Wien // die Post

Endlich ist wirklich Frühling. Die Sonne scheint und die Stadt strotzt vor Grün und guter Laune. Als ich unten zur Haustür reingehe, öffne ich völlig automatisch das Postfach. Darin die typische Werbung und dann ein kleiner fester Brief. Nicht größer als C6-Format und etwas dicklich. Noch bevor ich ihn überhaupt in der Hand halte rotieren bereits meine Gedanken. Was könnte das sein? Ich erwarte eigentlich keine Post. Als ich dann die Anordnung Zielen der Adresse auf dem Brief lese, fällt es mir wieder ein. Denn ich habe es wieder getan.

Obwohl es schon mehrfach schief gegangen ist, habe ich wieder im Darknet bestellt. Die letzten Male habe ich ja immerhin das Geld in Form von Kryptowährungen wie Bitcoins oder Litecoins wiederbekommen. Vor etwa drei Wochen bestellte ich daher wieder. Ich hatte mir vorgenommen diesmal nicht dem laut diversen Websites augenscheinlich besten oder vertrauenswürdigsten Verkäufer zu trauen. Andererseits wollte ich aber auch nicht wieder ewig lange recherchieren woran man diese so genannten Scammer denn nun wirklich erkennt. Die goldene Mitte sollte es dann werden. Am Ende bestellte ich 1 Gramm MDMA Champagne mit 83% Reinheitsgrad für 20 Euro. Auch hier wählte ich einen etwas höheren Preis, da der letzte Versuch mit 12 Euro gescheitert war. Und 1 Gramm sollte fürs erste reichen, sofern man die 120mg bis 240mg MDMA Anteil einer guten Pille als Grundlage der Berechnung heranzieht.

Und natürlich ging auch diese Bestellung erstmal schief. Durch die Enttäuschung der ersten Versuche war ich schon lange nicht mehr in freudiger Erwartung nervös wenn ich den Briefkasten öffnete. Als aber nach über 14 Tagen noch immer nichts da war, setzte ich mich genervt an den PC, setzte all die üblichen Sicherheitsmaßnahmen, und war wieder im Darknet. Ich schrieb ein Kommentar unter die Bestellung, dass ich auf Post warte und bis dato nichts erhalten habe. Die Antwort kam prompt. Ich sollte noch etwas warten. Na klar, Junge! Eine weitere Woche später hinterließ ich ein zweites Kommentar und wieder erhielt ich eine rasche Antwort mit einem überraschenden Inhalt. Der Verkäufer bot an die Bestellung nochmals zu versenden und das gratis. Ich traute dem natürlich nicht. Aber hier stehe ich nun. Mit dem kleinen Brief in der Hand und bin völlig überrascht.

Natürlich bin ich neugierig was nun wirklich drin ist. Daher sitze ich im Arbeitszimmer, öffne vorsichtig den Brief und entdecke ein kleines schwarzes Plastik-Tütchen. Der Inhalt ist eng verschweißt und drüber und drunter ist eine Pappe mit einer goldenen Beschichtung angebracht. Daher war der Brief auch so dick. Das ist sie also, die Stealth-Verpackung. Nachdem ich das Tütchen aufgeschnitten habe, öffne ich es vorsichtig und versuche den Inhalt zu erkennen. Es sieht aus wie weißes Pulver, aber dazwischen entdecke ich auch grobe Kristalle. Es ähnelt Brausepulver und sieht auch aus wie das Mephodrone, welches mein Kumpel und ich vor einiger Zeit mal durch die Nase gezogen hatten. Im Grunde wie grobe Kristalle von Zucker hergestellt aus Zuckerrohr.

