Pulsanstieg (oft von 80 auf 140) für ein oder zwei Minuten ist der eigentliche Kick, das wohlige Gefühl. Nur ist es eben komisch, wenn es kommt und geht und nicht so richtig in die Gänge kommt.

Neben Ecstasy und Speed hatte mir jemand am WC eine Line angeboten, die sich als Kokain herausstellte. Es passiert eigentlich sogar recht häufig, dass mir jemand gratis Kokain anbietet. Letztens auch eine Mischung aus Kokain und Ketamin. Aber bis auf das eine Mal, habe ich nie wieder irgendwas probiert und immer brav nein gesagt. Was war die Wirkung? Gefühlt, gar keine. Außer, dass ich arrogant genug war dem Typen dann nein zu sagen, als er mich mit nach Hause nehmen wollte.

Was ist also nun zusammenfassend gesagt so gefährlich? Auf jeden Fall die kürzeren Abstände und die hohe Dosis. Noch habe ich keine körperlichen Nebenwirkungen oder Langzeiteffekte und hatte auch keine medizinischen Notfälle. Aber ich bin mir bewusst, dass ich nicht ungeschoren davon kommen werde. Es ist also nur eine Frage der Zeit. Schlimmer aber sind die Auswirkungen auf den Leben und das soziale Umfeld. Jede Party ist wichtiger, als sonstige Hobbies. Manche Freunde gehen auf Distanz. Es beeinflußt das Berufsleben und es fängt an Deine Gedanken zu dominieren. Es schleicht sich ganz langsam in Dein Leben und wiegt dich in besten Gedanken. Nur damit Du nachher einfach nicht davon weg kommst.

Du glaubst, dass du es allein schaffst, aber du irrst. Ich werde demnächst nochmal zur Beratung gehen. Und zum Glück habe ich jemanden gefunden, mit dem ich zwar noch keine echte Beziehung pflege, aber dennoch ein sehr inniges Verhältnis habe. Er ist mir eine Stütze und beide wollen wir zusammenhalten, damit ich aufhöre. Wir müssen einen Sinn schaffen, der wichtiger ist als die Party. Bis dahin muss ich mir eingestehen, dass eine der nächsten Parties dann auch wirklich die letzte ist. Ich muss es mir selbst eingestehen und ehrlich mit mir sein. Denn nichts fällt in der Sucht leichter, als sich Lügen und Ausreden einfallen zu lassen, nur um der Sucht allzu leichtfertig nachzugeben.

In Summe dachte ich bereits, dass ich höchstgradig gefährdet bin. Lustigerweise bekommt man bei der eingangs erwähnten Global Drug Survey immer einen persönlichen Vergleich zur Gesamtmenge. Danach bin ich in noch am unteren Ende der Skala, was ich aber nicht so ganz glauben mag. Okay, ich bin ein Party-Tiger und zum Glück nicht am Mischen mit vielen anderen Drogen. Und ich brauche es auch nicht im Alltag. Eine Entschuldigung ist das aber nicht.

Berlin // Körper an Körper

Seit langem mal wieder eine Nacht, die mich so bewegt, dass ich gleich heute am Tag danach darüber schreiben muss. Zu frisch sind die Gedanken und Erinnerungen und ich will jede davon festhalten und keinen einzigen Moment vergessen. Heute ist Freitag und ich ruhe mich daheim aus. Eine Mischung aus gemütlich auf der Couch liegen, Kaffee trinken und am Handy spielen. Gestern hatten wir in Berlin Firmenparty. In einer richtig guten Location mit viel Essen, Alkohol und guten Dancefloors. So verging der Abend wie im Flug und ehe man sich versieht, war es bereits weit nach Mitternacht. Da die Event-Location unweit vom Berghain ist, habe ich mich natürlich schon vorab schlau gemacht, ob an einem Donnerstag dort überhaupt etwas los ist. Und natürlich! In Berlin ist immer Party. Heute aber nur in der Panorama Bar und nicht auf dem Mainfloor. Dennoch gut!

Die Firmenparty ist super. Es gibt eigentlich keinen Grund den Ort zu wechseln. Aber unter Kollegen muss man sich nunmal benehmen, besonders wenn du in einer Führungsposition bist. Also brauch ich Abstand und Zeit für mich selbst. Die Party im Berghain ist nur bis 6 Uhr angesagt, ganz untypisch für Berlin. Daher entscheide ich mich schon recht früh gegen halb ein Uhr nachts dort aufzuschlagen. Immerhin gibt es ja das Risiko, dass ich an der Tür abgewiesen werde. In dem Fall könnte ich schnell wieder zu den Kollegen zurück, da hier die Party noch so richtig im Gange ist. So gehe ich nun durch die frische windige Nacht und fühle mich gut. Nach guten zwei Kilometer zu Fuss kommt das Berghain in Sicht. Schnell ziehe ich meine dünne Jacke aus und verstaue sie in meinem schwarzen Beutel. Heute war keine Zeit sich über die richtige Kleidung Gedanken zu machen. So habe ich billige weiße Schuhe und ein weißes T-Shirt an. Dazu eine graue lockere Hose. Nichts besonders, aber eventuell doch zu schlicht fürs Berghain. Auf den letzten hundert Metern kommen mir die ersten Partygänger entgegen, die gerade den Ort wechseln. Alle sind ganz und gar in schwarz gekleidet und meist in Lack und Leder. Ich in weiß wirke dagegen wie ein Leuchtfeuer im Dunkeln. Das gleiche Bild bietet sich am Eingang. Eine kleine Schlange von etwa 10 Personen - es ist ja noch früh. Alle in Schwarz und beste Fetisch-Models wie aus dem Katalog. Alle sehen großartig aus und ich bekommen Zweifel, ob ich reinkomme. In Gedanken stelle ich mir vor, wieviel Zeit und Geld die Leute in ihr Outfit gesteckt haben. Gute fünf Minuten später bin erfolgreich am Türsteher vorbei, stehe in der Sicherheitskontrolle, lasse die Kameras vom Handy zukleben und zahle meinen Eintritt an der Kasse. An der Garderobe das gleiche Bild, alle in Schwarz oder gar halb nackt. Mein weiß wirkt irgendwie unpassend. Egal, ich bin heute einfach weiß.

Die Panorama Bar ist scheinbar nicht mehr der kleine Dancefloor oben im Gebäude, sondern vielmehr die Säulenhalle in der Mitte des Berghains direkt unter dem Mainfloor. Industriedesign per excellence. Dicke eckige Betonsäulen in geringem Abstand. Massive Füße, die den Mainfloor darüber tragen. Es ist sehr dunkel und nur das zum Rhythmus zuckende Licht durchbricht die Szenerie. Rund um die massiven Säulen sind Lichtstränge angebracht, die rhythmisch die Säulen erhellen. Ich gehe ein paar Runden und erkunde die Gegend. Durch die Dunkelheit und die Lichtblitze verliere ich die Orientierung und mir wird leicht schwindlig, aber ich fühle mich gut aufgehoben. Alles was mir jetzt noch fehlt ist die Energie zum tanzen. Die Musik selbst ist typisch hart und trocken und die Menge ist bereits voll im Gange.

Die Suche nach Candy starte ich am WC. Dort ist es bereits dicht gedrängt. Ich beobachte eine ganze Weile den Ort und die ein und ausgehenden Personen und versuche zu erkennen, wer möglicherweise ein Dealer ist. Ein Typ bemerkt mich, umschleicht mich eine Weile und fragt irgendwann, ob ich was verkaufe. Das Gleiche dachte ich eigentlich über ihn. So stehen wir beide wie blöd da. Wir machen aus, dass wir einander Bescheid geben, wenn wir einen Dealer findet. So geht meine Suche noch einige Zeit weiter. Ich sehe drei Typen, die aus einer Zigarettenschachtel einige Pillen in die Hand von zwei Mädchen geben und im Gegenzug Geld einstecken. Eindeutig was gefunden! Ich gehe zu ihnen und frage direkt. Der Typ schaut mich ruhig von oben bis unten an und als Antwort erhalte ich ein nein. Also weiter suchen.

Am WC sehe ich drei in Lack und Leder gekleidete Besucher, die schon draußen in der Schlange vor mir standen. Sie kommen gemeinsam aus einer Kabine und vor ihnen ein einzelner Typ in einem weißen T-Shirt. Das muss ein Dealer sein von dem sie gerade was gekauft haben! Also frage ich ihn direkt. Er verneint und verweist mich auf eines der Mädels in Lack und Leder. Scheinbar waren sie nicht die Kunden, sondern die Dealer. So stehen der andere suchende Typ, ich und das Mädel wenig später zu dritt in der WC-Kabine. Sie hat einen stark Osteuropäischen Dialekt, er ist aus Kanada in Berlin und Freunde haben ihm das Berghain empfohlen. Sie verwickelt uns eine Weile in ein Gespräch während ich von innen die WC-Tür blockiere. Sie hebt ihr Bein und setzt mit denStiefel auf den Rand der Kloschüssel. Ihr Bein ist einem hohen sexy Lackstiefel verpackt. Sie beugt sich elegant über ihr Bein und zieht sehr langsam den Reisverschluss vom Stiefel auf. Ich fühle mich wie in einer Porno-Kabine. Aus dem Stiefel zieht sie ein kleines Päckchen mit Pillen. So kaufen der Kanadier und ich je zwei Pillen. Lachend verlassen wir die Kabine und sie wünsch uns einen tollen Abend. Die Party kann beginnen.

An der Bar kaufe ich mir was zu trinken, beiße eine halbe Pille ab und spüle sie hinunter. Ich bin verwundert, dass sie beim Abbeißen sehr hart ist. Scheinbar nicht so gestreckt und pulvrig, wie viele andere Pillen. Ich gehe durch den Raum und schaue mir den Dancefloor und das Publikum von allen Seiten an. Nach fast 30min merke ich noch immer nichts. Meist setzt bei mir die Wirkung deutlich schneller ein. Das Kribbeln und die Leichtfüssigkeit fehlen. Doch nach einer Weile merke ich wie sich mein Blick verändert und mein Körper fast automatisch zur Musik zu tanzen beginnt. Wie ein Roboter zieht es mich rein in die Menge. Es geht los. Da ich aber erst letztes Wochenende zweimal unterwegs war, ist der Abstand zum Aufbau der Hormone viel zu gering. So fehlte der typische Energieflash und das wohlige Gefühl, wenn es deinen Körper durchfährt. Kein Problem, ich hatte das schon erwartet. Dennoch bin ich munter und habe genügend Energie zum tanzen. So verbrauche ich im Abstand von ein bis anderthalb Stunden jede weitere Hälfte.

Typisch für das Berghain sind eher kräftige Männer mit freien Oberkörper oder sehr große dünne Typen in schlaksigen Hosen. Beides nicht so mein Fall. Aber ich finde ein paar nette Typen, die meinem Geschmack entsprechen. Nach und nach setzt sich die Energie in meinem Körper frei. Bevor sie mich gänzlich in Besitz nimmt, nutze ich die Zeit und tanze mal hier mal da und beobachte die Menschen um mich herum. Ich sehe, wie sich die meisten auch gerade etwas einwerfen. Es ist bereits nach zwei Uhr nachts.

Nach einer Weile tanzt neben mir ein Typ mit freiem Oberkörper. Deutlich kleiner als ich, aber jugendlich und gut aussehen. Kurz geschorener Kopf, süsse dunkle Augen in einem lächelnde Gesicht. Dazu eine kurze Jeanshose, an deren Rand sich die Unterwäsche abzeichnet. An den wohl geformten Beinen hohe weiße Sportsocken mit farbigen Rundstreifen, die die kräftigen Waden betonen. Dazu passend sexy Adidas Sneaker. Ein herrliches Bild. Ich fange an ihn von hinten zu berühren. Er lässt es sich gefallen und so versuche ich immer mehr. Durch den Rausch bin ich aber meist sehr vorsichtig und überschreite keine Grenzen. Der Rausch hält mich davon ab. Es ist ein ständiges Vor und Zurück. Der Geist will diesen Typen, der Körper hält dich zurück.

So muss ich mich zwingen doch immer einen Schritt weiter zu gehen. Erst umfasse ich mit der rechten Hand seine Hüfte. Erst oben, dann weiter unten bis meine Hand auf dem Rand seiner Hose ruht. Dann traue ich mich die zweite Hand dazu zu nehmen. Er genießt es und so ziehe ich ihn immer weiter zu mir. Eng aneinander tanzen wir zum aktuell eher langsamen Beat. Zwischendurch wage ich mich noch einen Schritt weiter. Ich greife ihm von hinten hart an den Hintern und umfasse seine knackigen Pobacken. So geht es ungefähr eine Stunde. Meine Hände umrunden seinen Körper und gleiten an seinem Bauch auf und ab. Eng umschlungen drücke ich ihn fest an mich. Sein Hintern wiegt sich in meinem Schoß. Ein unglaubliches Gefühl. Nun traue ich mich sogar ihn auf den Hals und auf die Schulter zu küssen. Er tanzt weiter mit mir, erwidert aber keinen Kuss und auch keinen Blick. Er starrt geradeaus und genießt einfach.

Neben ihm tanzt ein weiterer Typ. Im Gegensatz zum anderen ist er blond und nicht ganz so perfekt gebaut. Aber dennoch total süss. Er hatte mich schon vorher angelächelt. Nun zieht er sich zu sich und redet mir auf Englisch ins Ohr, dass der andere sein Freund ist. Ich lächle und frage zurück, ob sie beide schwul sind. Er erwidert ein Jahr. Dann frage ich, ob sie zusammen sind und wieder erhalte ich ein Ja. Meine Antwort darauf ist einfach, dass sie ein super liebes Paar sind. Für beide ist es okay, dass ich den einen so intensiv berühre. Bis zum Ende tanze ich in ihrer Nähe. Da sich der blonde von beiden nicht benachteiligt fühlen soll, fange ich an auch ihn zu verwöhnen. Schon bald liegen meine Handy auf seinen Hüften und ich ziehe sein Becken kräftig an mich heran und passe meine Bewegung seinem Rhythmus an. Auch er genießt es, aber blick ebenso starr gerade aus.

Der Blonde macht einen auf Kettenraucher. Ständig zieht er sich eine Zigarette aus der Schachtel. Da er kein Feuerzeug hat, muss er stets andere auf der Tanzfläche haben. Ich unterhalte mich etwas mit ihm und gemeinsam fragen wir uns durch die Menge, bis irgendwer ihm Feuer geben kann. Obwohl wir noch immer in der Nähe tanzen, widme ich meine Aufmerksamkeit anderen bzw. Genieße einfach selbst die Musik und gebe mich meinem Rausch hin. Erst in den Morgenstunden zieht es mich wieder zu den beiden. Der süsse Typ, mit dem ich zuerst so eng getanzt hatte, ist nun voll im Gange. Sein Körper trifft genau den Rhythmus, was ihn noch attraktiver macht. Wieder tanze ich erst neben ihm und wir lächeln uns an. Nach einer Weile tanze ich erneut hinter ihm, massiere seine Schultern und halte ihn dann wieder eng an mir. Diese Szene könnte auf ewig so weitergehen.

Aber eigentlich würde ich mir mit beiden mehr vorstellen können. Mein Kopf spinnt sich Geschichten zurecht in denen ich beide frage, ob sie Lust auf Spaß zu dritt haben. Leider ist die Musik so laut, dass ich unmöglich fragen könnte, ohne dass es komisch wirkt. Zudem ist bei mir die Energie nun langsam weg und mein Blick wandert ständig auf die Uhr. Es ist 6:30 Uhr morgens. Ich hab es nicht eilig, aber ich weiß, dass der Abend vorbei ist. Das Coming-Down setzt ein und es zieht mich Richtung Bahnhof. Dennoch will ich die beiden nicht allein lassen. Sie sind einfach zu süss und die Situation zu gut. Die Chance dass sie Ja sagen ist unendlich hoch. Dennoch schaffe ich es nicht die Frage zu stellen. In einem kurzen klaren Moment entschließe ich mich zu gehen. An der Garderobe hole ich meinen Beutel und gehe vor die Tür. Es ist bereits hell und der frische Wind belebt meine verschwitzte Haut.

Als ich endlich zu Hause bin und frisch geduscht ins Bett gehe, ist es kurz vor 9 Uhr morgens. Gegen 14 Uhr wache ich auf. Der Rest des Tages verläuft zwischen schläfrig auf der Couch dämmern, Kaffee trinken und sich den Bauch vollstopfen. Eigentlich habe ich keinen Hunger, aber ich weiß, dass solche Nächte Unmengen an Kalorien verbrennen. Mein Blutdruck war bei weit über 140 und ich habe teilweise einen starken Druck in der Brust gespürt. Ich hatte teilweise sogar Angst meinem Herzen zu viel zuzumuten. Aber alles war in Ordnung. In diesem Dämmerzustand denke ich den ganzen Tag an das gemeinsame Tanzen zurück. Das Bild ist nach wie vor total real in meiner Vorstellung und ich ärgere mich die ganze Zeit, dass ich die Frage nicht gestellt hatte. Es ärgert mich, dass ich diese Chance vertan hab. Natürlich hätten sie auch nein sagen können. Aber darum geht es nicht. Vielmehr nervt es mich, dass der Rausch mich zurückgehalten hat. Dieses Muster zieht sich wie ein roter Faden durch meine Geschichten. Immer sehe ich jemand total nettes, aber nie wird mehr daraus. Selbst wenn es mal zum Schmusen kommt, hat meist er den ersten Schritt gemacht. So fühle ich mich schlecht und fange an zu hinterfragen, was der Sinn im Fortgehen sei. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Musik heute zu hart und trocken war und mich daher nicht so richtig mitgerissen hatte.

Schritt für Schritt breitet sich dieses negative Gefühl in mir aus. Der Tag in diesem dämmrigen Zustand ist eigentlich immer herrlich, auch wenn man kaum was sinnvolles auf die Reihe bekommt. Dafür ist man einfach nur entspannt und regeneriert. Wenn nur dieses negative Gefühl und das Bild dieses süssen Typen und das Gefühl seiner schweißnassen Haut unter meinen Fingern nicht so in meinen Kopf gebrannt wäre. Bei dem Gedanken kribbelt mein ganzer Körper und bei jeder kleinsten Berührung würde mein Körper von ganz allein zum Höhepunkt kommen. So genieße ich das auf und ab zwischen der positiven Erinnerung, welche mir ein Lächeln ins Gesicht zaubert und der Scham, dass ich die Frage am Ende nicht gestellt habe. So verbringe ich den Tag auf der Couch statt mit den beiden in ihrem Bett.

Dafür hat es mir zum wiederholten Male gezeigt, dass sich meine Zeit mit Drogen und Fortgehen dem Ende nähert. Einerseits kann ich das Wochenende immer kaum erwarten und jede Nacht ist toll. Aber sie sind unterm Strich doch alle gleich und auch verliere ich den nächsten Tag. Dazu der Konsum an Candy und die immer kürzeren Abständen. Ich weiß, dass es nicht gut ist und die Reise in die falsche Richtung geht. Also bewerte ich es positiv, dass mir die gestrige Erfahrung und das negative Schamgefühl auch wieder die Grenzen aufgezeigt haben. Ich bin gespannt wohin die Reise führt.

Wien // Summer Cruising

Heute mal keine Geschichte von Clubbing, Tanzen und Fliegen. Stattdessen wieder etwas aus der Gay-Welt. Ein guter Freund, mit dem ich vor dem Honigsüßen Höhenflug beim Fortgehen Ende Mai den besten Sex meines Lebens hatte, hatte mich zu einer Tour durch den Wienerberg eingeladen. Da Wien für mich noch immer neu ist und ich nicht jeden Teil der Stadt kenne, sagte ich natürlich sofort zu. So steigen wir aus dem Bus und gehen gemütlich durch den Wald Richtung See. Es ist Hochsommer, aber heute zur Abwechslung mal erträglich. Wir biegen nach rechts ab und gehen kleinen Trampelpfaden entlang. Wir sind hoch oben am Berg und immer wieder öffnet sich der Blick runter auf den See und die weitläufige Waldfläche drumherum.

Eigentlich bin ich kein Freund von Outdoor-Sex. So bin ich auch heute etwas skeptisch. Wir gehen weiter und überall sehen wir ältere Typen, die sich allein einen wichsen und damit wohl glauben jemanden anzulocken. Die gleichen Typen werden uns den ganzen Nachmittag weiter verfolgen. Krankhaft gehen sie im Kreis und starren jeden an, der sich nicht hinter einem Busch verstecken kann. Nach einer Weile finden wir ein kleine Lichtung wo wir uns unbeobachtet genug finden. Wir breiten die Picknickdecke aus und schon liegen wir nackt in der Sonne. Eine frische Briese weht über die Haut und lässt mich leicht frösteln. Ihm scheint Outdoor so richtig Spaß zu machen. Voll erreget sitzt er in der Sonne und so kann ich nicht wiederstehen als ihn mit den Lippen zu verwöhnen. Und schon wieder laufen Typen vorbei und starren zu uns rüber. Aber mir ist es egal. Ich komme gerade erst so richtig in Fahrt.

