Wien & Graz // The party is over!

Es ist bereits Mitte April, als ich rückblickend diese Zeilen schreibe. Wir alle sitzen seit einem Monat daheim. Wir alle halten zusammen und beschützen die Schwachen. Was abgedroschen klingt, ist die Realität. Und ich und viele meiner Freunde halten sich daran.

Die Zeit davor war irgendwie surreal. Ich hatte das Jahr mit einer Pause vom Fortgehen und von Ecstasy begonnen. Eine Pause die gut tat. Auch danach hatte ich es geschafft, diesen Rythmus beizubehalten. Ich hatte gelernt, dass ich meine Wochenenden und meine Freizeit nur anders verplanen muss. Daheim sitzen und Zeit haben ist keine gute Kombination.

Also war ich oft mit dem Snowboard in den Bergen. Ich fuhr wie wild und lernte ein paar neue Tricks. Etliche Prellungen und Stürze inklusive. Es war Fun pur! Zwischendurch ging ich dann aber doch fort. Mit einem Freund ging es von Club zu Club. Nur eben seltener, aber dann auch gern mal zwei Tage hintereinander.

Ende Februar war es wieder soweit und wir hatten eine gute Zeit. Anfäng März musste ich dann nach Graz. Ein Freund hatte Sponsion und mit ihm hatten nun so gut wie alle meiner Freunde Graz den Rücken zugekehrt. Anders als in Wien, sitzt man in Graz gern gemütlich bei Bier und säuft sich nieder. So blieben von einer Gruppe von etwa 20 Personen am Ende nur 3 übrig, die zum Elevate Festival im Dom im Berg spazierten.

Die Location und die Musik war super. Nur hatten wir nichts zum Nachhelfen. Meine Freunde hatten nur noch wenig übrig. Dennoch verteilten wir es irgendwie auf drei Personen und die Wirkung war herrlich. Vielleicht sollte man es wieder öfter mit geringeren Dosen probieren und länger mit dem Nachlegen warten? Ich merkte jedoch, dass mir keine Party ohne Hilfe mehr gefällt. Wie unter Strom wanderte ich umher und fragte mich von Person zu Person. Wer verkauft etwas? Wo bekomme ich was her? Natürlich war ich nicht der einzige. Viele waren auf der Suche und kaum wer wurde fündig. Nur Koks war gut im Umlauf. Aber niemand wollte was verkaufen. Alle waren froh, selbst etwas zu haben. Lediglich eine gratis Line konnte ich am WC erhaschen. Aber diese trug mich sehr lange.

Den Tag darauf verbrachten wir sehr ruhig und angenehm. Erst am Sonntag hieß es wieder "Auffi auf di Berg". Ich hatte mein Snowboard dabei. Die Tage zuvor gab es Neuschnee und Sonntag war der einzige sonnige Tag in der Wetterprognose. Also schnell noch den Winter genießen, bevor es eindeutig zu warm wird. Es war traumhaft. Ich konnte nicht ahnen, dass es wirklich das letzte Mal sein sollte. Ich konnte nicht wissen, wie schnell Corona in aller unser Leben kommen wird.

Abseites der Pisten übte ich weiter an meiner Technik. Auch wenn ich viel gefahren bin, so war es eigentlich nicht übertrieben viel. Meine Kondition hätte dafür locker reichen sollen. Dennoch fühlte sich mein Körper schlapp an. Zweimal kehrte ich in eine Hütte ein und tankte Energie. Dennoch war ich matt. Und so sollte es die folgende Woche bleiben. Die erste Woche Corona wenn man so will. Wir hatten bereits eine Woche zuvor Home-Office auf freiwilliger Basis ermöglicht. Aber noch traute sich niemand so wirklich. Jeder lag in Lauerstellung und nun überschlugen sich die Ereignisse.

Auf Grund der Situation in Italien hatte ich schon vorher ein komisches Gefühl. Doch nun wurden auch bei uns erst kleinere und dann alle Parties verboten. Kurz darauf auch Restaurants, Universitäten, Schulen und Geschäfte geschlossen. Seit Montag hatte ich angefangen meine Lebensmittelvorräte aufzustocken. Am Mittwoch las ich einige wirklich Besorgniss erregende Artikel über das exponentielle Wachstum und Inkubationszeit. Gemeinsam mit unserem Management waren wir nun endgültig alarmiert und machten Nägel mit Köpfen. Jeder durfte oder sollte von nun an zu Hause bleiben. Somit waren wir mit unserer Entscheidung sogar früher als die offiziellen Anweisungen der Regierung. Nicht jeder nahm das Ernst, doch der Gedanke sickerte nach und nach in jeden Kopf. So kauften alle noch schnell ein und wenige Tage später war wirklich jeder daheim. Spätestens aber als auch Deutschland mit den Maßnahmen nachzog. Langsam kam das öffentliche Leben zum Erliegen.

Zwangspause! Und das ist gut so. Es dauerte ein paar Tage, bis ich mich an den täglichen Rythmus im Home-Office gewöhnt hatte. Aber ich komme gut damit klar. Es ist teilweise sogar zuviel Arbeit. Und ich bin dankbar Arbeit zu haben. Mir geht es gut. Und ich wundere mich, wenn mich Freunde aus Langeweile mittags anschreiben. Auch nach mehr als fünf Wochen fällt mir die Decke nicht auf den Kopf. So lange man noch zum Sport raus ins Freie darf, ist die Welt in Ordnung.

Ich gehe oft joggen, übe daheim auf der Yoga-Matte und fahre viel Rad. Und ich glaube, dass ich Corona bereits hatte. Bereits die Woche vor Graz, spätestens aber die Woche danach fühlte ich mich nicht gut. Nicht elend, aber auch nicht fit. Der Körper spielte verrückt. Da die Skigebiete und die Clubs zu den Hotspots gehören, ist die Chance für mich durchaus groß, dass ich mich angesteckt hatte. Auch der Verlauf könnte dazu passen. Aber ich weiß es eben nicht. Bis heute gibt es keine Möglichkeit sich auf Antikörper testen lassen. Ein Freund hatte zwischendurch Symptome, aber ebenso ohne Chance jemals getestet zu werden.

Für mich bedeutete Corona vor allem kalter Entzug. Gleich wie im Januar hatte ich erwartet, dass mein Körper es mir nicht leicht machen würde. Aber diesmal war es anders. Keine Party war im Angebot, also hatte ich auch nicht den Drang auszugehen. Es war ganz natürlich daheim zu bleiben, und mein Körper spielte mit.


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