Ich bin skeptisch, ob es wirklich ein Gramm ist. Endlich kann ich die Milligrammwaage ausprobieren, welche ich mir beim ersten Bestell-Versuch gekauft hatte. Batterien rein, Tara-Taste suchen und rauf mit dem Tütchen. Das Display zeigt einige Gramm an. Es könnte also gut sein, dass der reine Inhalt ein Gramm wiegt. Ich hatte mich ja bereits schlau gemacht und wusste daher wie man MDMA Crystals dosiert und wie man sie nehmen sollte. Die gesundheitlich beste Wahl bleibt nunmal die Bombe oder in Form von Kapsel. Im Getränk auflösen oder durch die Nase ziehen kam für mich nicht in Frage. Na egal, heute kann ich nicht viel mehr machen. Es ist kein Freitag und so lege ich alles sauber in eine Schublade. Erfreut hinterlasse ich dem Verkäufer eine Nachricht.

Der nächste Tag ist irgendwie surreal. Natürlich hatte ich am Abend zuvor zur Sicherheit nochmal das halbe Internet bezüglich Dosierungs-Tipps durchforstet. Das Problem ist nur, dass ich ja nicht weiß was für ein Pulver das nun wirklich ist. Ich bin total neugierig, ob es wirkt oder ob ich reingelegt worden bin. Aber vielmehr hab ich davor Angst, dass es irgendein anderer Wirkstoff ist. Entweder Crystal Meth was nun wirklich abhängig macht oder irgendeine Chemikalie, die du besser nicht schluckst. Daher pendelten meine Gedanken ständig zwischen einer niedrigen oder doch leicht höheren Dosis. Immerhin hatte ich ja schon eine gewisse Resistenz aufgebaut.

So kreisten meine Gedanken den ganzen Freitag um die Dosis. Unter Berechnung des 83%igen Reinheitsgrades entschied ich mich je eine Dosis von 100mg abzufüllen. 120mg erschien mir dann doch zu viel. Nachdem viele Ratgeber zu einer normal hohen Anfangsdosis ohne Nachlegen rieten, kam mir 100mg genau richtig vor. Hier könnte ich beim Einsetzen der ersten Effekte noch eine zweite nachlegen, so dass ich mit 200mg und somit in etwa 160mg reinem MDMA dann noch im halbwegs sicheren Bereich wäre, der bei meiner Körpergröße und meinem Körpergewicht bei 120 bis 150mg lag. Zumindest wollte ich selbst bei drei Kapsel unter 300mg bleiben. Sicher ist sicher! So langsam verstand ich wieso die diversen Websites die Begriffe "Responsible Drug Use" oder "Safer Drug Use" irgendwo im Titel hatten. Man fühlt sich zwar wie ein Junkie, aber natürlich will man sich nicht umbringen.

Beschwingt gehe ich außer Haus. Es ist wieder ein sonniger Tag und der Streß der Woche ist für einen Moment vergessen. Heute Abend ist zudem eine gute Party angesagt. Gut, dass die Post gestern kam. Aber natürlich fehlt ja noch was. Richtig, die Kapsel zum Abfüllen. Im Internet stand, dass man sowas in jeder Apotheke bekommt. Ach was? Und was sagt man da? Es fühlte sich komisch an. Wie das erste Mal Kondome kaufen. In der Straßenbahn überlegte ich dann hin und her was ich denn dem Apotheker sagen sollte? In der Apotheke war zum Glück wenig los und ich erkundigte mich leise, ob man nicht auch leere Gel-Kapseln kaufen könne. Solche, die sich im Magen auflösen? Ich kam mir total blöd vor und malte mir aus wie der Apotheker im Kopf eins und eins zusammenzählen würde. Aber was sollte er denn machen? Soll er doch denken was er will!