Egal ob wir beobachtet werden oder nicht, ich will ihn in mir spüren, jetzt sofort. So steige ich auf ihn und gönne mir die Zeit bis er Stück für Stück in mich eindringt. Mein Körper erbebt und ich genieße die Sonne auf meiner Haut. Gemeinsam genießen wir die Innigkeit. Die Zeit verfliegt und ich will dass es nie aufhört. Irgendwann tauschen wir die Position. Jetzt ist er mal dran mit Arbeiten. Ich liege bauchlinks auf der Decke und er auf mir drauf. Immer tiefer, härter und schneller. Meine Hände vergraben sich in der Decke, der flauschige Stoff rutscht auf meiner Haut und seine langen Haare kitzeln meinen Rücken. Es gefällt mir und ihm auch. So macht es mich umso mehr an je schneller und härter er wird. Und es macht mich glücklich als er stöhnend mit den letzten tiefen Stößen in mir kommt und erschöpft auf mich nieder sinkt.

Lachend und blödeln liegen wir noch eine Weile herum. Noch immer werden wir aus allen Richtungen mit Blicken belohnt. Ein weiterer Typ hat sich ein paar Meter weiter niedergelassen. Nur wenige Momente später steht vor ihm ein anderer und lässt sich oral verwöhnen. Beide Typen sagen uns jedoch nicht zu. Dennoch wäre jemand drittes für Runde zwei jetzt doch irgendwie witzig. Da helfen doch nur die Dating-Apps. Wir chatten jeden an, der im Umkreis von 500m online ist. Nur einer von ihnen sieht irgendwie süß aus. Und siehe da, er antwortet. Es stellt sich heraus, dass er ein Voyeur ist. Er will nur zuschauen und wir sollen doch schon mal anfangen. Da wir hier zuviel beobachtet werden, schnappen wir uns unser Zeugs und gehen wieder auf die Suche.

An einem neuen Platz sind wir ungestörter und haben den perfekten Blick auf den See. Hoffentlich schaut niemand mit dem Fernglas zu uns rüber. Wir chatten noch immer mit dem Typen und überlegen, ob wir warten oder einfach anfangen. Also auf zu Runde zwei. Leider macht mein Körper nicht mit. Zu sehr hat ihn die erste Runde gefordert. So liegen wir wichsend und schmusend nebeneinander. Mittlerweile ist auch der Typ da und guckt uns aus zwei Metern Entfernung zu. Seine Hose hängt halb runter und er wichst seinen doch stattlichen Schwanz. Es dauert nicht lange bis er in großem Bogen kommt und sein Sperma auf der Wiese verteilt. Ihm scheint es etwas peinlich zu sein und so verschwindet er so schnell wie er gekommen ist. Wir beide bleiben lachend auf unser Decke und genießen die Zeit. Innerlich bin ich enttäuscht, dass es für Runde zwei nicht gereicht hat. Ich spüre ihn einfach zu gern in mir. Aber für heute war es ein schöner Tag!

Wien // Wollen wir aufhören?

Tatsächlich hatte ich die letzten Tage nicht wirklich Lust aufs Fortgehen oder mehr Ecstasy. Nach Christi Himmelfahrt am Donnerstag wollte ich Freitag sogar arbeiten gehen statt den Fenstertag freizunehmen. Und meine Kollegen hatten mir auch geraten mal eine Pause zu machen. Und was sollte ich schon allein im Büro? So hatte ich mir ein Auto gemietet und war jeden Tag am Neusiedler See die Sonne genießen. Gemeinsam mit einem Freund fuhr ich durch einige nette Orte am See und wir genossen das gute Essen und den herrlichen Wein. Aber nun war wieder Samstag Abend und wir beide wollten fortgehen. Natürlich sind die Tage zwischen Mittwoch und Samstag viel zu kurz, um genügend Botenstoffe im Hirn neu aufzubauen. Mir war das bewusst. Schon einmal hatte ich im kurzen Abstand zweimal gefeiert und auch da blieb die Wirkung trotz hoher Dosis eher verhalten.

So sollte es auch diesmal werden. Nach dem Honig goldenen Hochgefühl vom Mittwoch war mir klar, dass mein Hirn komplett leer sein musste. Zuviel Hochgefühl hatte mich auf einmal durchströmt. Ich wusste es den ganzen Tag über und eigentlich hätten wir beide einfach absagen sollen. Aber durch die zwei schönen Tage am Wasser ging es mir herrlich. Ich redete mir ein, dass mein Körper das schon irgendwie entsprechend gut verarbeiten würde. Aber du kannst deinen Körper eben nicht betrügen. So sitzen wir beide weit nach Mitternacht in der U-Bahn auf dem Weg zum Club. Wir reden über Candy, unserem Codewort für Ecstasy und über andere Bekannte, die sich viel zu sehr im Drogensumpf verloren haben. Wir überlegen, dass wir beide aufhören sollten. Mein Freund überlegt sogar heute nur Alkohol zu trinken. Für mich kommt das heute nicht in Frage. Zu sehr ist mir der Hangover der Firmenfeier noch im Kopf. Da bleib ich lieber beim Candy.

Kurz vorm Club legen wir beide jeweils 10 Euro zusammen und ich verhandle mit dem dem Dealer drei Pillen. Und yeah, es sind wieder die kleinen grünen Biester, von denen wir ja nun schon wissen, dass sie was können. Zur Sicherheit hab ich noch drei Kapseln dabei. Im Club ist es noch sehr leer und so sitzen wir draußen vor der Tür in der warmen Sommerluft mit einem Bier in der Hand. Mir war schon mehrfach aufgefallen, dass die Wirkung deutlich schwächer ist, wenn ich zuvor Bier trinke, aber heute war es mir egal. Ich wollte noch nicht starten und daher die Zeit überbrücken. Mein Freund war wiedermal ganz anders. Er konnte es gar nicht erwarten und wollte gleich eine ganze Pille nehmen. Er wusste, dass das Blödsinn ist und haderte mit sich selbst und so verbot ich es ihm schlichtweg. Auch gab ich ihm gar nicht erst die Pille in die Hand. Er wusste, dass er dann zu ungeduldig auf die Wirkung warten und bereits nachlegen würde, bevor diese überhaupt einsetzt hat.

Aber ich wollte ihm nicht zu sehr vorschreiben wie er den Abend verbringen sollte. Eigentlich war noch immer zu wenig Publikum da. Aber ihm zu Liebe wollte ich gemeinsam mit ihm starten. Also fingen wir mit einer Tablette an. Ich biss eine Hälfte ab und gab ihm den Rest. Okay, ich war zu gierig und mein Teil war doch etwas mehr als die Hälfte. Am Weg hinein hielten uns auf einmal die Türsteher auf. Total im Panikmodus dachte ich schon, dass sie uns gesehen hatte, wie wir gemütlich die Pille verdrückt hatten. Immerhin saßen wir fast genau gegenüber vom Eingang. Im Kopf legte ich mir schon tausend Ausreden zu Recht. Aber zum Glück machten sie uns nur darauf aufmerksam, dass wir unsere Handys nicht so offen herumliegen lassen sollten, da gern mal was verschwindet und sie nicht auch noch vor dem Club für Sicherheit sorgen können. Voll nett von ihnen.

Die Musik heute ist ultra hart. Kein trockener harter Techno, dafür aber ein sehr schneller Beat mit wechselnden Rhythmen was es nicht gerade einfach macht den richtigen Grundrythmus zum Tanzen zu finden. Mein Freund ärgert sich darüber die ganze Zeit und ich vertröste ihn, dass es schon besser werden wird, sobald die Wirkung einsetzt. Jeder von uns hat zu später Stunde noch was gegessen, so dass die Wirkung bei vollem Magen länger auf sich warten lässt. Nach gut 40min setzt bei mir das typische Kribbeln ein. Zu der Zeit sitzen wir gemütlich am Tisch und reden. Er hat zuvor noch einige andere Leute kennengelernt und wundert sich, dass auf einmal Frauen auf ihn stehen. Zur Erinnerung, heute ist kein Gay-Event. Schritt für Schritt steigert sich die Wirkung bei mir. Wie ein ungeduldiges Kind dränge ich darauf auf die Tanzfläche zu gehen. Ich will den Moment nicht verpassen, in dem die volle Energie freigesetzt wird.

Und die Energie kommt, wenn gleich nicht so stark und ohne dieses ultra schöne Hochgefühl vom Mittwoch. Aber es reicht, um die Musik besser wahrzunehmen. Heute möchte ich versuchen so lange wie möglich auf dieser Welle zu schwimmen, ohne gleich nachzulegen. Aber nach etwa 40min ist die Wirkung deutlich zurückgegangen und so gehe ich an den Rand der Tanzfläche und beiße wieder ein Stück von der zweiten Pille ab. Diesmal lasse ich ihm mehr als die Hälfte, welche ich ihm mitten auf der Tanzfläche in die Hand lege. Leider kann sich mein Freund den ganzen Abend über nicht mit der Musik anfreunden. Zudem verträgt er wieder einmal die Wirkung nicht. Als diese sich voll entfaltet sitzt er wieder ruhig am Tisch und schreibt mit einem Freund am Handy. Während ich immer nur tanzen will, zieht es ihn eher zu Ruhe und Gemütlichkeit. Scheinbar ist das Setting heute doch nicht das Richtige! Eigentlich wollte gerade er ja doch aufhören.

Heute sind wir zu zweit hier und ich will nicht asozial sein. Also scheiße ich auf meinen Rausch. Normalerweise will ich jede Minute davon auskosten und komme daher gar nicht auf den Gedanken die Tanzfläche auch nur für eine Minute zu verlassen. Aber heute setzte ich mich immer wieder zu ihm, massiere ihm die Schultern und kümmere mich um seinen Zustand. Nach einer Weile kann ich ihn wieder zum Tanzen überreden. So tanzen wir gemeinsam und ich gönne ihm die ein oder andere Zärtlichkeit. Sein T-Shirt klebt bereits Schweiß gebadet auf seiner Haut. Auch meine Stirn ist wieder total nass. Irgendwann zuvor hatte ich die dritte Pille angefangen und gut die Hälfte abgebissen. Somit waren es jetzt schon 1,5 Pillen in meinem Körper. Zwei hatte ich mir als absolutes Maximum gesetzt. Ich wollte nicht mehr über diesen Wert. Auch beim letzten Mal hatte ich mit den pulvrigen Resten sowie einer Pille und einer Kapsel in Summe ungefähr die Dosis von zwei Pillen verbraucht. Meine Standarddosis schien sich auf 400mg einzupendeln.

Und wieder war der Rausch an sich die eigentliche Dummheit. Gegen vier Uhr hatte ich dann auch den Rest der dritten Pille allein gegessen. Eigentlich hätten wir uns diese teilen sollen, aber in Gedanken war ich zu gierig. Mein Freund saß schon wieder am Tisch und so setzte ich mich zu ihm. Er erzählte mir, dass ihm heut der Club nicht so zusagt und er überlege heimzugehen. Auf meine Frage nach dem Rausch meinte er, dass die Wirkung leicht weg sei und ob ich noch die dritte Pille hätte. Peinlich berührt gab ich zu, dass davon nichts mehr übrig sei. Geschockt blickte er mich an. Daher bot ich ihm eine Kapsel an. Er misstraut diesen noch immer, aber schluckte dennoch eine. Erst danach erkannte ich, dass er bereits seine Jacke dabei hatte und scheinbar wirklich aufbrechen wollte. Aber wieso legt er dann noch nach? Verwundert frage ich ihn was los sei. Er könne jetzt nicht nachlegen und im Rausch nach Hause gehen. Am Ende kann ich ihn überreden noch weiter zu tanzen.

Wenig später in einem Moment der Klarheit greift er aber wieder zu seiner Jacke, welche er am Rand vom DJ Pult abgelegt hatte und verabschiedet sich mit kurzen Worten. Er fragt mich wie lange ich noch bleiben werde. Als ich antworte, dass ich bis zum Ende bleibe, zieht er sichtlich enttäuscht seiner Wege. Ich bin traurig, dass ich ihn nicht zur U-Bahn begleite, aber ich kann jetzt nicht nach Hause. Zwischen 5 und 6 Uhr merke ich dann aber auch, dass meine Glieder schwerer werden. Ich hab bereits gut und gern 8 Becher Wasser getrunken und mein T-Shirt und meine Hose kleben an mir wie eine zweite Haut. Eine Weile tanze ich noch zwischen den anderen. Aber die Menge ist schon deutlich kleiner geworden. Viele sind bereits heim und der Rest versucht noch immer den Beat zu finden. Am Ende ist es eher ein gemütliches Schwanken.

Irgendwann reicht es auch mir und ich breche auf. Draußen ist es wunderbar sonnig und warm. So gehe ich ohne Jacke zur U-Bahn und genieße das Licht. Mir fällt auf wie schweiß gebadet ich bin und wie sehr ich danach rieche. In der U-Bahn setzt sich eine Frau neben mich und ich blicke peinlich berührt aus dem Fenster. Es ist mir unangenehm, dass ich vermutlich wie der letzte Penner stinke. Immer wieder schütze ich meine Augen vor der grellen Sonne, wohl wissend, dass meine Pupillen noch immer weit geöffnet sind. Bereits zuvor hatte ich mich gewundert, dass bei der starken Dosis alle Nebenwirkungen wie Halluzinationen oder das geistige Abdriften ausgeblieben sind. Daheim blicke ich in den Spiegel und wundere mich, dass selbst meine Pupillen schon wieder normal funktionieren. Wie kann das sein? Zwei Pillen und noch dazu Starke! Haben die Dealer die Rezeptur geändert oder reagiert mein Körper einfach anders, wenn zu wenig Zeit dazwischen war?

Jedenfalls gehe ich genau um 7 Uhr schlafen und stehe erst um 14 Uhr auf. Eine leichte Trägheit umfängt mich den Rest des Tages. Keine Depression, sondern eher eine Gemütlichkeit. Ein Gefühl mit dem man gern zu Hause bleibt. Alle anderen Nebenwirkungen sind weitestgehend abwesend. Die Pupillen sind normal. Der Puls war während des Schlafens bei 70 Schlägen und jetzt bei ungefähr 90, also nur leicht erhöht. Meine Zähne tun nicht weh und die Kiefermuskulatur schmerzt ebenfalls nicht. Lediglich das trockene Gefühl im Rachen ist noch deutlich spürbar. Selbst ein gutes Frühstück und Kaffee ändern daran nichts.

Mein Freund meldet sich einige Stunden später. Obwohl er früher heim ist, hat er noch länger geschlafen. Und so setzen wir unsere Unterhaltung fort, welche wir gestern auf dem Weg in den Club bereits begonnen hatten. Wir wollen aussteigen oder zumindest für eine längere Zeit pausieren. Wir vereinbaren uns jeden Freitag gegenseitig daran zu erinnern. Lediglich kommendes Wochenende möchte ich nochmal einmal unterwegs sein. Es ist ein großer Gay-Event angesagt bei dem viele zu sehen sind, die ich über die letzten Wochen kennengelernt habe. Das möchte ich mir nicht entgehen lassen. Eine Woche darauf ist zudem die Euro-Pride in Wien. Natürlich begleitet von unzähligen Events. Aber hier möchte ich dann bereits mit Ecstasy aufhören und höchstens Bier trinken. Ich bin gespannt, ob wir es durchhalten. Ich fühle mich innerlich total wohl, dass mein Kopf mir in einer Klarheit dieses Bild vom Ende vermittelt hat. Ich fühle mich nicht schlecht oder abhängig. Aber es fühlt sich an, als hätte ich genug erlebt. Zeit für was neues oder zumindest Zeit für das normale Leben.

Nachtrag: Natürlich hat diese Illusion nicht gehalten. Zur Pride waren einige Freunde in der Stadt und trotz der Affenhitze hatten wir einem mega schönen Tag. Erst bei lauter Techno-Musik der Parade folgend, um dann im Stadtpark zu chillen. Nach einer Pause und einer ordentlichen Dusche daheim sollte der Abend vorm Rathaus gemütlich ausklingen. In einer größeren Gruppe saßen wir unter den Bäumen und wurden uns nicht einig wohin wir nun gehen wollten. Das Angebot an Parties war einfach zu groß, um nein zu sagen. Am Ende teilte sich die Gruppe und zu viert landeten wir in einem Club, wo ich eher selten anzutreffen bin. Natürlich hatte ich wieder was dabei. Zwei Freunde teilten sich den Inhalt einer Kapsel und lösten das Pulver in einem Glas Wasser auf. Dennoch war der Abend auch für mich ein halber Erfolg, denn wir anderen kamen mit einer deutlich kleineren Dosis durch die Nacht und hatten auch so unseren Spaß.

Wien // ich habe den Tod tanzen gesehen!

Eine neue Event-Reihe im meinem Lieblings-Club. Natürlich wollte ich mir das nicht entgehen lassen. Vor allem ist es eine kurze Woche. Donnerstag war Christi Himmelfahrt und so hatte ich zum Glück nur drei Tage Streß. Zuvor hatte ich genügend Zeit meinen Husten und Schnupfen auszukurieren. Leider hab ich noch immer nicht das Test-Ergebnis von meinem Pulver zurückbekommen. Technische Probleme im Labor. Also heißt es weiter warten. Dafür haben wir uns in der Beratungsstelle nochmals über die Dosis und Resistenzen unterhalten. Laut Auskunft der Beratung sollte man regelmässig in etwa 6 Wochen Pause machen. Nicht nur, um den Serotonin-Spiegel wieder auf ein normales Level zu bringen, sondern auch die Resistenzen abzubauen. Angeblich kannst du dann wieder mit einer normalen Dosis beginnen. Für heute hab ich jedenfalls die kläglichen Reste der grünen Biester dabei, welche ich mir vor einigen Wochen aus der Hosentasche gekratzt hatte. Dazu zwei Kapsel als Backup und die eine Pille, welche wir letztens gekauft hatten. Eine Pille mit zwei PP drauf, Philipp Pain. Laut Tabelle der Drogenwarnung durchaus stark mit 220mg. Vorsicht ist geboten!

Als ich Club ankomme, ist noch nicht viel los. Da für die Größe des Clubs auf Facebook super viele Zusagen waren und ich nicht Schlange stehen wollte, bin ich etwas früher aufgebrochen. So verbringe ich die Zeit zwischen den wenigen ersten Gästen und schwanke zum Beat. Erst nach und nach füllt es sich. Es fühlt sich an wie eine Ewigkeit und ich starre alle 5min auf die Uhr. Ich tanze unweit vom WC-Eingang und so sehe ich die ersten Leute am WC verschwinden und sich Zeugs einwerfen. In der noch kleinen Menge an Menschen sticht mir eine Frau mittleren Alters in Auge. Sie ist bis auf die Knochen abgemagert und tanzt benommen zur Musik. Neben ihr entdecke ich ihren Mann oder Freund. Auch er ein Gerippe aus Haut und Knochen. Beide wirken auf mich wie mehr als nur ein wenig süchtig. Die meisten Drogen unterdrücken deinen Hunger, deine Müdigkeit und sonstige körperlichen Nöte. Hier sehe ich nun auf der Tanzfläche, wie sowas enden kann. Der tanzende Tod genau vor mir.

Als der Main-Floor öffnet und das Publikum nun schon deutlich mehr geworden ist, verschwinde auch ich im WC. Die Reste der einen grünen Pille waren schon fast vollständig zu Pulver zerrieben, welches grün in meinem Plastiksäckchen schimmerte. Daher hatte ich mir nun an der Bar einen Becher geklaut und mit etwas Wasser gefüllt. In der WC-Kabine landet das Pulver nun im Becher und dann aufgelöst in meinem Magen. Zum Glück war der bittere Geschmack nicht allzu schlimm. Die Menge des Pulvers entsprach etwas weniger als der Hälfte einer Pille. Aber das sollte fürs Erste reichen. Nun heißt es warten. Auf der Ablage über dem Spülkasten sehe ich noch die Reste der vorherigen Besucher. Weißes Pulver liegt überall herum. Die kläglichen Reste der ein oder anderen Line, die sich hier jemand gegönnt hat. Über den Abend sprechen mich immer wieder andere auf der Suche nach Drogen an. Wie Süchtige brauchen sie immer mehr. Aber sie sind eben schlecht vorbereitet und ich deale nunmal nicht.

