Wien // Dosage Warning

Jetzt da ich berichte, ist eine Woche vergangen. Eigentlich bin ich zu müde, laufend über meine Erfahrungen zu schreiben. Vor allem, da die Abstände dazwischen immer kürzer werden und ich euch nicht mit den immer gleichen Geschichten langweilen möchte. Doch diesmal ist es eine Geschichte über das richtige Setting, über zu viel des Guten und das böse Erwachen danach. Dies ist eine Warnung! Ich hatte einen mega super schönen Abend, aber mit einem kleinen Schock-Erlebnis danach.

Seit meinem letzten Konsum waren etwas mehr als 1,5 Wochen vergangen und ich fühlte mich unglaublich stolz, dass ich mehr als eine Woche Party-Abstinent geblieben war. Interessant war, dass ich es auch nicht vermisst hatte. An dem Wochenende dazwischen war nicht viel los und ich war froh mal in Ruhe daheim zu sein. Dafür war die aktuelle Woche nun umso intensiver. Durch einen Wechsel auf Arbeit, bin ich in kurzer Zeit in eine höhere Position aufgestiegen. Nicht dass es mich nicht freuen würde, aber es traf mich völlig unvorbereitet und ich bin zudem noch in laufenden Projekten gefangen, die allein schon stressig genug sind. So blieb mir nichts anderes übrig, als bis auf weiteres mehr Last zu tragen und an Lösungen zu arbeiten.

Jedenfalls war ich beruflich wieder in München. Und diverse Eskalations-Meetings verheißen, wie der Name schon sagt, nichts Gutes. Also jeden Tag auf ein Worst-Case-Szenario vorbereitet sein und dazu abends mit Kollegen essen und trinken gehen. Da bleibt keine Zeit für dich selbst. Und natürlich musste ich mir an einem Abend auch noch ein Date aufreißen. So blieb dann auch von der Nacht nicht viel übrig. Cool war es dennoch. Als ich am Donnerstag wieder Richtung Wien fuhr, war ich körperlich schon mega geschlaucht. Mein Geist war leer und ich war ständig müde. Dennoch hatte ich eine Karte für ein Konzert am Donnerstag Abend und Freunde hatten sich angekündigt. Obwohl der Zug verspätet ankam, hetzte ich mit der U-Bahn zum Konzert und kam genau richtig zum Main-Gig. Ich war wieder zu Hause, unter Freunden. Doch innerlich war ich einfach nur müde, schlapp und ausgelaugt. Und der Terminplan für Freitag sollte nicht besser aussehen.

Zum Glück kann man sich ja auf Freitag Abend freuen. Die Freunde vom Konzert waren noch in der Stadt und so planten wir am Freitag gemeinsam auf eine Gay-Party zu gehen. Ein weiterer Freund hatte sich noch für später angekündigt. Leider konnte er nicht schon früher zu uns stoßen. Jedenfalls baute sich der Abend schon langsam mit dem Ende der Arbeit auf. Gemeinsam mit anderen Freunden gingen wir etwas essen; danach zur Eröffnung der Wiener Festwochen; dann gemütlich in einen Pub und am Ende dann als kleinere Gruppe weiter zur Party. An diesem Abend gab es wieder ein Überangebot an Parties. Aber zum Glück entschieden wir uns für die richtige.

Am Weg von der U-Bahn zur Location deutete ich meinen Freunden an schonmal reinzugehen, da ich noch was kaufen wollte. Da sie mich schon wirklich sehr gut kennen, fragte niemand blöd. Beim erst besten Dealer hatte ich Glück. Ich begleitete ihn ein paar Meter bis zu seinem Versteck und kaufte gleich 4 grüne Pillen zum Preis von 3, also 30 Euro. Die Pillen waren sehr klein, grün und in Diamant-Form mit Diamant-Prägung oben drauf. Meiner Erfahrung nach sind die kleinen Pillen oft viel stärker und treffen dich gemeiner als die Großen, die oft nur zerbröseln und wahrscheinlich stark gestreckt sind. Ich sollte recht behalten, denn wir nennen die kleinen nur noch die grünen Biester.

Eigentlich hatte ich soviel gekauft, damit ich einen Vorrat habe, falls einer meiner Freunde noch was nehmen möchte. Aber am Ende des Abends war ich der einzige, der sich was eingeworfen hatte. Aber auch ich hatte eine Weile gewartet. Das Publikum war super, die Musik auch. Aber die Bewegung zur Musik wollte sich nicht so richtig einstellen. Also sagte ich einem Freund, dass ich was nehme und fing mit einer halben Pille an. Nach etwa 30min setzte der Effekt ein. Für eine halbe Pille unglaublich stark und so legte ich sofort die zweite Hälfte nach. Ich wollte kein Down zwischen den Einnahmen. Am nächsten Tag hab ich mir natürlich wieder meine Puls-Kurve angeschaut und tatsächlich war die Einnahme gut abgestimmt. Die zwei Hälften hatten mich recht fix hintereinander auf einen Puls von 125 gepushed und von dort ging es über den Abend und die Stunden nur langsam bergab. Ein konstantes Hoch für die ganze Nacht.