Verdutzt guckt er mich an und fragt, ob ich Gelantine-Kapseln meine? Ach ja, Gelatine! Perfekt fürs Auflösen. Ich nicke und frage in welchen Größen es diese gibt. Er lächelt zurück und fragt wieviele ich denn brauche. Original seien es 1.200 Kapseln, aber er könne mir welche Abzählen. 1.200? Breit grinsend antworte ich, dass wohl 50 reichen sollten. Mit keinem Wort erkundigt er sich danach wofür ich die Kapseln denn brauchen würde. Er verschwindet und ich kommt mit einem großen Apotheker-Glas voller Kapseln zurück. Mühsam zählt er mit der Hand die Kapseln ab und verpackt sie in einem kleinen Papier-Tütchen. Als er gerade fertig wird und sich auf dem Weg zurück zur Theke macht, überlege ich ob ich gleich umfalle wenn er mir den Preis verrät. Am Ende kaufe ich zur Tarnung noch typisches Verbandsmaterial, was sowieso in jede gute Hausapotheke gehört. Unterm Strich kosten die Kapseln in Summe dann in etwa 1 Euro. Billiger als erwartet. Im Büro lege ich alles auf den Tisch und grinse in mich hinein. Was für ein Tag. Ein guter Tag und gute Laune. Das habe ich auch nötig.

Die Woche war hart, aber Freitag naht. Es klingt wie ein blöder Spruch, aber es ist mein Strohhalm in diese Tagen. Durch die Beförderung im Job bin sowohl mit den alten als auch immer neuen Themen beschäftigt. Und obwohl ich gern und viel arbeite, habe ich nun meine körperlich psychischen Grenzen kennengelernt. An manch einem Abend komme ich heim, setze mich und atme einfach tief durch. Innerlich ist mein Energie-Level null. Ich merke wie es an mir zehrt und ich sehe es auch tagsüber am Verlauf meiner Puls-Uhr am Handgelenk. Aber ich habe eine Strategie für die nächsten Wochen. Wird schon alles gut werden! Nun ist aber mal Freitag und ich freue mich auf den Abend.

Am Abend sitze ich wieder im Zimmer, die Waage vor mir, das Tütchen daneben und alles andere Zubehör gut vorbereitet. Meine kleine Drogenküche denke ich so bei mir. Von draußen scheint noch immer Sonne rein. Es ist herrlich, dass es wieder so lange draußen hell ist. Zur Waage gehört eine Pinzette und ein kleines Schälchen sowie ein 5g Metallgewicht. Ich stelle das Schälchen auf die Waage, drücke Tara und versuche sanft etwas vom Pulver reinzuschütten. Es scheint Feuchtigkeit anzuziehen und klebt etwas am Plastik der Tüte. Aber es gelingt mir einiges rauszubekommen und siehe da, auch einige Kristalle fallen raus. Also doch nicht nur Pulver, stelle ich erleichtert fest.

Natürlich habe ich keine Ahnung wieviel 100mg auf den ersten Blick sind. Jedenfalls sehen die Kapseln recht groß aus. Da gehen sicher 500mg rein. Als die Kristalle in das Schälchen klappern, springt die Waage schnell auf über 120mg. Sofort stoppe ich. Hmmm, was nun. Vorsichtig greife ich mit der Pinzette nach und nach unterschiedlich große Kristalle und versuche ein Gefühl für deren Gewicht zu bekommen. Schnell merke ich, dass ein einzelnes Kristall gut und gern 5mg oder deutlich mehr haben kann. Gut, dann muss ich nicht soviel wieder rausgeben.

Nun bleibt die Frage, ob ich die Kristalle so in die Kapsel gebe, oder ob ich sie zerreibe. Ich stelle mir vor, wie sie meine Magenschleimhaut angreifen und entscheide mich fürs zermahlen. Allein schon wegen der schnelleren Absorbierung. Super, dass das mit dem Metallgewicht als Stößel in der kleine Schale gut funktioniert. Nur das Umfüllen von der Schale in die Kapsel wird eine echte Herausforderung. Das Pulver haftet gut am Plastik und will einfach nicht leicht wie Salz dahin rinnen. Dann versuche ich es mit einem gefalteten Papier, aber auch dort rutscht es einfach nicht gut und der Eingang der Kapsel ist auch nicht gerade groß. Die Kapseln kann man übrigens leicht in zwei Teile zerlegen und muss sie nach dem Befüllen kräftig zusammendrücken, damit sie wirklich verschlossen sind.