Zurück auf der Tanzfläche merke ich nach mehr als einer halben Stunde noch immer nichts und fange an zu grübeln, ob die Menge doch zu gering war. Weitere 10min später beiße ich dann ungefähr ein drittel von der größeren Pille ab. Es ist schon spät und noch länger warten wäre doof. Was mich dann erwartet war rückblickend gesehen das pure Glück. Nur wenige Minuten nachdem ich von der Pille abgebissen hatte, setzt auf einmal die Wirkung der aufgelösten grünen Rest ein. Nur diesmal ganz anders als sonst. Eigentlich fängt alles mit einem Kribbeln, gefolgt von klarer Wahrnehmung an. Diesmal kommt es aber von Innen. Als hätte jemand ein Ventil geöffnet, so flutet mich ein warmes Hochgefühl. Plötzlich wirke ich total glücklich mit mir selbst. Wie flüssiger Honig durchflutet das Glück meinen Körper und ich könnte mich selbst umarmen. Zufällig hat das Timing vom Nachlegen noch dazu perfekt gepasst. Während das erste Gefühl mich etwa eine halbe Stunde auf der Welle der Glückseligkeit trägt, setzt die Wirkung der abgebissenen Pille gleich darauf ein. Das Glücksgefühl verstärkt sich stetig und hüllt mich wie Watte ein. Erst nach mehr als einer Stunde komme ich wieder auf das normale Level, was mich wie eh und je einfach nur glücklich tanzen lässt.

Dieses Hochgefühl war mir in der Art total neu. Aber es fühlte sich unglaublich schön an. Wieso war es diesmal anders? Vermutlich, weil die Wirkung immer sehr stark vom aktuellen Tagesgefühl, dem Abstand zur letzten Einnahme und vielem mehr abhängt. Und diesmal hat alles gepaßt. Scheinbar hatte mein Körper in den nur 1,5 Wochen Zeit gehabt genügend Serotonin aufzubauen. Der Neurotransmitter auf den MDMA losgeht. Durch den beruflichen Streß hatte ich mich einfach schon so sehr aufs Fortgehen gefreut. Hinzu kommt, dass ich sehr spontan am Abend bei einem Freund war und wir wieder einmal den besten Sex überhaupt hatten. Der dreimalige Höhepunkt hatte mich vorab schon so sehr gepushed, so dass mein Körper voller Hormone und Gefühle überschäumte und das MDMA in der Nacht dann ein leichtes Spiel hatte.

Im Laufe des Abends halbiere ich den Rest der Pille nochmals und nehme beide im Abstand von etwa einer Stunde. Zwischen vier und fünf Uhr fühlt es sich aber schon wieder so an als würde die Wirkung abklingen. Dabei will ich noch länger bleiben. Dieser Zustand ist in sofern gefährlich, weil man eigentlich noch im Rausch ist und dann unüberlegt nachlegt. Genauso erging es mir. Während ich eine gefühlte Ewigkeit hin und her überlege, ob es nicht eh schon viel zu spät oder besser zu früh am Morgen ist, um noch nachzulegen, greife ich in die Tasche und schlucke eine der Kapseln. Immerhin ist die Menge darin weniger als eine halbe Tablette. So rede ich es mir jedenfalls ein.

Wann die Wirkung der Kapsel einsetzte, kann ich nicht mehr sagen. Generell merkt man hier aber keinen neuen Kick mehr, sondern hat einfach nur länger Energie. Jedenfalls geht um 6:30 Uhr das Licht an und ich gehe im warmen Morgenlicht zur U-Bahn. Der Dance Floor war heute super warm und durch mein Glücksgefühl habe auch ich extrem stark geschwitzt. Meine Kleidung klebt an mir, Schweiß steht mir auf der Stirn und ich bin putz munter. So brauch ich nicht ins Bett zu gehen! Daheim angekommen fange ich daher an die Schuhe zu putzen und in der Wohnung herum zu räumen und gehe duschen. Auf meiner Stirn sehe ich getrockneten Schweiß zu kleinen Stückchen Salzkruste erstarrt. Es war wohl eine gute Nacht!

In der Küche putze ich mir eine Karotte, setzte mich im Wohnzimmer auf den Sessel und versuche die Hälfte davon zu essen. Wie erwartet wird das eine Herausforderung. Mit trockenem Rachen und null Geschmackssinn, kaue ich auf jedem Bissen eine Ewigkeit herum. Aber ich schaffe es! Noch während ich im Sessel sitze, fange ich an in Gedanken abzudriften. Komisch, die Wirkung der Kapsel setzt wohl erst jetzt ein?! Kann es sein, dass sie erst jetzt ihre volle Wirkung entfaltet? Oder bin ich einfach nur erschöpft und müde? Jedenfalls ein guter Moment zum schlafen gehen. Mein Puls war die Nacht über bei 120 bis 130 und schlägt noch immer mit guten 90 Schlägen pro Minute. Zur Kontrolle behalte ich den Pulsmesser am Arm.

Einmal bin ich kurz vor Mittag wach, lege mich aber sofort wieder schlafen. Erst gegen 16 Uhr klingelt mein Wecker. Oh nein, wieder der ganze Tag verschlafen. Und gleich kommen Freunde zu Besuch. Also schnell wach werden und erstmal was essen. Der Blick auf die Pulskurve verrät mir, dass der Puls über den Vormittag recht stetig bei 80 bis 90 verblieben ist und es zu Mittag einen plötzlichen Abfall auf 60-70 Schläge pro Minute gegeben hat. Scheinbar war zu dem Zeitpunkt die Wirkung der ersten Dosis dann erst richtig weg. Über den Tag verfolgt mich das leichte Kribbeln noch bis etwa 20 Uhr. Zudem sind wieder die Zähne extrem überempfindlich. Gemeinsam mit meinen Freunden gehen wir in der Stadt was essen. Am Weg zurück gönnen wir uns ein Eis. Aber es tut so höllisch weh auf meinen Zähnen, so dass ich es nur langsam essen kann. Am Abend quasseln wir bei einem Glas Wein. Mein überhöhter Konsum macht ihnen Sorge, auch wenn sie es nicht zugeben und vor allem nicht negativ wertend aussprechen wollen. Aber auch ich merke, dass sie Recht haben. Aber bereits am Samstag ist wieder ein gutes Event angesagt. Vielleicht schaffe ich es den auszulassen und stattdessen auf die groß angesagte Gay-Party in anderthalb Wochen zu gehen?

Wien // die Post

Endlich ist wirklich Frühling. Die Sonne scheint und die Stadt strotzt vor Grün und guter Laune. Als ich unten zur Haustür reingehe, öffne ich völlig automatisch das Postfach. Darin die typische Werbung und dann ein kleiner fester Brief. Nicht größer als C6-Format und etwas dicklich. Noch bevor ich ihn überhaupt in der Hand halte rotieren bereits meine Gedanken. Was könnte das sein? Ich erwarte eigentlich keine Post. Als ich dann die Anordnung Zielen der Adresse auf dem Brief lese, fällt es mir wieder ein. Denn ich habe es wieder getan.

Obwohl es schon mehrfach schief gegangen ist, habe ich wieder im Darknet bestellt. Die letzten Male habe ich ja immerhin das Geld in Form von Kryptowährungen wie Bitcoins oder Litecoins wiederbekommen. Vor etwa drei Wochen bestellte ich daher wieder. Ich hatte mir vorgenommen diesmal nicht dem laut diversen Websites augenscheinlich besten oder vertrauenswürdigsten Verkäufer zu trauen. Andererseits wollte ich aber auch nicht wieder ewig lange recherchieren woran man diese so genannten Scammer denn nun wirklich erkennt. Die goldene Mitte sollte es dann werden. Am Ende bestellte ich 1 Gramm MDMA Champagne mit 83% Reinheitsgrad für 20 Euro. Auch hier wählte ich einen etwas höheren Preis, da der letzte Versuch mit 12 Euro gescheitert war. Und 1 Gramm sollte fürs erste reichen, sofern man die 120mg bis 240mg MDMA Anteil einer guten Pille als Grundlage der Berechnung heranzieht.

Und natürlich ging auch diese Bestellung erstmal schief. Durch die Enttäuschung der ersten Versuche war ich schon lange nicht mehr in freudiger Erwartung nervös wenn ich den Briefkasten öffnete. Als aber nach über 14 Tagen noch immer nichts da war, setzte ich mich genervt an den PC, setzte all die üblichen Sicherheitsmaßnahmen, und war wieder im Darknet. Ich schrieb ein Kommentar unter die Bestellung, dass ich auf Post warte und bis dato nichts erhalten habe. Die Antwort kam prompt. Ich sollte noch etwas warten. Na klar, Junge! Eine weitere Woche später hinterließ ich ein zweites Kommentar und wieder erhielt ich eine rasche Antwort mit einem überraschenden Inhalt. Der Verkäufer bot an die Bestellung nochmals zu versenden und das gratis. Ich traute dem natürlich nicht. Aber hier stehe ich nun. Mit dem kleinen Brief in der Hand und bin völlig überrascht.

Natürlich bin ich neugierig was nun wirklich drin ist. Daher sitze ich im Arbeitszimmer, öffne vorsichtig den Brief und entdecke ein kleines schwarzes Plastik-Tütchen. Der Inhalt ist eng verschweißt und drüber und drunter ist eine Pappe mit einer goldenen Beschichtung angebracht. Daher war der Brief auch so dick. Das ist sie also, die Stealth-Verpackung. Nachdem ich das Tütchen aufgeschnitten habe, öffne ich es vorsichtig und versuche den Inhalt zu erkennen. Es sieht aus wie weißes Pulver, aber dazwischen entdecke ich auch grobe Kristalle. Es ähnelt Brausepulver und sieht auch aus wie das Mephodrone, welches mein Kumpel und ich vor einiger Zeit mal durch die Nase gezogen hatten. Im Grunde wie grobe Kristalle von Zucker hergestellt aus Zuckerrohr.

Ich bin skeptisch, ob es wirklich ein Gramm ist. Endlich kann ich die Milligrammwaage ausprobieren, welche ich mir beim ersten Bestell-Versuch gekauft hatte. Batterien rein, Tara-Taste suchen und rauf mit dem Tütchen. Das Display zeigt einige Gramm an. Es könnte also gut sein, dass der reine Inhalt ein Gramm wiegt. Ich hatte mich ja bereits schlau gemacht und wusste daher wie man MDMA Crystals dosiert und wie man sie nehmen sollte. Die gesundheitlich beste Wahl bleibt nunmal die Bombe oder in Form von Kapsel. Im Getränk auflösen oder durch die Nase ziehen kam für mich nicht in Frage. Na egal, heute kann ich nicht viel mehr machen. Es ist kein Freitag und so lege ich alles sauber in eine Schublade. Erfreut hinterlasse ich dem Verkäufer eine Nachricht.

Der nächste Tag ist irgendwie surreal. Natürlich hatte ich am Abend zuvor zur Sicherheit nochmal das halbe Internet bezüglich Dosierungs-Tipps durchforstet. Das Problem ist nur, dass ich ja nicht weiß was für ein Pulver das nun wirklich ist. Ich bin total neugierig, ob es wirkt oder ob ich reingelegt worden bin. Aber vielmehr hab ich davor Angst, dass es irgendein anderer Wirkstoff ist. Entweder Crystal Meth was nun wirklich abhängig macht oder irgendeine Chemikalie, die du besser nicht schluckst. Daher pendelten meine Gedanken ständig zwischen einer niedrigen oder doch leicht höheren Dosis. Immerhin hatte ich ja schon eine gewisse Resistenz aufgebaut.

So kreisten meine Gedanken den ganzen Freitag um die Dosis. Unter Berechnung des 83%igen Reinheitsgrades entschied ich mich je eine Dosis von 100mg abzufüllen. 120mg erschien mir dann doch zu viel. Nachdem viele Ratgeber zu einer normal hohen Anfangsdosis ohne Nachlegen rieten, kam mir 100mg genau richtig vor. Hier könnte ich beim Einsetzen der ersten Effekte noch eine zweite nachlegen, so dass ich mit 200mg und somit in etwa 160mg reinem MDMA dann noch im halbwegs sicheren Bereich wäre, der bei meiner Körpergröße und meinem Körpergewicht bei 120 bis 150mg lag. Zumindest wollte ich selbst bei drei Kapsel unter 300mg bleiben. Sicher ist sicher! So langsam verstand ich wieso die diversen Websites die Begriffe "Responsible Drug Use" oder "Safer Drug Use" irgendwo im Titel hatten. Man fühlt sich zwar wie ein Junkie, aber natürlich will man sich nicht umbringen.

Beschwingt gehe ich außer Haus. Es ist wieder ein sonniger Tag und der Streß der Woche ist für einen Moment vergessen. Heute Abend ist zudem eine gute Party angesagt. Gut, dass die Post gestern kam. Aber natürlich fehlt ja noch was. Richtig, die Kapsel zum Abfüllen. Im Internet stand, dass man sowas in jeder Apotheke bekommt. Ach was? Und was sagt man da? Es fühlte sich komisch an. Wie das erste Mal Kondome kaufen. In der Straßenbahn überlegte ich dann hin und her was ich denn dem Apotheker sagen sollte? In der Apotheke war zum Glück wenig los und ich erkundigte mich leise, ob man nicht auch leere Gel-Kapseln kaufen könne. Solche, die sich im Magen auflösen? Ich kam mir total blöd vor und malte mir aus wie der Apotheker im Kopf eins und eins zusammenzählen würde. Aber was sollte er denn machen? Soll er doch denken was er will!

Verdutzt guckt er mich an und fragt, ob ich Gelantine-Kapseln meine? Ach ja, Gelatine! Perfekt fürs Auflösen. Ich nicke und frage in welchen Größen es diese gibt. Er lächelt zurück und fragt wieviele ich denn brauche. Original seien es 1.200 Kapseln, aber er könne mir welche Abzählen. 1.200? Breit grinsend antworte ich, dass wohl 50 reichen sollten. Mit keinem Wort erkundigt er sich danach wofür ich die Kapseln denn brauchen würde. Er verschwindet und ich kommt mit einem großen Apotheker-Glas voller Kapseln zurück. Mühsam zählt er mit der Hand die Kapseln ab und verpackt sie in einem kleinen Papier-Tütchen. Als er gerade fertig wird und sich auf dem Weg zurück zur Theke macht, überlege ich ob ich gleich umfalle wenn er mir den Preis verrät. Am Ende kaufe ich zur Tarnung noch typisches Verbandsmaterial, was sowieso in jede gute Hausapotheke gehört. Unterm Strich kosten die Kapseln in Summe dann in etwa 1 Euro. Billiger als erwartet. Im Büro lege ich alles auf den Tisch und grinse in mich hinein. Was für ein Tag. Ein guter Tag und gute Laune. Das habe ich auch nötig.

Die Woche war hart, aber Freitag naht. Es klingt wie ein blöder Spruch, aber es ist mein Strohhalm in diese Tagen. Durch die Beförderung im Job bin sowohl mit den alten als auch immer neuen Themen beschäftigt. Und obwohl ich gern und viel arbeite, habe ich nun meine körperlich psychischen Grenzen kennengelernt. An manch einem Abend komme ich heim, setze mich und atme einfach tief durch. Innerlich ist mein Energie-Level null. Ich merke wie es an mir zehrt und ich sehe es auch tagsüber am Verlauf meiner Puls-Uhr am Handgelenk. Aber ich habe eine Strategie für die nächsten Wochen. Wird schon alles gut werden! Nun ist aber mal Freitag und ich freue mich auf den Abend.

Am Abend sitze ich wieder im Zimmer, die Waage vor mir, das Tütchen daneben und alles andere Zubehör gut vorbereitet. Meine kleine Drogenküche denke ich so bei mir. Von draußen scheint noch immer Sonne rein. Es ist herrlich, dass es wieder so lange draußen hell ist. Zur Waage gehört eine Pinzette und ein kleines Schälchen sowie ein 5g Metallgewicht. Ich stelle das Schälchen auf die Waage, drücke Tara und versuche sanft etwas vom Pulver reinzuschütten. Es scheint Feuchtigkeit anzuziehen und klebt etwas am Plastik der Tüte. Aber es gelingt mir einiges rauszubekommen und siehe da, auch einige Kristalle fallen raus. Also doch nicht nur Pulver, stelle ich erleichtert fest.

Natürlich habe ich keine Ahnung wieviel 100mg auf den ersten Blick sind. Jedenfalls sehen die Kapseln recht groß aus. Da gehen sicher 500mg rein. Als die Kristalle in das Schälchen klappern, springt die Waage schnell auf über 120mg. Sofort stoppe ich. Hmmm, was nun. Vorsichtig greife ich mit der Pinzette nach und nach unterschiedlich große Kristalle und versuche ein Gefühl für deren Gewicht zu bekommen. Schnell merke ich, dass ein einzelnes Kristall gut und gern 5mg oder deutlich mehr haben kann. Gut, dann muss ich nicht soviel wieder rausgeben.

Nun bleibt die Frage, ob ich die Kristalle so in die Kapsel gebe, oder ob ich sie zerreibe. Ich stelle mir vor, wie sie meine Magenschleimhaut angreifen und entscheide mich fürs zermahlen. Allein schon wegen der schnelleren Absorbierung. Super, dass das mit dem Metallgewicht als Stößel in der kleine Schale gut funktioniert. Nur das Umfüllen von der Schale in die Kapsel wird eine echte Herausforderung. Das Pulver haftet gut am Plastik und will einfach nicht leicht wie Salz dahin rinnen. Dann versuche ich es mit einem gefalteten Papier, aber auch dort rutscht es einfach nicht gut und der Eingang der Kapsel ist auch nicht gerade groß. Die Kapseln kann man übrigens leicht in zwei Teile zerlegen und muss sie nach dem Befüllen kräftig zusammendrücken, damit sie wirklich verschlossen sind.

Beim ersten Versuch landet das Pulver natürlich am Tisch. Mist! Und wieder kommt mir der Gedanke vom Drogen-Labor. Wenn mich jetzt wer sehen könnte. Auf einmal schreibt mir ein Freund. Es ist Freitag und ob ich heute was geplant hätte. Na klar hab ich das! Wir schreiben kurz hin und her und ich erzähle ihm von meiner Post. Auch schreiben wir über die kleinen grünen Biester von der letzten Woche. Er traut meinem Pulver nicht und so muss ich ihn erst aufklären, dass Ecstasy und MDMA das gleiche sind bzw. MDMA der eigentliche Wirkstoff ist. Er ist total amüsiert, aber freut sich auf den Abend.

Am Ende liegen 9 Pillen aufgereiht am Tisch und noch immer ist das Tütchen nicht leer. Gute Ware! Gemeinsam mit der Waage hatte ich kleine Plastik-Tütchen im 100er Pack bestellt. Diese haben sich auch so schon super für die Pillen bewährt, welche ich sonst beim Dealer kaufe. Ohne Schutz zerreiben die sich sonst leicht in der Hosentasche. Außerdem ist es einfach hygienischer. Nun sitze ich vor meinem Werk und überlege wieviele Pillen ich in jede Tüte reingebe. Eigentlich wäre das ja völlig egal. Aber das letzte Fortgehen ist noch immer in meinem Kopf. Im Rausch hatte ich zu viel nachgelegt und das wollte ich diesmal unbedingt vermeiden. Besser man hat nicht zu viel dabei. So kommt man nicht auf dumme Gedanken. Endlich ist mein Werk vollendet und es liegen vier Tütchen am Tisch. Drei mal 2 Kapseln und einmal drei Kapseln.

Da mein Kumpel dem Pulver nicht so wirklich trauen wollte, behielt er sich die Option vor vom Dealer noch eine normale Pille zu kaufen. Keine blöde Idee, dachte ich mir. Vielleicht gibt es ja wieder die grünen Biester, welche man sich ja ruhig auf Vorrat kaufen könnte. Immerhin waren die wirklich gut. Am Abend bin ich noch zu einer Veranstaltung unterwegs und so komme ich vorm Ausgehen nochmal kurz heim. Die Taschen voller Zeugs breche ich auf, um meinen Freund abzuholen. In der U-Bahn warne ich ihn noch vor der Polizei, welche hin und wieder am Weg zum Club steht. Und heute hatte ich eindeutig zu viel dabei. Es war zwar nur für uns bestimmt, aber erzähl das mal der Polizei? So überlegte ich mir einen Umweg, falls er denn nötig werden sollte. Schon wieder fühlte ich mich wie in einer absurden Realität.

Ich hätte meinem Freund auch leicht was abgeben können. Da er aber Ausländer im Land ist und zudem gern zu viel und zu schnell nimmt, wollte ich ihn beschützen und behielt alles bei mir. Er sollte seine Dosis heute kontrollierter nehmen! Zum Glück war heute keine Polizei weit und breit zu sehen. Am Weg kauften wir dann noch zwei Pillen. Für jeden eine. Leider waren es diesmal nicht die kleinen grünen. Am Ende des Abends nahm ich meine mit nach Hause und nach einiger Recherche stellte ich fest, dass sie durchaus auch recht stark sind. Guter Vorrat! Für heute Abend hatte ich zwei Tütchen mit je zwei Kapseln und meine kleine grüne Pille vom letzten Mal dabei. Das sollte ausreichen.