Entgegen meines normalem asozialen Verhaltens, verblieb ich diesmal oft in der Nähe meiner Freunde. Wir tanzten gemeinsam und ihr Streicheln tat mir in meinem Rausch einfach gut. Nach einer Weile blickte ich wieder jemanden in die Augen, wie man das beim gemeinsamen Tanzen immer so macht. Auf einmal dreht er sich vollends zu mir und wir tanzen auf einander zu und vereinigen uns küssend in der Menge. Es war wunderschön, aber ich wollte nur tanzen. Also lies ich ihn nach einer Weile links liegen und tanzte weiter mit meinen Freunden.

Ab hier fängt die Warnung an. Denn es geht ums Nachlegen. In vielen Internet-Quellen wird davon abgeraten. Es wird eher eine hohe Anfangsdosis angeraten und dann, wenn überhaupt, nach 2 bis 3 Stunden ein Nachlegen einer maximal halb so starken Dosis. Meine Erfahrung ist, dass ich meist ein oder zwei Stunden nach der Erstdosis die gleiche hohe Dosis nochmal nachlege, die mich dann durch die Nacht trägt. Aber eben auch zu den unerwünschten Nebenwirkungen führt. Weiterhin wird beschrieben, dass man im Rausch oft die Dosis falsch einschätzt. Und genau so ist es mir nun schon mehrfach ergangen und diesmal ganz besonders. Das Problem ist der initiale Kick, egal ob von der ersten oder zweiten Hälfte. Dieser Kick kündigt sich anfangs durch Kribbeln und diverse andere körperliche Vorboten an. Aber wenn der Kick erstmal da ist, verspürst du pure Energie und absoluten Bewegungsdrang. Bei mir hält dieser Kick je nach Pille und Setting von 10 Minuten bis zu einer Stunde an. In der Regel aber eher nur 30 Minuten. Da diesmal der ganze Tag und das Setting einfach wunderschön waren, hatten die beiden ersten Hälften schon eine gute Wirkung erzielt.

Dennoch griff ich ganz automatisch beim Tanzen mit den Fingern in die Geldtasche meiner Hose und fischte zwischen den Pillen herum. Irgendwann zuvor hatte ich eine dritte Hälfte eingeworfen und wollte jetzt nur noch die vierte Hälfte nachlegen. Allein das wäre eigentlich nicht nötig gewesen, da ich wirklich gut drauf war. Aber man denkt einfach nicht nach, sondern legt nach, weil man ja noch was dabei hat. Wenig später kickte es mich dann ganz aus. Ich war euphorisch, genoss die Musik und lies mich treiben. Auf einmal erkenne ich einen Bekannten, wie er beobachtend um mich herumschleicht. Total perplex spreche ich ihn an und wir tanzen gemeinsam. Durch meine schnellen Bewegungen kann ich mich kaum kontrollieren und haue ihm aus versehen einige male mit dem Ellbogen ins Gesicht.

Er ist ebenfalls high, aber wie sich später herausstellt nur auf einer halben Tablette. Immerhin ist er vorsichtig. Er versucht mich an den Rand der Tanzfläche zu drängen, wo wir ungestört im Dunkeln tanzen. Wir beginnen zu fummeln und küssen. Er hat eindeutig mehr vor. Aber bei mir setzt gerade die Wirkung vom Nachlegen ein und ich kann mich nicht beherrschen. Ich will tanzen und nicht hier am Rand mit ihm rummachen. Ich will in die Mitte der Tanzfläche und mich treiben lassen. Als ich mich bei ihm entschuldige und mich auf meinen Rausch ausrede, fragt er mich wie viel ich genommen hab. Entgeistert schaut er mich an und lässt mich ziehen. Nach dieser Nacht hat er lange kein Wort mehr mit mir geredet. Erst einige Monate später sind wir wieder regelmässig in Kontakt. Auch außerhalb des Clubs.

Meine Freunde haben die Party irgendwann gegen 4 Uhr verlassen, aber ich blieb bis weit nach 6 Uhr. Die Nacht war wunderschön und mein Rausch ultra. Gut gelaunt komme ich daheim an. Mein Bett hatte ich meinen Freunden überlassen, und so haben sie für mich Couch hergerichtet. So schlafe ich seelenruhig ein und wir verbringen alle gemeinsam einen super Tag. Der typische Hangover oder Depri-Tag stellt sich auch diesmal weder am Samstag noch am Sonntag ein. Einzig die typischen Kieferschmerzen begleiten mich am zweiten Tag. Nicht schlimm, aber dennoch ertappe ich mich hin und wieder wie ich sanft meine Kiefermuskeln massiere. Einer meiner Freunde bekommt dies mit und grinst mich an.