Beim ersten Versuch landet das Pulver natürlich am Tisch. Mist! Und wieder kommt mir der Gedanke vom Drogen-Labor. Wenn mich jetzt wer sehen könnte. Auf einmal schreibt mir ein Freund. Es ist Freitag und ob ich heute was geplant hätte. Na klar hab ich das! Wir schreiben kurz hin und her und ich erzähle ihm von meiner Post. Auch schreiben wir über die kleinen grünen Biester von der letzten Woche. Er traut meinem Pulver nicht und so muss ich ihn erst aufklären, dass Ecstasy und MDMA das gleiche sind bzw. MDMA der eigentliche Wirkstoff ist. Er ist total amüsiert, aber freut sich auf den Abend.

Am Ende liegen 9 Pillen aufgereiht am Tisch und noch immer ist das Tütchen nicht leer. Gute Ware! Gemeinsam mit der Waage hatte ich kleine Plastik-Tütchen im 100er Pack bestellt. Diese haben sich auch so schon super für die Pillen bewährt, welche ich sonst beim Dealer kaufe. Ohne Schutz zerreiben die sich sonst leicht in der Hosentasche. Außerdem ist es einfach hygienischer. Nun sitze ich vor meinem Werk und überlege wieviele Pillen ich in jede Tüte reingebe. Eigentlich wäre das ja völlig egal. Aber das letzte Fortgehen ist noch immer in meinem Kopf. Im Rausch hatte ich zu viel nachgelegt und das wollte ich diesmal unbedingt vermeiden. Besser man hat nicht zu viel dabei. So kommt man nicht auf dumme Gedanken. Endlich ist mein Werk vollendet und es liegen vier Tütchen am Tisch. Drei mal 2 Kapseln und einmal drei Kapseln.

Da mein Kumpel dem Pulver nicht so wirklich trauen wollte, behielt er sich die Option vor vom Dealer noch eine normale Pille zu kaufen. Keine blöde Idee, dachte ich mir. Vielleicht gibt es ja wieder die grünen Biester, welche man sich ja ruhig auf Vorrat kaufen könnte. Immerhin waren die wirklich gut. Am Abend bin ich noch zu einer Veranstaltung unterwegs und so komme ich vorm Ausgehen nochmal kurz heim. Die Taschen voller Zeugs breche ich auf, um meinen Freund abzuholen. In der U-Bahn warne ich ihn noch vor der Polizei, welche hin und wieder am Weg zum Club steht. Und heute hatte ich eindeutig zu viel dabei. Es war zwar nur für uns bestimmt, aber erzähl das mal der Polizei? So überlegte ich mir einen Umweg, falls er denn nötig werden sollte. Schon wieder fühlte ich mich wie in einer absurden Realität.

Ich hätte meinem Freund auch leicht was abgeben können. Da er aber Ausländer im Land ist und zudem gern zu viel und zu schnell nimmt, wollte ich ihn beschützen und behielt alles bei mir. Er sollte seine Dosis heute kontrollierter nehmen! Zum Glück war heute keine Polizei weit und breit zu sehen. Am Weg kauften wir dann noch zwei Pillen. Für jeden eine. Leider waren es diesmal nicht die kleinen grünen. Am Ende des Abends nahm ich meine mit nach Hause und nach einiger Recherche stellte ich fest, dass sie durchaus auch recht stark sind. Guter Vorrat! Für heute Abend hatte ich zwei Tütchen mit je zwei Kapseln und meine kleine grüne Pille vom letzten Mal dabei. Das sollte ausreichen.

Weil heute großer Andrang angekündigt war, hatten wir uns recht früh auf den Weg gemacht. Mein Kumpel ist zudem wirklich super ungeduldig. So war der halbe Club noch nicht geöffnet, aber der andere Teil schon gut gefüllt. Kaum war später der Main-Floor geöffnet, wollte er gleich mit den Kapseln starten. Aber es war noch nicht einmal 1 Uhr. So konnte ich ihn zum Warten überreden. Aber man müsse doch die Wartezeit bis zur Wirkung berücksichtigen! Na und? Ich kenn mich schon zu gut aus und ich will den Rausch nicht zu früh verlieren. Und ewig nachlegen geht nicht.