Weil heute großer Andrang angekündigt war, hatten wir uns recht früh auf den Weg gemacht. Mein Kumpel ist zudem wirklich super ungeduldig. So war der halbe Club noch nicht geöffnet, aber der andere Teil schon gut gefüllt. Kaum war später der Main-Floor geöffnet, wollte er gleich mit den Kapseln starten. Aber es war noch nicht einmal 1 Uhr. So konnte ich ihn zum Warten überreden. Aber man müsse doch die Wartezeit bis zur Wirkung berücksichtigen! Na und? Ich kenn mich schon zu gut aus und ich will den Rausch nicht zu früh verlieren. Und ewig nachlegen geht nicht.

Die Musik und die Lichteffekte waren auch so gut. Eine Weile genossen wir das Ambiente und noch bevor der Main-Gig auflegte, gab ich seinem Drängen nach und wir schluckten die erste Kapsel. Neuland! Jetzt heißt es warten. Und wieder hoffte ich, dass es kein Gift oder schlimmeres wäre. Tanzend vertrieben wir uns die Zeit und warteten innerlich darauf was passieren würde. Gespannt lauschte jeder in sich hinein. Ich wusste nicht wie schnell sich die Kapsel auflösen würde, vermutete aber weniger als 10min plus normaler Wirkungszeit.

So kam es dann auch. Nach etwa einer halben Stunde hatte ich das Gefühl es fange an zu kribbeln. Ich zog ihn zur Seite und fragte, ob er was merke. Er war sich nicht sicher. So tanzten wir weiter. Nach weiteren 15min kam der Effekt deutlich. Nicht zu stark, aber sehr angenehm und ich fühlte wie der Bewegungsdrang von mir Besitz ergriff. Ich wollte nicht gleich nachlegen sondern noch etwas den Aufbau der Wirkung abwarten. Immerhin war es Neuland für mich. Leider fühlte es sich nach einer halben Stunde so an, als würde die Wirkung nachlassen. Mittlerweile war auch bei ihm die Wirkung gut zu spüren und so schluckten wir die zweite Kapsel.

Ich kann mich nicht mehr erinnern wann und wie die Wirkung der zweiten Kapsel einsetze. Aber im Nachhinein betrachtet war die Wirkung total angenehm und klar. Bei weitem nicht so heftig, dass sie dich unkontrolliert überfährt, aber völlig ausreichend. In dem Moment fühlte es sich aber zu wenig an. Also warf sich mein Kumpel gleich die ganze frisch gekaufte Pille hinterher. Da war sie wieder, seine Ungeduld. Ich wollte es langsamer angehen und biss erstmal die Hälfte vom grünen Biest ab. Ich hatte Respekt vor der kleinen grünen Pille. Zudem war es noch recht früh - also irgendwann nach 2 Uhr - und ich wollte die negativen Effekte nicht provozieren.

Wie schon beim letzten Mal, konnte er mit der Wirkung dann nicht umgehen und verbrachte einiges an Pausen abseits der Tanzfläche. Wie damals in Amsterdam, als ich allein mit mir und meiner Welt auf der kalten Treppe saß, so saß er jetzt im Eck. Ich setzte mich hin und wieder zu ihm und wir lachten und plauderten. Aber letztendlich ging er irgendwann nach 4 Uhr nach Hause. Ich weiß nicht, ob er die Energie wieder nicht vertragen hatte, die Wirkung weg war oder ob ihm die Musik nicht gefiel.

Eigentlich war es eine gute Stimmung, aber der Beat war doch recht hart und monoton. So richtig super war es nicht. Aber gut genug um zu tanzen. Und ich sah einige bekannte Gesichter, mit denen ich jetzt auch schon befreundet war. Willkommen in der kleinen Familie. Es fühlte sich gut an. Da ich die Tage zuvor super guten Sex hatte, war ich heute nicht auf der Suche nach Kontakten. Natürlich tanzte ich dennoch den ein oder anderen an. Einer hatte es mir besonders angetan. Aber ich konnte seine Reaktion nicht ganz einordnen. Da er mit anderen Freunden und Mädels da war und mit einer auch küsste, fiel es mir umso schwerer. In einem Moment schien er mitzumachen und drauf zu warten, dass ich näher tanze. Im anderen Moment drehte er sich warnend um. Bis heute weiß ich nicht, ob es eine Warnung oder eher Neugierde war.

Jedenfalls tanzen alle munter bis in die Morgenstunden. Erst als die Musik um 6:30 Uhr abrupt endet, gehe auch ich langsam zur Garderobe. Hinter mir stehen zwei junge Typen, die mir schon vorher aufgefallen waren. Einer total fertig. Ein Speed-Opfer denke ich mir. Auf der Tanzfläche konnte man dem Verfall zusehen. Der andere total frisch und aufgedreht. Ich schaue ihm in die Augen und spreche ihn an, dass seine Pupillen ja auch gut weit geöffnet sind. Er lacht zurück und sagt, deine ja auch! Dann frage ich ihn was mit seiner Begleitung passiert sei. Was der genommen hat. Er meint, er habe die Nacht zuvor nur wenig geschlafen, sei das erste Mal auf einem Techno-Event und hat nur zuviel Alkohol erwischt. Na dafür hat er aber gut durchgehalten. Lustig plaudern wir zu dritt noch eine Weile. Beide sind noch keine 21 und können daher nicht auf alle Events. So erzählt er mir begeistert von jenen Events wo man schon ab 18 rein darf. Und man kennt sich. Ich sei ihm letztes Mal schon aufgefallen. Ich lache und erwidere, dass ich immer anzutreffen bin. Auch fragt er mich über Halluzinationen aus. Er hatte heute wohl seine ersten und ich bin natürlich dran interessiert, wie es ihm damit ergangen ist. Ich hatte heute keine groben Aussetzer, aber durch aus auch Momente wo ich das Gefühl hatte etwas oder eine Person wäre neben mir und im gleichen Moment dann doch nicht. Den gleichen Effekt beschrieb auch er.

Am Ende gehe ich im Sonnenschein gemütlich zur U-Bahn und verschlafe den halben Tag. Die Nebenwirkungen sind kaum spürbar. Ich schlafe viel, muss aber selten aufs WC und auch am zweiten Tag merke ich nur leichtes Kiefermahlen. Super angenehm. Dennoch frage ich mich was das Pulver nun wirklich war. Und so schreibe ich am Abend der Drogenberatung und frage um einen Termin an. Wenige Tage später habe ich mein erstes Beratungsgespräch. Eigentlich möchte ich nur eine Probe abgeben und das Pulver testen lassen. Aber ohne psychologisches Gespräch geht das nicht. Erst bin ich nervös. Gleich wie in der Apotheke beim Kaufen der Kapseln. Aber was soll’s?

Jedenfalls wird es ein sehr nettes informatives Gespräch. Wir reden über Anreise, Häufigkeit, analysieren die Effekte, welche ich scheinbar am meisten im Rausch genieße. Wir reden über Gay-Sex-Parties und andere Drogen. Wir reden darüber wie es sich anfühlt, wenn man auf einmal was nimmt, was man nicht erwartet und wir reden über harte Drogen. Am Ende bin ich sehr erleichtert, dass ich scheinbar nur der Party-Szene-Typ bin und mir bis jetzt alles andere nicht bringen würde. Ich fühle mich auf der sicheren Seite. Auch sind meine Recherchen zur Dosierung wohl richtig gewesen. Ich lerne noch etwas neues hinsichtlich Überdosierung. Diese gibt es in der Form so nicht. Natürlich ist es gefährlich und ab einer gewissen Menge auch tödlich. Aber es geht vielmehr um die positiven und negativen Effekte. Überschreitest du die 120mg Dosis setzen die Speed-ähnlichen Amphetamin-Effekte ein und die angenehmen Ecstasy-Wohlfühl-Effekt werden überspielt. Es ist also ein Balance-Akt, den ich sicher demnächst mal genauer erkunden werde.

Kommende Woche werde ich das Ergebnis der Probe wissen. Aber schon vorab erfahre ich, dass die Pillen meist gut dosiert sind und wenig Streckmittel enthalten und dass Crystals eigentlich immer das sind was sie vorgeben zu sein. Gute Vorzeichen also. Jetzt heißt es mal abwarten. Auf jeden Fall werde ich nächstes Mal aber die Anfangsdosis auf 200mg Pulver oder 2x 100mg Kapsel erhöhen.

Wien // Dosage Warning

Jetzt da ich berichte, ist eine Woche vergangen. Eigentlich bin ich zu müde, laufend über meine Erfahrungen zu schreiben. Vor allem, da die Abstände dazwischen immer kürzer werden und ich euch nicht mit den immer gleichen Geschichten langweilen möchte. Doch diesmal ist es eine Geschichte über das richtige Setting, über zu viel des Guten und das böse Erwachen danach. Dies ist eine Warnung! Ich hatte einen mega super schönen Abend, aber mit einem kleinen Schock-Erlebnis danach.

Seit meinem letzten Konsum waren etwas mehr als 1,5 Wochen vergangen und ich fühlte mich unglaublich stolz, dass ich mehr als eine Woche Party-Abstinent geblieben war. Interessant war, dass ich es auch nicht vermisst hatte. An dem Wochenende dazwischen war nicht viel los und ich war froh mal in Ruhe daheim zu sein. Dafür war die aktuelle Woche nun umso intensiver. Durch einen Wechsel auf Arbeit, bin ich in kurzer Zeit in eine höhere Position aufgestiegen. Nicht dass es mich nicht freuen würde, aber es traf mich völlig unvorbereitet und ich bin zudem noch in laufenden Projekten gefangen, die allein schon stressig genug sind. So blieb mir nichts anderes übrig, als bis auf weiteres mehr Last zu tragen und an Lösungen zu arbeiten.

Jedenfalls war ich beruflich wieder in München. Und diverse Eskalations-Meetings verheißen, wie der Name schon sagt, nichts Gutes. Also jeden Tag auf ein Worst-Case-Szenario vorbereitet sein und dazu abends mit Kollegen essen und trinken gehen. Da bleibt keine Zeit für dich selbst. Und natürlich musste ich mir an einem Abend auch noch ein Date aufreißen. So blieb dann auch von der Nacht nicht viel übrig. Cool war es dennoch. Als ich am Donnerstag wieder Richtung Wien fuhr, war ich körperlich schon mega geschlaucht. Mein Geist war leer und ich war ständig müde. Dennoch hatte ich eine Karte für ein Konzert am Donnerstag Abend und Freunde hatten sich angekündigt. Obwohl der Zug verspätet ankam, hetzte ich mit der U-Bahn zum Konzert und kam genau richtig zum Main-Gig. Ich war wieder zu Hause, unter Freunden. Doch innerlich war ich einfach nur müde, schlapp und ausgelaugt. Und der Terminplan für Freitag sollte nicht besser aussehen.

Zum Glück kann man sich ja auf Freitag Abend freuen. Die Freunde vom Konzert waren noch in der Stadt und so planten wir am Freitag gemeinsam auf eine Gay-Party zu gehen. Ein weiterer Freund hatte sich noch für später angekündigt. Leider konnte er nicht schon früher zu uns stoßen. Jedenfalls baute sich der Abend schon langsam mit dem Ende der Arbeit auf. Gemeinsam mit anderen Freunden gingen wir etwas essen; danach zur Eröffnung der Wiener Festwochen; dann gemütlich in einen Pub und am Ende dann als kleinere Gruppe weiter zur Party. An diesem Abend gab es wieder ein Überangebot an Parties. Aber zum Glück entschieden wir uns für die richtige.

Am Weg von der U-Bahn zur Location deutete ich meinen Freunden an schonmal reinzugehen, da ich noch was kaufen wollte. Da sie mich schon wirklich sehr gut kennen, fragte niemand blöd. Beim erst besten Dealer hatte ich Glück. Ich begleitete ihn ein paar Meter bis zu seinem Versteck und kaufte gleich 4 grüne Pillen zum Preis von 3, also 30 Euro. Die Pillen waren sehr klein, grün und in Diamant-Form mit Diamant-Prägung oben drauf. Meiner Erfahrung nach sind die kleinen Pillen oft viel stärker und treffen dich gemeiner als die Großen, die oft nur zerbröseln und wahrscheinlich stark gestreckt sind. Ich sollte recht behalten, denn wir nennen die kleinen nur noch die grünen Biester.

Eigentlich hatte ich soviel gekauft, damit ich einen Vorrat habe, falls einer meiner Freunde noch was nehmen möchte. Aber am Ende des Abends war ich der einzige, der sich was eingeworfen hatte. Aber auch ich hatte eine Weile gewartet. Das Publikum war super, die Musik auch. Aber die Bewegung zur Musik wollte sich nicht so richtig einstellen. Also sagte ich einem Freund, dass ich was nehme und fing mit einer halben Pille an. Nach etwa 30min setzte der Effekt ein. Für eine halbe Pille unglaublich stark und so legte ich sofort die zweite Hälfte nach. Ich wollte kein Down zwischen den Einnahmen. Am nächsten Tag hab ich mir natürlich wieder meine Puls-Kurve angeschaut und tatsächlich war die Einnahme gut abgestimmt. Die zwei Hälften hatten mich recht fix hintereinander auf einen Puls von 125 gepushed und von dort ging es über den Abend und die Stunden nur langsam bergab. Ein konstantes Hoch für die ganze Nacht.

Entgegen meines normalem asozialen Verhaltens, verblieb ich diesmal oft in der Nähe meiner Freunde. Wir tanzten gemeinsam und ihr Streicheln tat mir in meinem Rausch einfach gut. Nach einer Weile blickte ich wieder jemanden in die Augen, wie man das beim gemeinsamen Tanzen immer so macht. Auf einmal dreht er sich vollends zu mir und wir tanzen auf einander zu und vereinigen uns küssend in der Menge. Es war wunderschön, aber ich wollte nur tanzen. Also lies ich ihn nach einer Weile links liegen und tanzte weiter mit meinen Freunden.

Ab hier fängt die Warnung an. Denn es geht ums Nachlegen. In vielen Internet-Quellen wird davon abgeraten. Es wird eher eine hohe Anfangsdosis angeraten und dann, wenn überhaupt, nach 2 bis 3 Stunden ein Nachlegen einer maximal halb so starken Dosis. Meine Erfahrung ist, dass ich meist ein oder zwei Stunden nach der Erstdosis die gleiche hohe Dosis nochmal nachlege, die mich dann durch die Nacht trägt. Aber eben auch zu den unerwünschten Nebenwirkungen führt. Weiterhin wird beschrieben, dass man im Rausch oft die Dosis falsch einschätzt. Und genau so ist es mir nun schon mehrfach ergangen und diesmal ganz besonders. Das Problem ist der initiale Kick, egal ob von der ersten oder zweiten Hälfte. Dieser Kick kündigt sich anfangs durch Kribbeln und diverse andere körperliche Vorboten an. Aber wenn der Kick erstmal da ist, verspürst du pure Energie und absoluten Bewegungsdrang. Bei mir hält dieser Kick je nach Pille und Setting von 10 Minuten bis zu einer Stunde an. In der Regel aber eher nur 30 Minuten. Da diesmal der ganze Tag und das Setting einfach wunderschön waren, hatten die beiden ersten Hälften schon eine gute Wirkung erzielt.

Dennoch griff ich ganz automatisch beim Tanzen mit den Fingern in die Geldtasche meiner Hose und fischte zwischen den Pillen herum. Irgendwann zuvor hatte ich eine dritte Hälfte eingeworfen und wollte jetzt nur noch die vierte Hälfte nachlegen. Allein das wäre eigentlich nicht nötig gewesen, da ich wirklich gut drauf war. Aber man denkt einfach nicht nach, sondern legt nach, weil man ja noch was dabei hat. Wenig später kickte es mich dann ganz aus. Ich war euphorisch, genoss die Musik und lies mich treiben. Auf einmal erkenne ich einen Bekannten, wie er beobachtend um mich herumschleicht. Total perplex spreche ich ihn an und wir tanzen gemeinsam. Durch meine schnellen Bewegungen kann ich mich kaum kontrollieren und haue ihm aus versehen einige male mit dem Ellbogen ins Gesicht.

Er ist ebenfalls high, aber wie sich später herausstellt nur auf einer halben Tablette. Immerhin ist er vorsichtig. Er versucht mich an den Rand der Tanzfläche zu drängen, wo wir ungestört im Dunkeln tanzen. Wir beginnen zu fummeln und küssen. Er hat eindeutig mehr vor. Aber bei mir setzt gerade die Wirkung vom Nachlegen ein und ich kann mich nicht beherrschen. Ich will tanzen und nicht hier am Rand mit ihm rummachen. Ich will in die Mitte der Tanzfläche und mich treiben lassen. Als ich mich bei ihm entschuldige und mich auf meinen Rausch ausrede, fragt er mich wie viel ich genommen hab. Entgeistert schaut er mich an und lässt mich ziehen. Nach dieser Nacht hat er lange kein Wort mehr mit mir geredet. Erst einige Monate später sind wir wieder regelmässig in Kontakt. Auch außerhalb des Clubs.

Meine Freunde haben die Party irgendwann gegen 4 Uhr verlassen, aber ich blieb bis weit nach 6 Uhr. Die Nacht war wunderschön und mein Rausch ultra. Gut gelaunt komme ich daheim an. Mein Bett hatte ich meinen Freunden überlassen, und so haben sie für mich Couch hergerichtet. So schlafe ich seelenruhig ein und wir verbringen alle gemeinsam einen super Tag. Der typische Hangover oder Depri-Tag stellt sich auch diesmal weder am Samstag noch am Sonntag ein. Einzig die typischen Kieferschmerzen begleiten mich am zweiten Tag. Nicht schlimm, aber dennoch ertappe ich mich hin und wieder wie ich sanft meine Kiefermuskeln massiere. Einer meiner Freunde bekommt dies mit und grinst mich an.

Was aber beunruhigend ist die Langzeitwirkung. Wie beim letzten Mal merke ich, dass eine Restwirkung noch bis etwa 18 Uhr am Folgetag zu spüren ist. Ein leichtes Kribbeln, sehr gute Laune und hin und wieder ein leichtes Frösteln. Man merkt es insbesondere auf der Haut. Man ist insgesamt sehr sensitiv und fühlt sich einfach herrlich. Dennoch ist die Wirkung eindeutig zu lange. Zudem schaue ich beim Frühstück in meiner Tasche was noch von den Pillen noch übrig ist. Entsetzt merke ich, dass von den ursprünglich vier Pillen nur noch eine Ganze und ein kläglicher Rest einer anderen übrig ist. Also habe ich im Rausch statt der zweiten Hälfte der zweiten Tablette aus Versehen eine ganze erwischt und im Ganzen geschluckt. In Summe also 2,5 Pillen was dann auch den super lang anhaltenden Rausch erklärt. Zum Glück hatte ich keine Nebenwirkungen wie Halluzinationen, aber dennoch war ich zwischendurch wieder einige Moment geistig total abwesend. Dadurch war mir schon klar geworden, dass die Dosis hoch war. Ebenso beunruhigend ist, dass meine Freunde merken, dass ich zu oft high bin. Sie raten mir zu kleineren Dosen bzw. längeren Pausen. Zudem merke ich, dass ich mich jedes Wochenende viel mehr auf die nächste Party freue als auf Aktivitäten draußen in der Natur. Die psychische Abhängigkeit manifestiert sich.

Der Gedanke der Dosis lies mir das ganze Wochenende keine Ruhe. Der Abend war zwar schön, aber es fühlte sich dennoch zu viel an. Am Sonntag Abend sitze ich daher vorm Computer und durchsuche diverse Online-Ratgeber zwecks empfohlener Dosis. Die Dosis mit dem gesundheitlich geringsten Risiko ist für Männern 1,5mg/kg Körpergewicht oder in etwa 150mg (meist 1 Pille) angegeben. Nun weiß ich aber, dass viele 2 oder gar 3 Pillen nehmen und so lese ich auch über Todesfälle oder Komplikationen, welche wohl erst bei 700mg Einnahme entstehen. Viele Partygänger nehmen wohl üblicherweise 400mg, was entgegen der ärztlichen Empfehlung schon zu viel ist.

Nach einer Weile lande ich auf Seiten der Drogen Info Wien sowie diversen Schweizer und Amerikanischen Websites. Bei vielen Beratungsstellen kann man Proben zur chemischen Analyse abgeben. So entstehen regelmässige Drogen-Berichte und Warnungen über Tabletten und deren teils zu hoher Dosierung. Ich suche und finde erst nach einer Stunde eine Pille, die meinen grünen Biestern ähnlich sieht. Die Angabe besagt 220mg MDMA pro Pille. Angesichts meiner 2.5 Pillen bin ich schockiert und suche meine Milligramm-Waage. Ich lege die Pille drauf, rechne das Gewicht hoch und merke, dass ich in reiner Pillenform inklusive sonstiger Bestandteile über 700mg und laut der Angabe auf der Website also gute 450mg reines MDMA zu mir genommen habe. Aber wieso hatte ich dann nicht mehr Nebenwirkungen?