Was aber beunruhigend ist die Langzeitwirkung. Wie beim letzten Mal merke ich, dass eine Restwirkung noch bis etwa 18 Uhr am Folgetag zu spüren ist. Ein leichtes Kribbeln, sehr gute Laune und hin und wieder ein leichtes Frösteln. Man merkt es insbesondere auf der Haut. Man ist insgesamt sehr sensitiv und fühlt sich einfach herrlich. Dennoch ist die Wirkung eindeutig zu lange. Zudem schaue ich beim Frühstück in meiner Tasche was noch von den Pillen noch übrig ist. Entsetzt merke ich, dass von den ursprünglich vier Pillen nur noch eine Ganze und ein kläglicher Rest einer anderen übrig ist. Also habe ich im Rausch statt der zweiten Hälfte der zweiten Tablette aus Versehen eine ganze erwischt und im Ganzen geschluckt. In Summe also 2,5 Pillen was dann auch den super lang anhaltenden Rausch erklärt. Zum Glück hatte ich keine Nebenwirkungen wie Halluzinationen, aber dennoch war ich zwischendurch wieder einige Moment geistig total abwesend. Dadurch war mir schon klar geworden, dass die Dosis hoch war. Ebenso beunruhigend ist, dass meine Freunde merken, dass ich zu oft high bin. Sie raten mir zu kleineren Dosen bzw. längeren Pausen. Zudem merke ich, dass ich mich jedes Wochenende viel mehr auf die nächste Party freue als auf Aktivitäten draußen in der Natur. Die psychische Abhängigkeit manifestiert sich.

Der Gedanke der Dosis lies mir das ganze Wochenende keine Ruhe. Der Abend war zwar schön, aber es fühlte sich dennoch zu viel an. Am Sonntag Abend sitze ich daher vorm Computer und durchsuche diverse Online-Ratgeber zwecks empfohlener Dosis. Die Dosis mit dem gesundheitlich geringsten Risiko ist für Männern 1,5mg/kg Körpergewicht oder in etwa 150mg (meist 1 Pille) angegeben. Nun weiß ich aber, dass viele 2 oder gar 3 Pillen nehmen und so lese ich auch über Todesfälle oder Komplikationen, welche wohl erst bei 700mg Einnahme entstehen. Viele Partygänger nehmen wohl üblicherweise 400mg, was entgegen der ärztlichen Empfehlung schon zu viel ist.

Nach einer Weile lande ich auf Seiten der Drogen Info Wien sowie diversen Schweizer und Amerikanischen Websites. Bei vielen Beratungsstellen kann man Proben zur chemischen Analyse abgeben. So entstehen regelmässige Drogen-Berichte und Warnungen über Tabletten und deren teils zu hoher Dosierung. Ich suche und finde erst nach einer Stunde eine Pille, die meinen grünen Biestern ähnlich sieht. Die Angabe besagt 220mg MDMA pro Pille. Angesichts meiner 2.5 Pillen bin ich schockiert und suche meine Milligramm-Waage. Ich lege die Pille drauf, rechne das Gewicht hoch und merke, dass ich in reiner Pillenform inklusive sonstiger Bestandteile über 700mg und laut der Angabe auf der Website also gute 450mg reines MDMA zu mir genommen habe. Aber wieso hatte ich dann nicht mehr Nebenwirkungen?

Ich hadere mit mir selbst. Es kann doch nicht ernsthaft so viel gewesen sein? Noch immer entsetzt gehe ich zum Wäschekorb und suche die Hose vom Fortgehen. In der kleinen Tasche erkenne ich, dass sich die Pillen teilweise zerrieben haben. Die ganze Tasche ist voller leuchtend grünem Pulver. Also gehe ich in die Küche und kratze das grüne Pulver aus der Hose, schiebe es sorgsam zusammen und gebe es auf die kleine Waage. Weitere 60mg habe ich angefunden. Aber es ändert nicht viel an meiner tatsächlich konsumierten Dosis. Diese Wahrheit muss ich mir letztendlich einfach eingestehen.

Später am Abend schreibe ich mit einem Freund, der ebenfalls auf der Party war. Er hatte wohl eine ganze Pille auf einmal genommen und sie nicht gut vertragen. Er verbrachte mehr Zeit draußen an der frischen Luft als drinnen am Dance-Floor. Während wir am Abend schreiben, kommen wir drauf, dass er ebenfalls die kleinen grünen Biester gekauft hatte. Und davon nicht nur eine, sondern gleich 1,5 auf einmal genommen hatte, da sie ja so klein waren. Kein Wunder, dass es ihn dann direkt ausgehangen hat.


You'll only receive email when Way down we go publishes a new post

More from Way down we go