Die Musik und die Lichteffekte waren auch so gut. Eine Weile genossen wir das Ambiente und noch bevor der Main-Gig auflegte, gab ich seinem Drängen nach und wir schluckten die erste Kapsel. Neuland! Jetzt heißt es warten. Und wieder hoffte ich, dass es kein Gift oder schlimmeres wäre. Tanzend vertrieben wir uns die Zeit und warteten innerlich darauf was passieren würde. Gespannt lauschte jeder in sich hinein. Ich wusste nicht wie schnell sich die Kapsel auflösen würde, vermutete aber weniger als 10min plus normaler Wirkungszeit.

So kam es dann auch. Nach etwa einer halben Stunde hatte ich das Gefühl es fange an zu kribbeln. Ich zog ihn zur Seite und fragte, ob er was merke. Er war sich nicht sicher. So tanzten wir weiter. Nach weiteren 15min kam der Effekt deutlich. Nicht zu stark, aber sehr angenehm und ich fühlte wie der Bewegungsdrang von mir Besitz ergriff. Ich wollte nicht gleich nachlegen sondern noch etwas den Aufbau der Wirkung abwarten. Immerhin war es Neuland für mich. Leider fühlte es sich nach einer halben Stunde so an, als würde die Wirkung nachlassen. Mittlerweile war auch bei ihm die Wirkung gut zu spüren und so schluckten wir die zweite Kapsel.

Ich kann mich nicht mehr erinnern wann und wie die Wirkung der zweiten Kapsel einsetze. Aber im Nachhinein betrachtet war die Wirkung total angenehm und klar. Bei weitem nicht so heftig, dass sie dich unkontrolliert überfährt, aber völlig ausreichend. In dem Moment fühlte es sich aber zu wenig an. Also warf sich mein Kumpel gleich die ganze frisch gekaufte Pille hinterher. Da war sie wieder, seine Ungeduld. Ich wollte es langsamer angehen und biss erstmal die Hälfte vom grünen Biest ab. Ich hatte Respekt vor der kleinen grünen Pille. Zudem war es noch recht früh - also irgendwann nach 2 Uhr - und ich wollte die negativen Effekte nicht provozieren.

Wie schon beim letzten Mal, konnte er mit der Wirkung dann nicht umgehen und verbrachte einiges an Pausen abseits der Tanzfläche. Wie damals in Amsterdam, als ich allein mit mir und meiner Welt auf der kalten Treppe saß, so saß er jetzt im Eck. Ich setzte mich hin und wieder zu ihm und wir lachten und plauderten. Aber letztendlich ging er irgendwann nach 4 Uhr nach Hause. Ich weiß nicht, ob er die Energie wieder nicht vertragen hatte, die Wirkung weg war oder ob ihm die Musik nicht gefiel.

Eigentlich war es eine gute Stimmung, aber der Beat war doch recht hart und monoton. So richtig super war es nicht. Aber gut genug um zu tanzen. Und ich sah einige bekannte Gesichter, mit denen ich jetzt auch schon befreundet war. Willkommen in der kleinen Familie. Es fühlte sich gut an. Da ich die Tage zuvor super guten Sex hatte, war ich heute nicht auf der Suche nach Kontakten. Natürlich tanzte ich dennoch den ein oder anderen an. Einer hatte es mir besonders angetan. Aber ich konnte seine Reaktion nicht ganz einordnen. Da er mit anderen Freunden und Mädels da war und mit einer auch küsste, fiel es mir umso schwerer. In einem Moment schien er mitzumachen und drauf zu warten, dass ich näher tanze. Im anderen Moment drehte er sich warnend um. Bis heute weiß ich nicht, ob es eine Warnung oder eher Neugierde war.