Ich hadere mit mir selbst. Es kann doch nicht ernsthaft so viel gewesen sein? Noch immer entsetzt gehe ich zum Wäschekorb und suche die Hose vom Fortgehen. In der kleinen Tasche erkenne ich, dass sich die Pillen teilweise zerrieben haben. Die ganze Tasche ist voller leuchtend grünem Pulver. Also gehe ich in die Küche und kratze das grüne Pulver aus der Hose, schiebe es sorgsam zusammen und gebe es auf die kleine Waage. Weitere 60mg habe ich angefunden. Aber es ändert nicht viel an meiner tatsächlich konsumierten Dosis. Diese Wahrheit muss ich mir letztendlich einfach eingestehen.

Später am Abend schreibe ich mit einem Freund, der ebenfalls auf der Party war. Er hatte wohl eine ganze Pille auf einmal genommen und sie nicht gut vertragen. Er verbrachte mehr Zeit draußen an der frischen Luft als drinnen am Dance-Floor. Während wir am Abend schreiben, kommen wir drauf, dass er ebenfalls die kleinen grünen Biester gekauft hatte. Und davon nicht nur eine, sondern gleich 1,5 auf einmal genommen hatte, da sie ja so klein waren. Kein Wunder, dass es ihn dann direkt ausgehangen hat.

Wien // die Abhängigkeit

Heute ist Samstag, der 4. Mai und ich blicke zurück auf die Woche. Eine Woche im Höhenflug. Mein Leben läuft auf der Überholspur. Nein, nicht wegen Drogen, sondern weil es beruflich und privat gerade super läuft und meine innere Einstellung wunderbar dazu passt. Allein das würde eine ganze Geschichte füllen. Aber darüber möchte ich nicht schreiben. Stattdessen über den 1. Mai, als ich morgens heimgegangen bin und fast in Tränen ausgebrochen bin. Ich musste mir eingestehen, dass ich süchtig bin. Nicht mehr und nicht weniger als ein Junkie.

Nicht körperlich abhängig, aber sehr wohl süchtig nach Party und guter Laune. Die Beratungsstellen nennen das psychische Abhängigkeit. Dieses Eingeständnis lies mich für einen Moment verzweifeln und beinahe wäre ich heulend auf der Straße zusammengebrochen. Die ganze Woche über geistert der Gedanken nun schon in meinem Kopf herum und ich versuche mir Strategien zur Bekämpfung oder zumindest für den Umgang mit der Sucht zurecht zu legen. Ich möchte nicht aufhören, aber ich möchte es mehr kontrollieren und die Anzahl der Erlebnisse zurückfahren. Dazu gehört auch, dass ich heute nicht fortgehe. Bis jetzt hatte ich auch nicht den Gedanken dazu. Dennoch erwische ich mich, wie der Gedanke leicht in mir wäschst, sofern ich online den Hinweis auf einen guten Gig lese. Also schnell weg mit dem Gedanken.

Mittwoch war Feiertag und natürlich gab es am Dienstag wieder einiges zum fortgehen. Montag und Dienstag war ich beruflich im Ausland und so war ich Dienstag Abend zu Hause ganz leer im Kopf und wollte am Mittwoch nur entspannen und mir nichts vornehmen. Eigentlich war ich ja erst am Samstag unterwegs, aber nun war wieder ein Gig angesagt, wo einer der DJ’s vom Samstag auflegt. Wieder ein Gay-Event und noch dazu in einer Location, die ich noch nicht kannte. Natürlich konnte ich nicht widerstehen. Dennoch nahm ich mir vor es ruhiger anzugehen und nicht den Mittwoch zu verschlafen.

Wie bereits berichtet, halten sich die Nebenwirkungen stark in Grenzen. Dennoch verschlafe ich gut und gern den halben Tag. Der Vormittag im Bett verläuft zwar schlafend, aber unruhig, da die Wirkung vom Ecstasy natürlich noch im Blut ist. Erst gegen Mittag verfällt man dann in einen wirklich guten Schlaf und so vergeht die Zeit leicht bis 15 Uhr. Auch wenn ich für Mittwoch nichts vor hatte, so wollte ich diesmal spätestens zu Mittag aufstehen.

Vom Samstag hatte ich noch eine 3/4 Pille übrig. So machte ich mich kurz nach Mitternacht auf den Weg zum Club. Wie erwartet viel zu früh. Im Club war fast nichts los, aber dafür diesmal wirklich ältere Gays, die nur am Rande stehen und andere begutachten. Kein gutes Setting. Dafür legt der DJ wirklich gut auf. Ich kaufe mir ein Bier, setze mich und schaue mir den Club in Ruhe an. Nach einer Weile stehe ich am Rande der Tanzfläche und wippe zur Musik. Der DJ wird immer besser und so langsam füllt sich der Club.

Zwischen halb zwei und 2 Uhr fange ich an zu überlegen wie der Abend weitergehen soll. Die Musik gefällt mir richtig gut und ich bewege mich auch jetzt schon gut zum Beat. Aber der Main-Gig bereitet sich schon vor und so rechne ich im Kopf schon wieder die Zeiten zwischen Einnahme und Wirkung durch. 2:30 Uhr ist das Target. Viel später will ich nicht und viel früher auch nicht. Ich habe nur die 3/4 Pille und will mit der über die Nacht kommen. Draußen vor dem Club habe ich auch keine Dealer entdecken können.

Interessiert beobachte ich die Menge. Bisher scheinen alle eher mit Alkohol unterwegs zu sein. Lediglich zwei Typen in der ersten Reihe wirken etwas aufgedreht. Eine Gruppe von drei jungen feschen Gays erweckt doch langsam den Eindruck als hätten sie was eingenommen. Sie werden immer mehr touchy und berühren sich gegenseitig oder sich selbst. Klares Anzeichen für die emphatische Wirkung! Ich stehe weiter am Rand zwischen Tanzfläche und dem Weg zum Klo und tanze kräftig mit. Plötzlich fragt mich ein älterer Typ irgendwas. Ich muss dreimal nachfragen, bis ich verstehe was er von mir will. Er fragt mich doch tatsächlich, ob ich Speed verkaufe. Lachend weise ich ihn ab. Aber immerhin sind hier wohl auch Drogen im Umlauf. Von wegen nur Alkohol.

Da durch Ecstasy der Harndrang unterdrückt wird und man trotz des vielen Wasser trinkens nicht aufs Klo muss, gehe ich vorsorglich vorher einige Male. Nachdem ich mir die Hände gewaschen hab, nehme ich mein kleines Tütchen aus der Hose, fummle die 3/4 Pille heraus und nehme sie im Ganzen. Ich möchte testen, ob der Energierausch stärker und die Langzeitwirkung anders ist, als wenn ich die Pille in halben Teilen nehme. Gerade wird ein Typ mit Pinkeln fertig und sieht mich am Waschbecken. Mir ist es völlig egal und auch er verzieht mit keiner Miene das Gesicht. Einige Minuten stehe ich am Rand der Tanzfläche, bevor ich nach und nach in die Meute werfe. Der Abend ist schon jetzt lustig, da der Club recht cool ist und ich einen Gay getroffen habe, den ich bisher nur beruflich kannte und nicht wusste, dass er überhaupt Gay ist. Die Welt ist halt doch sehr klein und wir gehören alle dazu.

Gespannt achte ich auf meinen Körper und tatsächlich kann ich alle Phasen der einsetzenden Wirkung bis ins Detail fühlen und auseinander halten. Nach 10min merke ich kurz ein flaues Gefühl im Magen. Die Pille scheint sich aufzulösen. Nach weiteren 5min fühle ich ein leichtes Kribbeln auf der Haut und die Härchen stellen sich auf. Es beginnt ins Blut überzugehen. Als nächstes klärt sich der Blick und vermutlich reißen die Pupillen weit auf. Ich liebe diesen Effekt, aber meist nehme ich ihn nicht mehr so klar und auffällig wahr, wie noch zu Weihnachten. Innerhalb der nächsten 10min fühle ich die erste Energie. Ich gehe weiter vor auf die Tanzfläche, bewege mich leichter und warte auf den richtigen Energieschub. Seit der Einnahme der Tablette sind gute 35min vergangen und erst jetzt setzt die Wirkung ein. Der Main-Gig hat angefangen und die Musik ist ungleich härter. Die Menge dreht so richtig auf und ich gehe mit.

Da ich doch recht viel auf einmal genommen habe, erwarte ich einen starken Schub, auf dem ich hoffentlich eine Weile schwebe. Ja, es durchfährt mich Energie, aber bei weitem nicht so unerwartet und durchflutend wie sonst. Dennoch gebe ich Gas und lasse mich von der Stimmung tragen. Nach guten 10min lässt die Wirkung schlagartig nach. Ungläubig schaue ich auf die Uhr. Es sind tatsächlich nur 5 bis 10min vergangen. WTF! Das kann nicht sein! Ich tanze weiter und hoffe auf eine weitere Wirkung. Aber sie bleibt aus. Obwohl der Energieschub ein plötzlicher Moment ist, setzt Ecstasy doch über einen längeren Zeitraum von ein bis zwei Stunden diverse Effekte frei. Auch wenn man diese nicht unbedingt bewusst wahrnimmt, sie sind da und nicht zu unterschätzen. Aber auch ohne Kick ist man dennoch munter und schwebt nicht umsonst unbeschwert bis morgens durch die Nacht.

Dennoch bin ich total perplex und fasse es einfach nicht. So war die Nacht nicht geplant. Ich wollte unbedingt den starken Energieschub und das unglaubliche Gefühl der ersten halben Stunde. Aber es ist nicht mehr da. So stehe ich abseits im Vorraum zu den WC’s und gönne mir eine Pause. Im Augenwinkel sehe ich wie ein Typ einen anderen was fragt. Dieser verschwindet am WC und sperrt sich ein, obwohl er gerade kurz zuvor genau aus dem selben WC herausgekommen ist. Ich vermute, dass er dort ein Päcken Drogen versteckt hat. Unerwartet habe ich wohl einen Dealer ausgemacht. Schon komisch wie man anfängt die Leute genau einzuschätzen. Während er noch im WC ist, frage ich den anderen, ob er bei ihm was bestellt hat und er was verkauft. Er schaut mich komisch an und so wiederhole ich meine Frage. Er verneint und fragt mich im Gegenzug ob ich denn was suche bzw. was ich brauche. Ich erwidere, dass ich eine Ecstasy kaufen würde. Er gibt mir zu verstehen hier zu warten. Er kenne da wen und komme dann gleich zurück.

Soviel zu meinem guten Vorsatz für heute Nacht. Von wegen die eine 3/4 Pille wäre genug. Er kommt wieder und meint, er habe eine Pille in der einen Hand und will das Geld in die andere Hand. Da ich nur 20 Euro Scheine habe und er nicht wechseln kann, muss ich kurz zur Bar und Geld wechseln. Insgeheim frage ich mich, ob die nicht 1 und 1 zusammenzählen können. Aber niemand stellt dumme Frage. So bin ich schnell zurück und der Handel ist perfekt. Der Dealer gibt mir noch den freundlichen Rat vorsichtig zu sein und mit einer halben Pille zu starten. Ich frage zurück, ob die Pille stärker sei. Er nickt und rät mir nochmals zur Vorsicht. Ich bin von soviel Fürsorglichkeit gerührt und halte mich an seinen Rat. Später am Abend sehe ich ihn auf der Tanzfläche, selbst im Rausch, aber nicht in einem Speed-ähnlichen Zustand. Er hat sich gut unter Kontrolle.

Die Pille ist zumindest etwas größer als die anderen. Ich beiße eine gute Hälfte ab und schon bin ich wieder auf der Tanzfläche. Nach etwa einer halben Stunde merke ich wieder etwas Energie. Aber ich merke nichts von einer starken Pille. Der Effekt ist gering. So warte ich weiter und hoffe ein verspätetes Einsetzen. Nach über einer Stunde fühle ich noch immer nicht sonderlich mehr. Es ist in etwa 3:30 Uhr und nun nehme die zweite Hälfte. Okay, es war eventuell keine ganze Hälfte mehr. In meiner Hosentasche war sie zerbröselt. Wie alle größeren Pillen war sie wohl nicht sonderlich stabil. So kratze ich die Reste zusammen und nehme sie mit einem Schluck Wasser. Da stehe ich nun. In mir eine ganze Pille, vor deren Wirkung ich gewarnt wurde und dazu die 3/4 Pille, welche ich selbst dabei hatte. Und wieder kommt kein Energieschub. Innerlich bin ich genervt und muss mir eingestehen, dass mein Körper eine Resistenz aufgebaut hat.

Natürlich bin ich dennoch hellwach und die Musik ist unglaublich gut. Ganz anders als am Samstag und bei weitem nicht so monoton. Natürlich fange ich auch wieder an Typen zu berühren. Und obwohl es ein Gay-Event ist, erwische ich natürlich Hetero-Typen. Aber alle sind in guter Stimmung und so verfliegt die Nacht. Über der Tanzfläche sind große Fensterflächen nach draußen und ab 5 Uhr wird es schon recht hell im Club. Aber niemand lässt sich ablenken. Die Musik ist einfach zu gut. Pünktlich um 6 Uhr ist die Party dann vorbei. Das Security-Personal war schon vorab beim DJ. Scheinbar haben sie hier strikte Auflagen. Er spielt die letzte Nummer, dann geht das Licht an und die Musik aus. Alle stehen ruhig auf der Tanzfläche und werden nach und nach bedrängt heimzugehen.

Vor der Tür spricht mich noch jemand an, ob ich jetzt allein heimgehe. Ich bin mir nicht sicher, ob er sich über mich lustig macht, da ich allein auf Partys gehe, oder ob er mich gerade anmachen will. Ich frage zurück, ob die Party denn noch irgendwo weitergehe. Sie wollen wohl noch runter an die Donau und später woanders hin. Da aber nur heute Feiertag ist und ich zudem nicht den ganzen Tag verschlafen möchte, lehne ich dankend ab und antworte, dass für mich die Party heute vorbei sei. Gute Nacht.

Meine Pupillen sind wieder geweitet, aber ich fühle mich gut. Ich habe wieder gut geschwitzt und schmecke das Salz auf meinen Lippen. Ohne Duschen geht es diesmal nicht ins Bett. Gegen Mittag schreibt mir ein Freund was ich heute mache und ob ich wieder auf Party war. Auf dem Weg nach Hause musste ich mir ja schon eingestehen, dass ich wieder eine Nacht mit Drogen und Party verbracht habe und dass ich doch irgendwie süchtig danach bin und wie armselig das im Grunde doch ist. Und nun fragt er mich auch noch direkt danach. Ich schäme mich und umgehe die Antwort. Stattdessen schreibe ich, dass ich heute nichts vor hab und lege mich wieder schlafen.

Um 14 Uhr klingelt der Wecker und mir geht es hervorragend. Mein Freund hat wieder geschrieben und fragt, ob ich Lust habe mit ihm und seinem Freund Eis essen zu gehen und den Nachmittag zu verbringen. Heute ist es unerwartet schön und so sage ich sofort zu, trinke meinen Kaffee und mache mich auf den Weg. Der restliche Tag ist wunderschön und der Abend ebenso. Wie schon gesagt, ich lebe auf der Überholspur. Beruflich läuft es bestens. Ich habe super nette Menschen kennengelernt und habe obendrein den besten Sex meines Lebens. Dennoch ist an diesem Nachmittag irgendwas anders. Ich rede mit meinen Freunden über die Nacht und gestehe, dass ich eine Grenze überschritten habe, welche ich in den Griff bekommen muss. Wir reden viel über die Wirkung und Nebenwirkungen.

Wer den Effekt nicht kennt, versteht es nicht. Was man sich unter einem Rausch vorstellt ist was ganz anderes. Diesen Rausch gibt es in der Form nicht. Vielmehr ist es eine Summe diverser Effekte. Jedenfalls scheint das Ecstasy noch immer in meinem Blut zu sein. Hin und wieder läuft mir ein Kribbeln über die Haut. Ich fühle, dass ich irgendwie aufgedreht bin und fürchte, dass man es mir anmerkt. Ich bin super gut gelaunt und rede die ganze Zeit über Gott und die Welt. Ich genieße den schönen Tag in vollen Zügen. Zudem ist mein Kalt-Wärme-Empfinden anders. Manchmal fröstelt es mich leicht, aber es fühlt sich total angenehm an. Es ist noch da! Es ist noch in immer in mir. Scheinbar war es doch eine starke Pille, nur blockt mein Körper die positiven Effekte in der Nacht. Erst gegen 17 Uhr merke ich wie die Wirkung aufhört. Das Coming-Down setzt ein. Das Frösteln fühlt sich nun doch kalt an und ich bin nicht mehr so aufgedreht. Die depressiven Effekte bleiben aber wieder aus und kommen auch an den nächsten Tage nicht. Gott sei Dank!

Später synchronisiere ich meine Puls-Uhr mit meinem Handy und werfe einen Blick auf den Verlauf in der Nacht. Ich weiß noch genau wann ich was eingeworfen habe und wann welche Wirkung eingesetzt hab. Ich zoome hinein und tatsächlich - wie ein Arzt kann ich auf der Kurve alles genau nachvollziehen. Angefangen vom ersten leichten Kribbeln bis zur vollen Wirkung. Ebenso den Effekt der zweiten Pille.

Mein Ruhepuls liegt bei etwa 50 Schlägen pro Minute. Wenn ich mich bewege geht er auf 80 bis 100 rauf. Die ersten zwei Stunden im Club erkennt man deutlich an der Kurve, welche konstant bei 80 pendelt. Die ersten 10min des Kribbeln und Einsetzens der Wirkung erkennt man an einer leicht erhöhte Kurve bei 85. Danach hebt mich die Pille auf 90 bis 100. Weit weg von einem Rausch. Wenn man so richtig high ist, verläuft der Puls in der Regel bei über 130 bis 160 am Rande des roten Bereichs. Aber der Effekt der Klarheit und Energie ist dennoch da und sehr konstant. Aber erst die zweite Pille bzw. deren erste Hälfte hebt mich näher Richtung Rausch. Der Puls steigt um weitere 20 Schläge in die Region um 130 und verbleibt dort. Die Wirkung der ersten Pille zeigte sich zuvor schon konstant. Sie hätte mich also doch durch die Nacht getragen. Auch die zweite Hälfte der zweiten Pille erkennt man deutlich. Der Puls macht nochmal einen kleinen Sprung auf 140.

Selbst am Nachmittag pendelt der Puls noch zwischen 100 und 130 bis er sich weit nach 17 Uhr normalisiert. Also war mein Gefühl doch richtig und die Wirkung war den ganzen Tag über in meinem Blut. In der Party-Nacht passt die Kurve der Bewegung wunderbar zur Puls-Kurve. Mit dem Einsetzen der Wirkung jeder Pille bzw. jeder weiteren Hälfte steigt der Bewegungsdrang sprunghaft an und lässt mich für 45 bis 60min wild tanzen bis es sich dann für eine weitere Stunde trägt. Jedes Nachlegen vervielfältigt diesen Effekt. Die erste Phase des Bewegungsdrangs erscheint immer gleich lang, aber die zweite Phase danach wird mit jeder Dosis länger. Es zeigt sich also gut, dass die Wirkung durchaus nach und nach freigesetzt wird und man nicht zu viel nachlegen sollte. Immerhin hätte es mich heute ja locker bis 17 Uhr getragen.

Einen ähnlichen Effekt erkenne ich nun nachträglich auch an den Kurven für letzten Samstag. Nur hatte ich hier in kleineren Dosen nachgelegt, so dass der Bewegungsdrang und die Phase danach weniger deutlich ausgeprägt sind. Dafür ist der Puls konstant höher bei 140 und mehr. Auch hier erkenne ich deutlich das langsame Einsetzen der ersten Effekte bevor Puls und Bewegung in die Höhe schnellen. Auch erkenne ich deutlich das Nachlegen und stets davor das Tief in der Bewegungskurve, also das Coming-Down. Es deckt sich fast auf die Minute mit meinem Bericht. Beim Nachlegen sieht man zudem, dass der Puls in etwa 30min vor Einsetzen des vollen Bewegungsdrangs bereits aufs nächst höhere Level schnellt. Und ebenfalls trägt mich dort das letzte Nachlegen am längsten. Wohl auch deshalb, weil ich absichtlich nicht mehr nachlege und der Wirkung somit genügend Raum gebe. Der Puls bleibt auch hier am Nachmittag bis weit nach 15 Uhr erhöht und wird durch meinen Jogging-Ausflug noch weit in den roten Bereich getrieben. Kein Wunder, dass ich mich leichtfüssig und doch gedopt gefühlt hatte.

Interessiert vergleiche ist es mit der Nacht vom 19. auf den 20. April wo ich statt Hälften nur Viertel zum Nachlegen genommen habe. Auch hier erkennt man das erste langsame Einsetzen sowie den Bewegungsdrang. Aber das Nachlegen ist nicht mehr deutlich erkennbar. Stattdessen bleibt der Puls die ganze Nacht über konstant und der Bewegungsdrang auf einem guten Mittel. Das Nachlassen meiner Laune als ich mich dann fürs Heimgehen entschieden habe, ist ebenso deutlich nachvollziehbar. Der hohe Puls ist hier bis 14 Uhr nachmittags zu sehen.

Allen Kurven ist gemein, dass der richtige Rausch, der dich durch die Nacht trägt, erst bei einem Puls von etwa 130 anfängt und es bei über 140 und einer lang anhaltenden Wirkung von weit über 2 Stunden dann zu Halluzinationen, Gedankenabrissen und Erschöpfung kommt. Interessant wie gut man die Wirkung einschätzen lernt. Jetzt muss ich nur noch lernen mit meiner Sucht umzugehen. Blöd nur, dass ein Freund gerade in Amsterdam ist und mir parallel schreibt, dass er heute Abend auf Tour geht und es dort so gute und billige Pillen gibt. Gemeinsam scherzen wir, ob und wir er diese am Rückflug mitbringen kann oder wie wir sie alternativ bekommen. Aber nun ist Schluss! Und heute gehe ich nicht fort!

Wien // Schlechte Musik ist kein guter Ratgeber

Nur eine Woche ist vergangen und ich bin schon wieder in Party-Laune. Ein gutes Event ist angesagt. Da ich nicht in der Warteschlange stehen möchte, versuch ich online noch schnell ein Ticket zu kaufen - ausverkauft?! Plötzlich zeigt mein Handy aus dem Apple iOS Wallet ein Ticket für heute Abend an. Ich bin verwundert und denke erst an einen Fehler auf der Website, wo doch die Tickets ausverkauft waren. Mehrmals checke ich das Datum um einen Irrtum auszuschließen. Aber es scheint zu stimmen und so freue mich noch immer über den technischen Defekt. Bis es mir in den Kopf schießt, dass ich das Ticket bereits vor Wochen, lange vor meinem Urlaub gekauft hatte. Shit, mein Gedächtnis leidet.

Jedenfalls hatte ich einen super Tag. Sehr entspannt und zudem noch jemand super liebes kennengelernt und den Nachmittag mit ihm verbracht. Den Abend genieße ich für mich allein und schlafe noch gute 2 Stunden auf der Couch im Halbdunkeln. Die heutige Veranstaltung ist immer gut besucht. So wird empfohlen, vor 0:30 Uhr anzukommen. Eigentlich echt früh, aber auch ich versuche mich dran zu halten. Diesmal ist auch keine Polizei vor Ort. Ich kaufe zwei Pillen von einem Dealer. Er guckt mich an und fragt, ob ich „the Police“ bin. Ich antworte: „No, I’m a consumer“. Im weiteren Umkreis sehe ich mehrere Gruppen von Freunden, die auch alle brav eingekauft haben. Mittlerweile fühle ich mich als Extasy Kunde richtig old-school, da man überall nur Leute auf Speed, Mephedron oder Koks sieht.

Beim letzten Event war mir wieder ein Typ aufgefallen, der anfangs total normal und unschuldig auf der Tanzfläche war. Jemand vom Dorf, den man nichtmal der Großstadt zuordnen würde. Über den Abend haben er und seine Freunde dann immer wieder kleine Päcken zwischen Lippen und Zähne geschoben. Ich nehme an, dass es Mephedron Päcken sind, die sich auflösen. Jedenfalls sah er später gar nicht mehr gut aus. Die Augen geweitet und ohne Fixpunkt in der Gegend umherschauend. Seine Bewegungen war so langsam und unkoordiniert als würde er gleich umfallen. Immer wieder rennt er gegen Menschen und ich überlege kurz, ob ich Hilfe holen soll.

Jedenfalls ist es tatsächlich schon gut voll und ich muss einige Zeit an der Garderobe anstehen. Im Club ist es noch voller und der Main-Floor wird gerade geöffnet. Der Main Gig ist wieder zu 2 Uhr angesagt. Daher warte ich ich nis 1:30 Uhr bevor ich mit den Pillen anfange. Die Situation ist auch so nett. Die Musik ist gut, es ist super warm im Raum, die Lichteffekte zucken durch den Nebel und die Leute sind alle schon gut am Tanzen. Auch so kommt sowas wie eine euphorische Stimmung in mir auf.

Leider wird die Musik zunehmend monotoner und mir fallen die Bewegungen schwerer. Mein rechtes unteres Knie schmerzt leicht. Das Alter macht sich bemerkbar. Es war mir die letzten Male schon aufgefallen. Nachdem ich mein zweites kleines Bier gelehrt habe, gehe ich aufs WC und fülle die Flasche mit Wasser auf. Neben mir will noch jemand an den Wasserhahn. Ich gebe ihm ein Zeichen und lasse ihm den Vortritt. Plötzlich schaut er mich an, öffnet die Arme und heißt mich willkommen. Ich stehe verdutzt da und habe keinen Plan. Ich bitte ihm mir auf die Sprünge zu helfen, doch plötzlich erkenne ich ihn. Ein lieber Freund vom Segeln. Aber seine Haare sind kürzer und er hat leicht zugelegt. So dass ich ihn halt nicht gleich erkannt hatte. Wir unterhalten uns eine Weile am WC und dann gemeinsam mit seiner Freundin am Gang. Voll lustig, wen man alles so trifft. Am Waschbecken hatte er mich schon so komisch angeschaut. Er ist Arzt und kennt sicher die Nebenwirkungen von Drogen. Er schaut mir in die Augen, aber hey - ich hab „noch“ nichts eingeworfen. Er spricht mich aber auch nicht darauf an. Leider verlassen die beiden die Party schon wieder sehr früh. Schade!

Ich beiße ein kleines Eck von der Pille ab. Sicher nicht mehr als ein Viertel. Nach nur 10min merke ich das erste Kribbeln und die ersten Vorboten der Wirkung. Total verwundert schaue ich auf die Uhr. 10min sind zu kurz und eigentlich habe ich heute gut gegessen. Es dauert aber weitere 15min bis ich es richtig merke. Ein leichter Energieschub und die Musik klingt intensiver. Ich habe zwei Pillen und möchte nach Möglichkeit nicht alles verbrauchen. Ich weiß auch, dass die Wirkung immer kürzer bei mir anhält und meine Gewöhnung schon viel zu stark ist. Ich reche grob mit 30min bis zu einer Stunde bis die voller Wirkung je Hälfte einsetzt. Da zwei Pillen schon viel zu krasse Nebenwirkungen haben, möchte ich es langsam angehen.

Erst gegen 2:30 Uhr beiße ich wieder ein Viertel ab. Die Wirkung kommt wiederum nach etwa 30min, aber bei weitem nicht so stark. Aber es reicht. Dennoch fehlt der richtige Kick, in dem du von Energie durchflutet wirst. Weit später nehme ich den Rest der Pille. Ich merke keinen weiteren Unterschied und keinen neuen Energieschub. Es war schon vorher sehr heiß im Club und daher schwitze ich jetzt so richtig. Mehrmals gehe ich zum WC, spüle mir das Gesicht kalt ab und fülle meine Flasche mit Wasser auf. Die Nebenwirkungen halten sich heute in Grenzen. Ich kaue vorsorglich Kaugummi, aber die Kieferkrämpfe sind nicht spürbar. Beim letzten Mal hatte ich die aber auch erst 2 bis 3 Tage später und musste immer fleißig die Kiefermuskeln massieren.

Die Zeit verfliegt heute nicht so schnell wie sonst. Ich tanze vor mich hin, aber die Knochen fühlen sich schwer an und der Beat der Musik passt mir nicht. Die Melodien sind sehr monoton und jedes Stück unendlich lang. Obwohl es eine Gay-Veranstaltung ist, sehe ich fast nur Mädchen und ihre Freunde. Dennoch tanzen alle wieder mit leichten Körperberührungen. Da ist es wieder, dieses nette Gefühl, auch wenn die Euphorie heute wiedermal ausbleibt. Ich fühle mich wach, aber nicht sonderlich high. Ein Typ gibt mir einen Korb und so tanze ich weiter. Ich sehe ihn noch mehrfach am Abend und sein Zustand nimmt rapide ab. Entweder ist er nur müde, oder hat Speed genommen.

Über den Abend sehe ich wieder einige andere Gesichter, die ich schon öfter gesehen hab. Davon ein Typ, den ich schon eine Weile nicht mehr gesehen hatte. Er tanzt oben ohne und ich staune über seinen jungen Body. Aber sein Gesicht macht auf mich nicht mehr den feschen Eindruck, den ich damals im Kopf hatte. Naja, ich hatte einen tollen Tag und brauche jetzt keinen Typen. So tanze ich weiter.

Gegen 4 Uhr beiße ich ein kleines Stück von der zweiten Pille ab. Ich versuche mehr davon zu vermeiden. Ich will nicht wieder erst um 5 Uhr was nehmen und dann voll high heim gehen. Daher ist um 4 Uhr Schluß mit Nachwerfen. In Summe bin ich enttäuscht, dass die euphorische Wirkung nicht einsetzen will. Spätestens ab 5 Uhr normalisiert sich mein Zustand. Ich tanze immer weniger und fange an die Menschen zu beobachten. Die Energie ist weg. Dafür tritt das geistige Abdriften wieder ein. Weit weniger schlimm als beim letzten Mal als ich zwei Pillen genommen hab, aber ich merke es. Insgeheim freue ich mich, dass ich nicht noch mehr genommen habe.

Am Morgen scheint wieder wunderschön die Sonne rein. Pünktlich um 6 Uhr geht immer wieder das Licht an. Aber die Meute tanzt weiter. Leider ist die Musik heute einfach nicht gut. Ich überlege heimzugehen, tanze dann aber doch noch eine Weile mit. Leicht deprimiert, ob der fehlenden Wirkung und der schlechten Musik, gehe ich bald heim. Genieße die Wartezeit bei der U-Bahn und den frischen Wind im Sonnenlicht. Meine Pupillen sind auch nicht so weit offen. Eventuell waren die Pillen heute einfach minderwertig. Aber gut, so hab ich weniger Nebenwirkungen. Ich versuche dennoch den Blick nicht zu direkt ins Sonnenlicht zu drehen.

Vom ganzen Schweiß ist meine Haut und mein Gesicht von Salz übersät. Dennoch gehe ich ohne Duschen ins Bett. Zähneputzen muss reichen. Wie üblich wird der Vormittag eher unruhig, da das MDMA wieder ausgespült werden will. In der Nacht hatte ich wieder das eklige Aufschlucken vom vielen Wasser und vom säurehaltigen Magen. Sehr unangenehm. Gegen 12 Uhr stelle ich mir den Wecker auf 13:30 Uhr und schlafe nochmal durch. Als der Wecker läutet kann ich mich einfach nicht aufraffen. Die Wirkung ist nun wirklich weg und ich schlafe gerade so schön. Ich stelle den Wecker auf 15 Uhr und schlafe wieder tief und fest.

Ausgeruht esse ich um 16 Uhr Frühstück und verbringe den Rest des Tages gemütlich. Erst am Abend gehe ich joggen. Ich war mir zwar nicht sicher, ob das so eine gute Idee ist. Mein Blutdruck ist auch gleich relativ hoch, aber dennoch habe ich volle Energie und laufe bei gleichbleibendem Puls meine übliche Runde durch den Park. Ohne größere Anstrengung komme ich wieder heim. Komisch, sonst heute keine Nebenwirkungen.

Alles in allem merke ich aber, dass ich langsam aufhören sollte. Mein Körper hat sich zu sehr daran gewöhnt. Die positiven Effekte setzen kaum mehr ein oder halten nur noch für einen viel zu kurzen Zeitraum an. Die negativen Effekte wie Zahnschmerzen, wie ich sie heute auch wieder habe, oder das gedankliche Abdriften nehmen Oberhand. Darauf kann ich aber auch gut verzichten. Und andere Drogen wie Speed oder Mephedron will ich nicht wirklich ausprobieren. Deren Wirkung hält wohl länger. Aber die Opfer, die ich oft auf der Tanzfläche gesehen habe, zeichnen ein echt negatives Bild. Ein körperlicher Verfall im Zeitraffer. Da möchte ich nicht dazugehören. Mein Anblick im Spiegel war heute morgen und auch später durchaus normal. Gut so!

Davon abgesehen, merke ich aber wie mich Drogen doch auch in einer Art verändern, die ich positiv wahrnehme. Mein Zeitgefühl wird ein anderes. Auch jetzt während des Schreibens ist wieder recht viel Zeit vergangen, wie ich beim Blick auf die Uhr feststelle. Ich nehme Zeit anders war, viel langsamer und es stört mich nicht. Ich habe viel mehr Geduld und blicke entspannter in die Zukunft. Dafür vergesse ich manchmal Dinge und Begriffe. Selbst wenn ich ihn im Kopf habe, fällt mir das Wort nicht ein. Viele kennen solche Momente, aber ich habe sie jetzt deutlich öfter. Auch fange ich manchmal an zu sprechen und meine Wörter kommen in einem Kauderwelsch aus meinem Mund, so dass ich den Satz neu beginnen muss. Noch ist das nicht tragisch, aber ich behalte es im Auge.

Wien // negativ bleibt negativ

Nach zwei Wochen Urlaub auf dem Meer sowie der Woche Vorbereitung sind jetzt gut und gerne drei Wochen vergangen. Drei sehr erholsame Wochen ohne Gras, ohne Ecstasy. Erst gegen Ende des Urlaubs habe ich mich immer wieder erwischt wie sich meine Gedanken um die nächste Party kreisten. Da ist sie, die psychische Abhängigkeit. Innerlich ärgert mich das schon, weil es von vielen anderen schönen Momenten ablenkt.

Es ist die Nacht von Freitag auf Samstag als ich gegen 0:30 Uhr vom Urlaub zu Hause ankomme. Da die meisten Besucher sowieso erst gegen 2 Uhr zur Party gehen, habe ich noch genügend Zeit zum auspacken. Wie ein Irrer staple ich die Wäsche, sortiere vor, mache mein Bett und packe für morgen. Unerwartet muss ich morgen nachmittag gleich nach Berlin fliegen. Dennoch ist heute ein guter DJ angesagt und ich will unbedingt hin und mir den Spaß nicht verderben lassen. Getaktet wir ein Uhrwerk stehe ich noch vor 2 Uhr vorm Club.

Vorher stehe ich eine gute halbe Stunde draußen und warte auf einen Dealer. Heute war die Polizei wieder da und so sind alle Dealer weg. Mindestens 10 andere Kunden warten, dass das Geschäft wieder losgeht. Am Ende kaufe ich eine Pille. Mehr darf es heute nicht sein! Es ist Karfreitag vor Ostern und laut Facebook haben weniger als 300 Leute zugesagt, was meist ein guter Indikator ist, dass der Club nicht ganz voll wird. Ab 300 wird’s meist erst richtig lustig. Ich nehme an, dass viele zu Ostern einfach nach Hause zu ihren Eltern gefahren sind. Ohne großes Warten bin ich im Club. Die Musik ist anders als erwartet. Härter und mit kürzeren Beats. Eher Dub Step als Techno. Ich höre mir das ganze eine Weile an und überlege, ob es es wert ist heute high zu werden.

Da ich die Musik irgendwie nicht drücke, entscheide ich mich für die Pille und fange mit einem Viertel an. Die Wirkung kommt nach gut 25min, aber die Musik will mir einfach nicht gefallen. Noch ein Viertel! Dann endlich geht es. Dennoch werde ich an dem Abend mit der Musik nicht warm. Ebenso fühlen sich meine Knochen steif und die Bewegung will nicht so sanft gehen wie sonst. Selbst mit zweiten Hälfte fühle ich mich nicht besser. Ich bin zwar wach und voll da, aber die euphorische Wirkung bleibt aus.

Das Publikum ist heute bunt gemischt, aber meine Stimmung eher negativ. Gegen 6 Uhr breche ich auf und hole mir noch ein paar Stunden Schlaf. Gegen Mittag wache ich auf, hole mir frische Brötchen vom Bäcker und esse Frühstück. Der Flug geht erst am Nachmittag, so dass ich genügend Zeit habe. Am Flughafen bin ich noch immer leichtfüssig und gut gelaunt. Der Flieger ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Ich sitze am Fenster und schließe die Augen. Noch bevor die Sicherheitseinweisung kommt und das Flugzeug vom Platz rollt, bin ich im Tiefschlaf. Als das Flugzeug hart auf der Landebahn in Berlin aufsetzt, schrecke ich auf. Wohltuend habe ich den ganzen Flug verschlafen. Mir geht es blendend. Keine Depressionen, keine Müdigkeit, normale Pupillen. Auch die nächsten Tage verlaufen normal. Lediglich meine Zähne sind super empfindlich. Eine Nebenwirkung der Säure, welche sich durch MDMA bildet, wenn es zu lange mit den Zähnen und der Mundschleimhaut in Berührung kommt. Darüber hatte ich schon gelesen, es aber noch nie selbst gespürt. Jedenfalls super unangenehm für etwa 3 Tage.

Wien // jetzt erstmal Pause

Heute ist Montag der 1. April. Vor mir liegt eine Woche Arbeiten und dann zwei Wochen Urlaub. Erholung und damit keine Zeit fürs Fortgehen. Somit musste ich die Chance vor drei Tagen nochmal nutzen und bin wieder unterwegs gewesen. Eine schwule Techno-Veranstaltung, die immer gut besucht ist. Aber mir ging es nur darum zu tanzen und gute Laune zu haben. Alles andere war mir von vorn herein egal. Ich hoffte nur, dass diesmal die Polizei nicht wieder die Dealer vertrieben hat.

Kaum angekommen, frage ich einen auffällig wartenden Typen, ob er was verkauft. Er verschwindet kurz und kommt mir drei Pillen wieder. Zwei hab ich mir für die Nacht reserviert und eine ist Reserve fürs nächste Mal. Diesmal sind die Pillen dreieckig in Form eines Diamanten und mit einem gleichen Aufdruck darauf; und auffällig klein. Ich verstaue die Pillen in einem kleinen Plastiktütchen, verstecke sie im Schuh und stelle mich in die jetzt schon lange Warteschlange. Es ist 0:30 Uhr.

Erst geht es gut voran, aber dann ist scheinbar Einlassstop und so stehen wir alle lange einfach nur herum. Die Schlange wird immer länger. Neben mir steht auch ein einzelner Partygast. Hinter mir zwei Mädels und dann lauter Typen, die sich so schwul benehmen wie man es sich in seinen schlimmsten Alpträumen nur vorstellen kann. Dazwischen ein paar Deutsche Medizinstudenten, die bissl mit den Mädels in Streit geraten.

Nach einer Weile kommen wir alle ins Gespräch. Der Typ neben mir ist aus Vancouver und mit der Familie in Wien zu Besuch. Dennoch will er Party machen und tut das scheinbar gern überall. Erst kürzlich hat er Paris unsicher gemacht. Nach einer Stunden Warten, stehen wir gemeinsam an der Garderobe und unterhalten uns weiter. Sympathischer Typ. Und kaum an der Bar steht er wieder neben mir. Schon vorher hatte er sich erkundigt, wie hier die Einstellung der Menschen zu Drogen ist. Während man in Paris wohl ja nicht das Wort in den Mund nehmen sollte, verstehe ich unsere Stadt eher als liberal. An der Bar fragt er mich dann wo man was kaufen kann. Im Club hab ich bisher nur selten Dealer gesehen und so erzähle ich ihm, dass er eigentlich draußen was hätte kaufen sollen. Letztendlich verkaufe ich ihm eine meiner drei Pillen und wünsche ihm eine schöne Nacht. Später sehe ich ihn noch auf der Tanzfläche. Im Nachhinein ärgere ich mich, dass ich nicht mehr mit ihm geplaudert und getanzt habe. Warum bin ich wieder so asozial mit mir selbst beschäftigt gewesen?

Der Club ist brechend voll. Und obwohl es eine Gay-Verstaltung ist, besteht die halbe Tanzfläche aus Mädels und Hetero-Pärchen. Die Musik ist gut, aber noch nicht mitreißend und noch nicht mein Stil. Da es so voll ist, wird man ständig hin und herumgeschubst. Man muss sich konzentrieren nicht umzufallen oder einen Hass auf die anderen zu entwickeln. Die Situation ist einfach nicht angenehm. Da es aber schon nach 2 Uhr ist, beiße ich die erste halbe Pille ab und tanze weiter. Das ständige Schubsen nervt mich immer weiter und so bin ich total unvorbereitet als nach gut einer halben Stunde die volle Wirkung einsetzt. Ein Schwall von Energie überflutet mich. Da ich von den Menschenmassen genervt bin, kann ich die Energie nicht kontrollieren. Es fühlt sich an als wäre ich von einem Moment auf den anderen wie betrunken. Ich kann meinen Blick nicht fixieren und bin etwas orientierungslos. Ich muss mich wirklich zusammenreißen und so dauert es gute 15min bis es ein angenehmes Level erreicht.