Jedenfalls tanzen alle munter bis in die Morgenstunden. Erst als die Musik um 6:30 Uhr abrupt endet, gehe auch ich langsam zur Garderobe. Hinter mir stehen zwei junge Typen, die mir schon vorher aufgefallen waren. Einer total fertig. Ein Speed-Opfer denke ich mir. Auf der Tanzfläche konnte man dem Verfall zusehen. Der andere total frisch und aufgedreht. Ich schaue ihm in die Augen und spreche ihn an, dass seine Pupillen ja auch gut weit geöffnet sind. Er lacht zurück und sagt, deine ja auch! Dann frage ich ihn was mit seiner Begleitung passiert sei. Was der genommen hat. Er meint, er habe die Nacht zuvor nur wenig geschlafen, sei das erste Mal auf einem Techno-Event und hat nur zuviel Alkohol erwischt. Na dafür hat er aber gut durchgehalten. Lustig plaudern wir zu dritt noch eine Weile. Beide sind noch keine 21 und können daher nicht auf alle Events. So erzählt er mir begeistert von jenen Events wo man schon ab 18 rein darf. Und man kennt sich. Ich sei ihm letztes Mal schon aufgefallen. Ich lache und erwidere, dass ich immer anzutreffen bin. Auch fragt er mich über Halluzinationen aus. Er hatte heute wohl seine ersten und ich bin natürlich dran interessiert, wie es ihm damit ergangen ist. Ich hatte heute keine groben Aussetzer, aber durch aus auch Momente wo ich das Gefühl hatte etwas oder eine Person wäre neben mir und im gleichen Moment dann doch nicht. Den gleichen Effekt beschrieb auch er.

Am Ende gehe ich im Sonnenschein gemütlich zur U-Bahn und verschlafe den halben Tag. Die Nebenwirkungen sind kaum spürbar. Ich schlafe viel, muss aber selten aufs WC und auch am zweiten Tag merke ich nur leichtes Kiefermahlen. Super angenehm. Dennoch frage ich mich was das Pulver nun wirklich war. Und so schreibe ich am Abend der Drogenberatung und frage um einen Termin an. Wenige Tage später habe ich mein erstes Beratungsgespräch. Eigentlich möchte ich nur eine Probe abgeben und das Pulver testen lassen. Aber ohne psychologisches Gespräch geht das nicht. Erst bin ich nervös. Gleich wie in der Apotheke beim Kaufen der Kapseln. Aber was soll’s?

Jedenfalls wird es ein sehr nettes informatives Gespräch. Wir reden über Anreise, Häufigkeit, analysieren die Effekte, welche ich scheinbar am meisten im Rausch genieße. Wir reden über Gay-Sex-Parties und andere Drogen. Wir reden darüber wie es sich anfühlt, wenn man auf einmal was nimmt, was man nicht erwartet und wir reden über harte Drogen. Am Ende bin ich sehr erleichtert, dass ich scheinbar nur der Party-Szene-Typ bin und mir bis jetzt alles andere nicht bringen würde. Ich fühle mich auf der sicheren Seite. Auch sind meine Recherchen zur Dosierung wohl richtig gewesen. Ich lerne noch etwas neues hinsichtlich Überdosierung. Diese gibt es in der Form so nicht. Natürlich ist es gefährlich und ab einer gewissen Menge auch tödlich. Aber es geht vielmehr um die positiven und negativen Effekte. Überschreitest du die 120mg Dosis setzen die Speed-ähnlichen Amphetamin-Effekte ein und die angenehmen Ecstasy-Wohlfühl-Effekt werden überspielt. Es ist also ein Balance-Akt, den ich sicher demnächst mal genauer erkunden werde.

Kommende Woche werde ich das Ergebnis der Probe wissen. Aber schon vorab erfahre ich, dass die Pillen meist gut dosiert sind und wenig Streckmittel enthalten und dass Crystals eigentlich immer das sind was sie vorgeben zu sein. Gute Vorzeichen also. Jetzt heißt es mal abwarten. Auf jeden Fall werde ich nächstes Mal aber die Anfangsdosis auf 200mg Pulver oder 2x 100mg Kapsel erhöhen.


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