Auf der Tanzfläche sehe ich ein paar bekannte Gesichter. Schön, dass andere auch so Tanzsüchtig sind wie ich. Ein Typ in meinem Alter lächelt mich an, ich lächle zurück. Später spricht er mich an, aber ich sage wohl irgendwas zurück, was ihm nicht gefällt. So tanzen wir beide weiter. In den ersten Reihen sehe ich Typen, die schon die ganze Zeit voll Gas geben. Sie haben scheinbar früher schon was eingeworfen?! Ich muss am nächsten Tag gegen Mittag zum Flughafen. Der Club sperrt meist gegen 6 oder 7 Uhr zu. So bleibt mir theoretisch noch genügend Schlaf. Aber die Zeit läuft.

Eigentlich möchte ich die erste Hälfte der Pille länger auskosten. Aber nach eine gefühlten Stunde schlucke ich die zweite Hälfte. Im Kopf berechne ich, dass diese ja auch eine Weile braucht, bis sie wirkt. Der Abend wird zu einem Rechenspiel. Irgendwie nerven mich die Menschen noch immer und die Musik trifft nicht genau meinen Geschmack. So habe ich jetzt zwar Energie, aber so richtig wohl fühle ich mich nicht. Das emphatische Gefühl tritt auch nicht ein. Natürlich tanze ich wieder mit einem Typen gemeinsam und man berührt sich. Alles wie immer, alles schön! Über die Zeit trinke ich sicher 1,5 Liter Flüssigkeit, gehe mehrmals aufs WC, um mein schwitzendes Gesicht abzuspülen. Aufs Klo muss ich aber die gesamte Zeit nicht einmal.

Irgendwann hab ich wohl die zweite Pille angefangen. Eigentlich war ich noch immer high und hatte keinen Bedarf, aber ich hatte mir vorgenommen den Effekt von zwei Pillen zu testen. Wieso auch immer! Ich erinnere mich noch, wie ich gegen 5 Uhr überlege, dass ich noch immer die zweite Hälfte der zweiten Pille habe. Eigentlich brauche ich sie nicht. Dennoch werfe ich sie ein. Im Grunde habe ich also jede Stunde nachgelegt. Schon jetzt merke ich die Effekte der dritten Hälfte. Leichte Halluzinationen setzen ein. Aber bei weitem nicht so ausgeprägt wie sonst, aber sie sind da. Eigentlich hätte ich an dieser Stelle warten sollen, denn die Wirkung verstärkt sich in der Regel nach und nach, auch wenn der initiale Energieschub immer schlagartig einsetzt und nicht lange anhält. Aber ich war so dumm die letzte Hälfte einfach hinterher zu werfen.

Nun muss ich mit der Wirkung umgehen. Zuerst merke ich es gar nicht. Aber gegen Morgen verliere ich mich in Gedanken. Während ich tanze, schießt mir ein Gedanke in den Kopf und ich spinne ihn weiter. Es ist als wäre ich genau an dem Ort und zu der Zeit wo der Gedanke spielt. Als wäre ich mittendrin in der Geschichte und nicht auf der Tanzfläche. Es ist wie bei Harry Potter als Dumbledore mit dem Zauberstab Harry den Gedanken aus dem Kopf zieht. In einem Moment bin ich glasklar dabei und dann plötzlich reißt es mich wie aus dem Schlaf zurück auf die Tanzfläche. Ich habe das Gefühl als wäre ich gut und gern 10min geistig abwesend gewesen. Beschämt habe ich Angst, dass ich wirklich wie eine versteinerte Figur auf der Tanzfläche gestanden wäre. Aber niemand guckt mich schief an, niemand kümmert sich um mich. Also werde ich wohl weiter getanzt haben. Bis ich realisiert habe was gerade mit mir passiert, bin ich mindestens sechsmal in Gedanken abgedriftet. Ich hoffe inständig, dass es nicht schlimmer wird, oder ich gar auf der Tanzfläche umfalle. Zum ersten Mal fühle ich mich an einer nicht mehr zu kontrollierenden Grenze angekommen. Zuerst schiebe ich es auf die Müdigkeit, aber ich bin hellwach. Es muss einfach das MDMA sein.

Nach einer Stunde normalisiert sich die Wirkung etwas. Am WC erfrische ich mich und gehe wieder tanzen. Durch die Glaswand an der Seite der Tanzfläche scheint die Morgensonne wunderschön hinein. Ein traumhaftes Bild von tanzenden Menschen im goldenen Licht. Viele sind schon heimgegangen, aber noch immer ist eine beträchtliche Anzahl am Tanzen. Der DJ dreht nochmal richtig auf. Auch wenn sie immer wieder das Licht anschalten und die Gäste zum heimgehen drängen. Ich gucke auf die Uhr. Es ist 7 Uhr. Eigentlich bin ich noch voll high und könnte weiter tanzen. Da ich aber schon bald zum Flughafen muss, entschließe ich mich heimzugehen und die Zeit zu schlafen und runterkommen zu nutzen.

Auf dem Weg nach Hause hatte ich immer wieder schwerste Gedankenaussetzer. Immer wieder drifte ich ab. Aber die Zeit, die ich in dem Gedanken verbringe, wird kürzer. Daheim angekommen überlege ich, ob ich duschen gehe oder gleich ins Bett falle. Ich hab super geschwitzt, aber ich bin jetzt einfach zu faul. Ich stehe im Bad vorm Spiegel und putze mir die Zähne. Erschrocken erblicke ich mein Spiegelblick. Die Pupillen weit geöffnet, ganz normal. Aber an den Schläfen, auf der Stirn und überall am Kopf sind die Adern dick hervorgetreten. Mein Blutdruck muss ungemein hoch sein. Ich sehe Adern wo ich nichtmal wusste, dass ich welche habe. Das Bild erinnert mich an den unglaublichen Hulk. Sonst sehe ich aber normal aus. Weder müde, noch abgekämpft. Eben nur wie ein Bodybuilder, der gerade zu viel Gewichte gestemmt hat.

Die nächsten Stunden schlafe ich gut, aber unruhig. Nachdem ich die letzte Hälfte erst gegen 5 Uhr eingeworfen hatte und die Wirkung noch voll da ist, wundere ich mich, dass ich überhaupt schlafen kann. Pünktlich wache ich noch vor dem Wecker auf. Die Pupillen sind noch immer geweitet, aber draußen scheint die Sonne vom strahlend blauen Frühlingshimmel. Wo ist meine Sonnenbrille? Ich trinke einen Kaffee und mache mich auf zum Flughafen. Während ich noch den Kaffee trinke, schreibt mich ein Typ an und hat Lust auf Sex. Na toll, jetzt wo ich keine Zeit habe. Am Flughafen bleibt mir noch einiges an Zeit übrig. So lege ich mich auf die Bank und schlafe wie ein Baby. Die Geräusche, die Menschen um mich herum, lassen mich wohlig und geborgen schlafen. Kaum im Flieger, schließe ich wieder die Augen, drehe die Musik auf und verschlafe den halben Flug. Dafür habe ich frische Energie für den Rest des Tages. Meine Pupillen sind nun auch wieder normal.

Wien // Zwischenbericht

Entsetzt stelle ich gerade fest, dass seit meinem letzten Bericht und heute nur ein Monat vergangen ist. Dabei fühlt es sich wie eine halbe Ewigkeit an. Natürlich gibt es einiges zu erzählen. Statistisch gesehen, sind sogar recht viele Dinge in einem kurzem Zeitraum geschehen. Das klingt im ersten Moment zwar spannend. Aber es bedeutet einfach nichts Gutes, wenn die Frequenz ansteigend ist. Aber puh, so schlimm ist es alles auch nicht.

Fangen wir bei meinen Darknet Erfahrungen an. Wie bereits geschrieben, hatte ich 10 Gramm MDMA Crystals bestellt. Natürlich sind die nie angekommen. Ich hab es dann nochmal mit 1 Gramm versucht, wieder erfolglos. Das Erfreuliche daran ist, dass ich tatsächlich das Geld zurück erstattet bekommen habe. Insofern nichts verloren, von der Zeit und dem langen nervösen Warten mal abgesehen. Wenn immer ich seit dem was brauchte, hab ich es direkt auf dem Weg zum Club von einem Dealer gekauft. Entgegen aller Erwartungen hab ich bisher auch nur gutes Zeugs erwischt und kann da nichts Schlechtes berichten.

Vom Muster her läuft es danach dann aber immer gleich ab. Ich fange mit einem Viertel oder der Hälfte der Pille an und warte. Meist setzt die Wirkung nach 20min ein. Einmal sogar schon nach 10min. Die ersten Effekte sind der leichte Energieschub, der sich aufklarende Blick, die leichten Beine und bei mir der Bewegungsdrang. Die anfänglichen negativen Wirkungen wie Übelkeit oder Klaustrophobie habe ich nie mehr erlebt. Meist beobachte ich meine körperliche Reaktion auch sehr genau über meine Puls-Uhr. Ich schaue auf den Puls und die Zeiten wann ich was nehme. Die erste Phase lässt den Puls meist nur leicht auf 85 oder 100 steigen oder manchmal sogar initial deutlich fallen. Über den Abend, unter der vollen Wirkungen, geht der Puls dann aber auf 120 bis 160 Schläge hoch. Die zweite Wirkung ist das wohlig warme Nähegefühl - die emphatische Wirkung. Man fühlt sich gut und möchte das es so bleibt. Es ist dieser Effekt, den man festhalten möchte. Während man am tanzen ist, lächelt man andere an und hat das Gefühl sie lächeln immer nett zurück. Leider weiß man nur zu gut, dass diese Wirkung nach 1 bis maximal 2 Stunden wieder weg ist. So lange wie beim ersten Mal, hält es nie wieder an. Daher muss in Schritten von etwa einer Stunde nachgelegt werden. Bei mir ist das dann meist wieder eine halbe Pille. Ich versuche für mich die Abstände dazwischen so lange wie möglich hinaus zu zögern. Man muss aber einkalkulieren, dass die zweite Hälfte auch wieder mindestens 30min braucht, bis deren Wirkung einsetzt.

Jede weitere Wirkung potenziert dann aber nicht die erste, sondern lässt andere Effekte eintreten. Wenn die Dosis normal ist, hab ich einfach Energie zum Tanzen und Bewegen. Hin und wieder kommt starkes Schwitzen und der Drang nach Wasser dazu. Ist die Dosis leicht zu hoch, setzen Halluzinationen ein. Zum Glück hatte ich das seit den ersten Halluzinationen nur noch einmal und da auch nur leicht. Beim zweiten mal kannte ich den Effekt ja bereits und konnte gut damit umgehen. Es waren blaue verschwommene Punkte überall im Blickfeld und konzentriert auf der Haut und den Gesichtern der Tanzenden. Kein schlechter Effekt, aber auch nichts, was ich wirklich mag. Mit einer Pille vergeht die Nacht dann in der Regel von 2 Uhr bis 7 Uhr wie im Flug. Das Coming-Down, also das Abklingen der Wirkung ist ebenfalls immer gleich. Man fühlt, dass der Abend vorbei ist und es nach Hause geht. Im Gegensatz zu anderen, kann ich meist herrlich schlafen. Lediglich die erweiterten Pupillen halten immer länger an. Meist bis 12 Uhr mittags, einmal aber auch bis 16 Uhr. Die depressiven Effekte ein oder zwei Tage danach, berühren mich glücklicherweise kaum.

Dennoch verändert mich das Zeugs zunehmend. Ich werde asozialer. Die Energie lässt mich einfach nur Tanzen. Alles um mich herum erscheint mir egal. Ich spiele zwar das langsame Annähern mit anderen und es macht immer einen Heidenspaß. Aber nichts erregt mein ernsthaftes Interesse. Am 15. Februar - gerade mal eine Woche nach dem letzten Bericht - war ich mit Freunden bei einer größeren Veranstaltung. Während sie nur je eine halbe Tablette nahmen, hab ich eine ganze verbraucht. Die Stimmung war super. Dennoch zog mich der Bewegungsdrang immer wieder nach vorn auf die Tanzfläche, während meine Freunde eher am Rand die Zeit verbrachten und wir uns im Grunde den ganzen Abend kaum gesehen haben. Die Nebenwirkungen haben sich bei uns allen in Grenzen gehalten, so dass der Rest vom Wochenende dennoch super war. Trotzdem fühle ich mich innerlich noch immer schlecht, da ich sie auf der Veranstaltung so vernachlässigt habe. Ähnlich erging es mir an anderen Tagen, als ich mit einem weiteren Freund unterwegs war. Jedesmal ist mir deren Stimmung zwar nicht egal, aber ich habe auch nie Lust mir meine Stimmung versauen zu lassen. Immer tanze ich weit vorn und kann kaum glauben wie schnell die Stunden verfliegen. Obwohl man nicht allein fortgehen sollte, fühle ich langsam, dass ich allein oft besser dran bin.

Die letzten Male habe ich mit der Dosis variiert. Mit einer halben Pille bin ich locker leicht von 2 Uhr bis nach 5 Uhr unterwegs gewesen. Es war zwar nicht der Höhenflug, aber das wohlig emphatische Gefühl hielt lange an und ich kam ohne Probleme nach Hause. Im Nachhinein betrachtet, ist das eigentlich das Beste was man machen kann. Das letzte Mal hatte ich noch die halbe Pille übrig und hab diese über den Abend verteilt mit einer weiteren Ganzen genommen. Hier war der Höhenflug natürlich deutlich höher, aber man vergißt noch mehr die Zeit und wird umso mehr asozial. Zudem setzten dann die Halluzinationen ein. So vergingen die Veranstaltungen am 2. März und am 8. März.

Ich habe noch ein weiteres Beispiel für den, wie ich es nenne, „Asozial-Effekt“. Die letzte Veranstaltung am 15. März war zwar kein Gay-Event, sondern eine ganz normale und gut besuchte Techno-Veranstaltung. Eigentlich wollte ich in den größeren Club gleich daneben, aber dort standen kaum Leute an, während scheinbar jeder in den kleineren Club wollte. Man konnte die Musik von draußen hören und der erste Eindruck war gut. So verbrachte ich den Abend schließlich dort. Das Publikum war eine herrliche Mischung aus Gays sowie witzigen Hetero-Typen, die scheinbar sonst eher selten ausgehen und heute auf Aufriß aus waren. Dazu ganz normalen Hetero-Pärchen jeglicher Altersklasse. Lustig war zudem, dass gerade die Mädels versuchten jeden anzutanzen und so körperliche Nähe suchten. Jedenfalls war eine Gruppe von etwa 4 Typen im Alter von 30 bis 35 Jahren auch am Tanzen. An der Kleidung und Bewegung konnte man erkennen, dass sie nicht die typischen Fortgeh-Typen waren. Alle wirkten auf mich 120% hetero. Über den Abend veränderte sich deren Zustand natürlich von frisch bis total fertig. Ich denke mal, dass auch sie high waren. Einer von ihnen lächelte mich immer wieder an. Ich lächelte, gefangen in meiner Traumwelt, einfach nur zurück und mehr geschah nicht. Erst am Morgen, als das Licht schon anging, umarmte er mich plötzlich und immer wieder und wollte mich nicht mehr loslassen. Dennoch ließ mich die Situation total kalt. Er schaute kurz rüber zum zweiten Dance-Floor, der aber schon geschlossen hatte. Ich nutze die Zeit, nahm meine Jacke und ging heim. Statt den durchaus lieben Typen zur U-Bahn zu begleiten, gemeinsam zu plaudern oder noch einige Stunden wach durch die Stadt zu wanern, hab ich ihn einfach links liegen gelassen. Total verrückt.

Anhand des Datum der Veranstaltungen erkennt man die Frequenz, welche schon beinahe wöchentlich ist. Zum Glück bin ich demnächst einige Wochen nicht da und werde daher eine Zwangspause einlegen. Auch wenn die Nebenwirkungen gering sind und mich lediglich hier und da Kopfschmerzen plagen, so möchte ich nicht zum Dauer-Süchtling werden, sofern ich das nicht sowieso schon bin. Denn gestern wollten wir wieder fortgehen. Mein Kumpel war dann aber doch zu müde. Letztendlich bin ich allein zum Club. Die Menschen standen Schlange und diesmal war auch die Polizei im Einsatz. So waren alle Dealer verschwunden. Ich stand eine Weile da und wartete, dass sie zurückkommen würden. Da aber auch die Warteschlange keine Bewegung macht und ich bei einem Ordner mitbekommen hatte, dass sie den Einlass gestoppt hatten, fuhr ich einfach wieder heim. Gute Idee!

Was war sonst noch passiert? Seit etwa 3 Monaten war ich durchgehend auf PreP, was als präventiever Schutz vor HIV zu verstehen ist. Seit dem Jahreswechsel hatte ich aber so gut wie gar keinen Sex mehr, so dass ich das PreP wieder abgesetzt habe und nur mehr sporadisch nehme. Ich hatte mir eingeredet, dass es meinem Allgemeinzustand nicht gut tut. Dass ich leichter krank werde und mein sexuelles Verlangen deutlich geringer ist. Rückblickend betrachtet stimmt es. Mein Verlangen ist jetzt wieder gesünder. Körperlich ist es aber noch zu Früh für Rückschlüsse. Beim Snowboarden hab ich mir links zwei Rippen geprellt, was 2 Wochen später noch immer sehr weh gut. Erst war es sogar ein Verdacht auf einen doppelten Bruch. Glück im Unglück! Aber jetzt ist sowieso Frühling und Bärlauchzeit. Letztens hab ich mir beim Sammeln einen Insektenstich eingefangen, der sich zu einem Erypsel mit dick geschwollener Wade und Knöchel entwickelt hat. Wieder muss ich Antibiotika nehmen. Kein gutes Zeichen für den Allgemeinzustand. Aber ich muss demnächst eh zum Labor und dann werde ich die Wahrheit serviert bekommen. Nachtrag von Ende Juni 2019: es war wohl doch Borelliose, welche mein Körper aber gut verarbeitet hatte. Wieder Glück im Unglück.

Neben dem typischen Ecstasy Eskapaden habe ich seit dem nur selten bei Freunden Gras geraucht. Der Effekt war aber immer gleich - also von gar nichts bis zu eher komisch. Bei einer Freundin hatte ich letztens einfach nur mal eine Zigarette geraucht und musste feststellen, dass der Effekt vom Gras bei mir eher der vom Tabak ist. Also spreche ich wohl auf Gras gar nicht an. Aber es reicht ja auch, dass die Frequenz mit meinen anderen Erfahrungen schon deutlich gestiegen ist. Von anderen harten Drogen habe ich die Finger gelassen. Im Februar hatte mir ja jemand Kokain angeboten und ich war schlau genug nein zu sagen. Auch gestern wollte mir jemand Kokain andrehen und wieder blieb es bei einem Nein. Nur einmal haben mein Kumpel und ich am Weg zum Club einen Zwischenstopp bei ihm eingelegt, um eine Line Mephedron zu ziehen. Wir beide am Gang stehend, mit einem gerollten Geldschein und ich mit der Kreditkarte die Line dosierend. Das war für mich wieder neu und witzig, aber irgendwie auch der neue Tiefpunkt. Das Kribbeln in der Nase, und später im Rachen, war eher unangenehm und meine Dosis wohl so niedrig, so dass ich gar keine Wirkung merkte. Neben MDMA und Gras zähle ich Mephedron aber noch zu den halbwegs unbedenklichen Drogen, welche ich probieren würde. Ich bin gespannt was die Zeit bringt.

Wien // das Darknet

Fast eineinhalb Monate sind vergangen. Natürlich hat sich seit dem einiges getan. Sorry, dass ich erst jetzt dazu kommen davon zu berichten. Der Titel lässt vermuten worum es geht. Vor wenigen Monaten hätte ich noch gelacht, wenn jemand mir gesagt hätte, dass ich bald mal im Darknet auf Tour bin.

Jedenfalls war ich in den letzten Wochen wieder einige Male die halbe Nacht aus. Stets aber ganz normal und auch nur mit dem ein oder anderen Bier. Und jedes Mal war es sehr lustig. Nach meinen Eskapaden Ende Dezember war ich, wie berichtet, einige Wochen krank und die Genesung zog sich ewig lange hin. Und natürlich bin ich selbst schuld. Obwohl ich leicht angeschlagen war, musste ich ja noch vor Neujahr unbedingt ein letztes Mal ausgehen. Im übrigens sagt man immer schnell, dass es das letzte Mal sei. Egal ob bei Bier, beim Fortgehen oder bei der Pille. Und am Ende bist du doch wieder dabei. Diese eine Nacht hatte mir jedenfalls den Rest gegeben. Mein Hals war stark angegriffen und so hatte ich mir noch eine feine Angina eingefangen, welche mich gute drei Wochen begleitet hat. Zum Glück verlief sie ohne Fieber und sonstigem Unwohlsein. Aber es reichte, um meinem Körper einfach mal lahmzulegen und zu einer Auszeit zu zwingen.

Da ich zu Hause einfach schnell Langeweile bekomme, landete ich schnell im Internet. Ich las viel über die Langzeitwirkungen und Nebenwirkungen von Ecstasy. Die diversen Drogenberatungen bieten wirklich sehr gutes Info-Material. Es gibt Empfehlungen wie man sich schon vor, während und nach dem Konsum verhalten soll, um die Nebenwirkungen auf einem geringem Niveau zu halten. Safe-Drug-Use heißt es dann gleich. Was komisch klingt, ist durchaus ernst zu nehmen. Lieber Hinweise befolgen und sich nicht ins Krankenhaus schießen. Oder besser gleich die Finger davon lassen.

Ebenso gibt es Tipps wie man mit dem seelischen Tief danach umgehen sollte. Dieses Tief hat mich bisher eher selten erwischt. Gott sei Dank! Vom seelischen Jammertal zu Weihnachten mal abgesehen. Eine andere Information besagt, dass man zwischen jedem Konsum 4 bis 6 Wochen Pause einlegen sollte, da sich der Serotonin-Spiegel im Hirn sehr langsam wieder aufbaut. Es ist schon irgendwie komisch, dass eine kleine Pille - nicht größer als eine halbe Paracetamol - deinen Körper anregt, soviel Serotonin in so kurzer Zeit auszuschütten, dass es ein wohliges Glücksgefühl bringt und dass widerum der Aufbau danach dann eine halbe Ewigkeit dauert. Jedenfalls habe ich mich bewusst daran gehalten. Zudem hatte ich nach drei Wochen krank sein auch wenig Lust gleich wieder flach zu liegen.

Eine andere Info besagt, dass viele Konsumenten ihre Pillen von Freunden und Bekannten beziehen und eigentlich nicht auf der Straße von Dealern kaufen. Ein Freund hatte mir von einem schlechten Erlebnis erzählt. Er und zwei weitere hatten sich auf dem Weg zum Club Pillen besorgt und statt high zu werden, wurden sie depressiv und sind am Ende enttäuscht heim gegangen. Nicht umsonst weisen die Drogenberatungen darauf hin, dass die Pillen oft gestreckt sind und man schnell die Katze im Sack kauft. Die Pillen enthalten entweder zu viel MDMA, der Hauptwirkstoff von Ecstasy oder gar keines. Gestreckt werden sie mit Amphetamin oder Koffein. Genau jene Stoffe deren Wirkung in Kombination bei vielen zu ganz unterschiedliche Nebenwirkungen führen. Beispielsweise führt insbesondere der Koffeinschock bei vielen schnell zu Übelkeit. Genau deshalb veröffentlichen viele Beratungsstellen monatliche Testergebnisse und Warnungen.

So langsam wird klar worum sich mein heutiger Bericht dreht? Natürlich möchte auch ich weg vom Straßenkauf.
Meine letzte Pille Ende Dezember war scheinbar zu hoch dosiert und enthielt wohl auch genügend andere Stoffe. Daher wollte ich nun auch eine Quelle finden. Schritt für Schritt kam ich näher ans Darknet. Nachdem ich stundenlang über das Darknet gelesen hatte, mir eine annonyme Email-Adresse besorgte, den Tor-Browser und einen guten VPN installiert hatte, ging die Suche endlich los. Ich klapperte diverse Seiten ab und versuchte mir ein Bild über die Vertrauenswürdigkeit zu bilden. Doch was ist schon vertrauenswürdig im Darknet? Man verlässt sich immer auf sein Bauchgefühl und sollte seinem Geld schon vorher Lebewohl sagen. Vor allem, da alles in Kryptowährungen wie Litecoin oder Bitcoin an unbekannte Empfänger-Adressen bezahlt wird. Mein erster Versuch ging natürlich schief. Mindestbestellmenge 50 Pillen. Lieferung aus der Schweiz. Meine knapp 200 Euro waren futsch. Angeblich wurde das Päckchen sogar versandt. Zu guter letzt erhielt ich eine Mail, dass ich doch bitte 1.500 Euro als Versicherung per Moneygram überweisen solle. Eine Versicherung für das anonyme Paket, mit der ich gegenüber dem Zoll bzw. Transporteur den ungefährlichen Inhalt garantiere. Wer spätestens hier nicht aussteigt und die Mail als Phishing erkennt, ist selber Schuld.

Obwohl ich enttäuscht wurde und nicht gerade wenig Geld in den Sand gesetzt hatte, beschäftigte ich mich schno wieder und diesmal noch intensiver mit dem Darknet und dessen Onion-Seiten. Verborgene Plätze des Internets, welche über keine gängige Suchmaschine zu finden sind. Irgendwann landete ich auf dem Silkroad-Markt. Ein Tummelplatz für dubiose Käufer und Verkäufer. Diesmal bestellte ich 25 Pillen aus den Niederlanden. 300mg XTC, mega stark, aber mit 85 Euro doch sehr günstig. Ich fühlte mich wie ein Held, da ich diesmal keine 200 Euro hinlegte. Bezahlung und Abwicklung klappten einwandfrei, aber das Päckchen kam bis heute nicht an. Da ich als nicht-registrierte Benutzer eine Stealth-Order gemacht hatte, stand mir auch keine Entschädigung zu. Ich hatte mich wiedermal nicht gut genug informiert und war wieder reingefallen. Somit hatte ich nun schon fast 300 Euro verzockt. Aber wer weiß, vielleicht kommen die Pillen ja noch an. Aber nach mehr als 15 Tagen zweifle ich doch stark daran.

Durch Zufall kam ich vor einigen Tagen beim Chatten mit einem Freund darauf, dass sich dieser auch recht gut auskennt und auf Festivals gern was einwirft. Auch er riet mir von Pillen im Straßenverkauf ab. Gerade wegen den Stoffen zum Strecken. Er nehme daher nur MDMA Crystals. Diese haben oft einen sehr hohen Reinheitsgrad. Bis dahin kannte ich mich damit natürlich nicht aus. Wie dosiert man die? Wo kauft man sie? Am Ende bin ich wieder im Darknet und bestelle 10g Crystals für knapp 50 Euro. Da war das Angebot einfach zu verlockend, obwohl es 1 Gramm auch getan hätte. Vorher hatte ich mich aber noch über Wirkungen und Nebenwirkungen von Kokain, Crystal Meth, C2B sowie Ketamin schlau gemacht. Keine Art von Drogen mit denen ich jemals in Kontakt kommen möchte. Ich mag meine Sinne und brauche keine außenkörperlichen Erfahrungen. Und ich möchte nicht abhängig werden. Ecstasy macht zumindest nicht körperlich abhängig. Und nur Konsumenten, die es jede Woche oder gar jeden Tag genommen haben, haben laut Studien langfristige Hirnschäden zu beklagen. Vor allem Gedächtnislücken sind nachweislich ein Problem. Bei mir bisher aber nicht. Dennoch fühle ich wie ich schon jetzt wieder auf dem nächsten Level angekommen bin. Ich surfe im Darknet, ich kenne mich mittlerweile super gut über Drogen und Nebenwirkungen sowie über deren Dosierung aus.

Naja, leider ist auch dieses Päckchen ist bisher nicht angekommen. Aber ich habe viel über MDMA Crystals gelernt und mir schon kleine Plastikbeutel und eine Milligrammwaage bestellt. So langsam werde ich Profi. Und schon wieder -
Next Level! Ich habe gelernt, dass man sie zu Pulver zerreiben und in Getränken auflösen kann. Davon wird aber abgeraten, da MDMA in einer sauren Flüssigkeit resultiert, welche die Zähne und den Mundraum sehr stark angreift. Stattdessen erfahre ich, dass man besser kleine Kristalle in Papier oder Butter versteckt als Bombe schluckt. So bekommt man den gewünschten Kick, denn die Wirkung setzt auf einmal Schlag ein und man schont obendrein den Mund. Alternativ gibt es leere Magen-lösliche Kapseln frei in der Apotheke zu kaufen, welche man nach Belieben füllen kann. So wird man zum Hobby-Bastler. Aber jetzt warte ich erstmal auf die Reklamation meiner Lieferung. Eigentlich befürchte ich ja, dass mein Geld wieder verloren ist.

In den letzten Tagen hat mich der Gedanke verfolgt, dass 10g eigentlich doch eine recht große Menge ist. Eine Menge, die ich selbst weder aufbrauchen kann, noch möchte. Eine Menge, die schon in gesetzliche Grauzonen vorstößt. So lese ich nun nicht nur über Nebenwirkungen, sondern auch über Strafen und was einem sonst noch blüht. Am Ende stelle ich aber erstaunt fest, dass man sich eigentlich nicht fürchten muss. Selbst wenn man mit größeren Mengen erwischt wird, bedeutet das nur leichte Strafen, welche auch leicht wieder fallen gelassen werden, sofern man den Auflagen zu Therapiegesprächen und ärztlicher Behandlung nachkommt. Lediglich als Dealer erwischt zu werden, kann böse ausgehen. Aber das habe ja nicht vor.

Nach diversen Dienstreisen, privaten Besuchen bei Freunden in anderen Städten sowie Urlauben, bin ich nun endlich zurück in der Stadt. So langsam stand einfach mal wieder Feiern an. Freitag began dann zuerst mit einer Geburtstagsfeier einer ehemaligen Kollegin. Motto-Party zum Thema Spione und Mafia. Nach einigen Bier bin ich gut gelaunt und bald ist es bereits nach Mitternacht. Innerlich werde ich langsam nervös. Es zieht mich in den Club. Am gleichen Abend ist wieder eine Gay-Techno Veranstaltung und ich möchte unbedingt hin. Eigentlich ist kommende Woche wieder eine so große Veranstaltung zu der auch Freunde extra nach Wien kommen. Wäre ich vernünftigt, würde ich also einfach noch eine Woche warten und jetzt auf der Geburtstagsfeier bleiben. Aber ich kann einfach nicht Wiederstehen und will nicht noch eine Woche warten. Ich möchte tanzen und das wohlige Gefühl spüren und anderen näher kommen. Da ich die Nacht zuvor aber schlecht geschlafen habe, bin ich eigentlich schon zu müde und angetrunken obendrein. Keine gute Mischung. Dennoch mache ich mich auf den Weg.

Am Bahnsteig fällt mir auf wie voll dieser ist. Die halbe Stadt ist auf den Beinen und niemand schient auf dem Weg nach Hause zu sein. Vielmehr sind alle gut gelaunt und in Partystimmung. Am Ziel angekommen, gehe ich den restlichen Weg zu Fuß. Unterwegs begegnen mir einige Dealer, welche sich gerade untereinander streiten. Einer schaut mich an und fragt mich barsch, was ich will. Ich frage nach Ecstasy. Einer sagt 20 Euro zum anderen. Ich antworte 10 Euro für eine Pille. Eigentlich teuer, da sie im Darknet sogar für 4 Euro das Stück zu haben sind. Aber was soll’s. Ich möchte sie als Reserve mitnehmen. In weniger als 30 Sekunden ist der Deal abgeschlossen und die Pille verschwindet in meiner Hosentasche. Aber Moment, für was eigentlich als Reserver? Ich hatte ja gar keine Pille dabei?

Im Club ist es bereits gut voll. Beide Dance-Floors sind gut besucht. Ich gebe meine Jacke ab und werfe mich in die Menge. Da ich schon Alkohol getrunken habe, verzichte ich erstmal auf die Pille. Stattdessen beobachte ich das Publikum und höre der Musik zu. Diese ist umwerfend gut und meine Stimmung steigt. So tanze ich eine Weile bis ich dann doch an die Pille denken muss. Es ist zwischen 1 Uhr und 2 Uhr als ich Richtung WC gehe und einen Blick auf die Pille werfe. Diese hat eine Sollbruchstelle, aber so sehr ich mich auch bemühe, sie will nicht brechen. Da es recht hell ist und ich nicht erwischt werden möchte, muss ich nun schnell machen. Also beiße ich ungefähr ein Viertel ab und schlucke es mit Wasser runter. Da ich die Pille nicht kenne, möchte ich es langsam angehen. Der Rest verschwindet in der Hosentasche.

Zurück auf der Tanzfläche merke ich nach gut 20min, wie die Wirkung langsam einsetzt. Ich spüre wie der Puls schneller wird und sich wahrscheinlich auch meine Pupillen weiten. Alle negativen Effekte des ersten Moments, wie Übelkeit oder Beklommenheit, fühle ich diesmal nicht. Sonst musste ich spätestens jetzt mal für einige Minuten von der Tanzfläche verschwinden. Diesmal tanze ich jedoch einfach weiter. Ich weiß es nicht mehr genau, aber ich denke, dass ich etwa eine halbe Stunde später wieder ein Viertel abgebissen hab. Es muss schon etwa 3 Uhr gewesen sein. Ich wollte sicher sein, dass ich das erste Viertel gut vertrage. Irgendwann später verliere ich jedes Zeitgefühl. Aber auch die restliche Hälfte der Pille nehme ich irgendwann und merke wenig später wie der Kick einsetzt. Nicht so heftig wie Ende Dezember, aber doch deutlich spürbar.

Allgemein merke ich aber keine große Veränderung, sondern fühle mich einfach gut und tanze. Wenn ich jetzt zwei Tage später daran denke, fällt mir auf, dass ich keinerlei Gefühl für Zeit mehr hatte und das die Stunden von 2 Uhr nachts bis etwa 7:30 Uhr morgens einfach verflogen sind. Ich habe durchgehend getanzt und mit einigen Leuten etwas enger, wie jedes mal. Aber dennoch kann ich mit diesem Wissen keine 5 bis 6 Stunden füllen.

Irgendwann tanzt mich ein Typ an und fragt mich, ob ich Lust auf Koks habe. Er ist in etwa 25 Jahre alt und recht hübsch, aber ich lehne dankend ab. Koks ist und bleibt eine rote Linie. Tage später kommt es mir so vor, als hätte er mich schonmal gefragt? Nur kann ich mich nicht mehr richtig erinnern! Im Laufe der Stunden verschwindet er mehrmals und taucht kurz danach wieder auf. Ich vermute, dass er sich immer wieder eine Line reinzieht. Ich merke es auch an seinem Verhalten. Er hat einen aggressiven aufdringlichen Blick. Wir tanzen immer enger und er drückt mich dominant an sich heran und verbeißt sich in meiner Kleidung und an meinem Hals. Irgendwie sehr sexy, aber dennoch ist meine Vorsicht geweckt.

Am Ende der Party verziehe ich mich unauffällig und gehe allein heim. Der zweite Dance-Floor hat schon lange zugesperrt und das Licht ist an. Am Techno-Floor wird noch wild getanzt, obwohl auch hier immer wieder das Licht angeschaltet wird, um die Leute zu vertreiben. Die lassen sich aber nichts anmerken und tanzen munter weiter und die beiden DJ’s legen erst jetzt ihre besten und härtesten Tracks auf. Das Hochgefühl hat diesmal recht lange angehalten. Aber spätestens seit 6 Uhr ist es weg, so dass ich nun weit nach 7 Uhr heim gehe.

Bisher hatte ich noch keine Nebenwirkungen wie Halluzinationen und fühle mich sonst auch sehr wohl. Am Bahnsteig merke ich aber, wie mich die Müdigkeit überkommt. Ich muss einige Minuten auf die U-Bahn warten und habe Mühe nicht immer wieder in Sekundenschlaf zu fallen. Das komische desorientierte Zeitgefühl stellt sich wieder ein und es lässt mich auch den ganzen Tag über nicht los. In der U-Bahn starre ich aus dem Fenster und falle gefühlt wieder alle paar Sekunden in eine Art Schlafzustand. Beim Umsteigen in die Straßenbahn muss ich sieben unendlich lange Minuten auf die Weiterfahrt warten und die Schlaf-Anfälle häufen sich.

Daheim gehe ich duschen, stelle mir Wasser ans Bett und gehe gemütlich schlafen. Es ist 8 Uhr morgens. An der Hand habe ich eine recht große Prellung mit einer kleinen offenen Wunde. Am Dance-Floor bin ich über den Abend mehrfach auf den nassen Stufen einer kleinen Treppe ausgerutscht und hatte mir schwer die Hand angeschlagen. Es hatte sogar ordentlich geblutet, aber es war mir beim Tanzen einfach egal. Den ganzen Tag über ist die Hand nun gut geschwollen und schmerzt. Heute am zweiten Tag geht die Schwellung endlich zurück. Dennoch komisch, was einem im Rausch alles passiert. Seit zwei Tagen versuche ich in Gedanken die gut 6 Stunden der Nacht zu rekonstruieren. Ich kann mich an viele tolle Momente erinnern, aber eben nicht an volle 6 Stunden.

Nach nur etwa 4h Schlaf wache ich auf. Zwischenzeitlich war ich einige Male am WC und hab immer wieder Wasser getrunken. Das MDMA muss raus aus dem Körper und ich fühle mich gut. Während des Tanzens hatte ich ebenfalls wieder Wasser getrunken. Soviel, dass mir mein Magen schon weh tat und ich Wasser aufstoßen musste. Ich merke, dass mir meine Kiefermuskulatur extrem weh tut und ich den Mund nur schwer weit öffnen kann. Selbst das Frühstück kauen fällt mir schwer. Wenig später gehe ich mit einem Freund spazieren. Ich merke, dass jeder Schritt leicht wie eine Feder ist. Die Pille wirkt wohl noch immer und meine Beine sind von den 5 Tagen Snowboard fahren zuvor auch noch gut im Training. Auch fühle ich noch keine depressive Stimmung. Was mich aber verfolgt, ist die schräge zeitliche Wahrnehmung. Ich kann mich nicht auf Gegenstände oder Pflanzen konzentrieren. Bei jeder Drehung meines Kopfes habe ich das Gefühl, dass der Film zwischen Schnell und Langsam hin und her wechselt. Die Zeit dehnt sich zwischen ultra langsam und super schnell.

Am Abend bin ich schon wieder zwischen dem Gedanken fortzugehen oder daheim zu bleiben hin und hergerissen. Aber mich überkommt eine unglaubliche Müdigkeit. Zwei Tage hintereinander nur wenig Schlaf sind dann doch zu viel. So verbringe ich den Abend mit Binge-Watching der dritten Staffel Expanse auf Amazon Prime und gehe gegen 1 Uhr nachts endlich schlafen und gönne mir Ruhe. Den ganzen Tag über hatte ich wieder das trockene Gefühl im Rachen, so dass ich vor dem Schlafengehen noch einen Blick in meinen Rachen werfe. Völlig geschockt stehe ich vor dem Spiegel. Mein Rachen sieht aus wie ein Kriegsgebiet. Die Zunge ist dick weiß belegt. Am Gaumensegel klaffen zwei dicke große weiße Verletzungen und auch die Mandeln sind geschwollen. Hinten am Beginn der Speiseröhre sehe ich wieder weiße Pusteln. Aber noch sieht es nicht nach Angina aus. Insgesamt sieht die Schleimhaut statt normal gleichmässig rot durchblutet eher blass und unnatürlich aus. Oben am Gaumen sehe ich zwei rote Stellen. Sie sehen wie Verletzungen nach einem Vampir-Biss aus. Ich will nicht schon wieder krank werden. So gehe ich in der Hoffnung ins Bett, dass morgen wieder alles gut ist.

Am nächsten Morgen fühle ich den Biss des Todes. Meine Kiefermuskulatur tut noch mehr weh als am Vortag, aber dafür habe ich keinen Anflug von Depressionen, was mich überaus positiv stimmt. Die weißen Verletzungen am Gaumensegel sind noch da. Aber sonst fühlt sich der Rachen schon deutlich besser an. Langsam esse ich ein gutes Frühstück und massiere immer wieder meinen Kiefer. Später gehe ich ins Fitness-Center. Auf dem Weg nehme ich einen Kaugummi. Beim ersten Biss muss ich fast schreien, da es fast unmöglich ist ihn überhaupt zu kauen. Erst am späten Nachmittag kann ich den Kiefer wieder gewohnt weit öffnen, auch wenn es noch immer leicht weh tut. Im Internet lese ich nochmals gezielt nach Nebenwirkungen zum Thema Kiefer und Rachen. Es wird von Überempfindlichkeit und Säuregehalt gesprochen. Eigentlich hatte ich durch viel Trinken gut vorgesorgt, aber ich hätte schon während des Tanzens Kaugummi zur Entlastung kauen sollen. Vielleicht waren 6 Stunden Tanzen ohne Pause auch einfach zu viel?! Immer wieder wird geschrieben, dass man seinem Körper 2 bis 3 Tage Ruhe gönnen soll. Auch das ist mir im Training heute wieder aufgefallen. Ich zerstöre meinen Körper schneller, als dass ich ihn reparieren kann. Mein Puls ging den ganzen Tag immer wieder unkontrolliert in die Höhe, nur um dann wieder spontan tief abzufallen. Das ganze Training war eine harte Belastung, auch wenn ich maximal das halbe Programm absolviert hatte.

Die nächsten Tage sind wieder voll mit Arbeit und privaten Terminen. Aber ich beschließe nicht zu viel Alkohol zu trinken und hoffe insgeheim, dass mein Rachen und mein Körper bis Freitag wieder fit sind. Ich will nicht jede Woche was nehmen. Aber bei der anstehenden Party muss es einfach sein. Danach lege ich eine längere Pause ein. Soviel nehme ich mir zumindest jetzt mal vor.