Wien // Zwischenbericht

Entsetzt stelle ich gerade fest, dass seit meinem letzten Bericht und heute nur ein Monat vergangen ist. Dabei fühlt es sich wie eine halbe Ewigkeit an. Natürlich gibt es einiges zu erzählen. Statistisch gesehen, sind sogar recht viele Dinge in einem kurzem Zeitraum geschehen. Das klingt im ersten Moment zwar spannend. Aber es bedeutet einfach nichts Gutes, wenn die Frequenz ansteigend ist. Aber puh, so schlimm ist es alles auch nicht.

Fangen wir bei meinen Darknet Erfahrungen an. Wie bereits geschrieben, hatte ich 10 Gramm MDMA Crystals bestellt. Natürlich sind die nie angekommen. Ich hab es dann nochmal mit 1 Gramm versucht, wieder erfolglos. Das Erfreuliche daran ist, dass ich tatsächlich das Geld zurück erstattet bekommen habe. Insofern nichts verloren, von der Zeit und dem langen nervösen Warten mal abgesehen. Wenn immer ich seit dem was brauchte, hab ich es direkt auf dem Weg zum Club von einem Dealer gekauft. Entgegen aller Erwartungen hab ich bisher auch nur gutes Zeugs erwischt und kann da nichts Schlechtes berichten.

Vom Muster her läuft es danach dann aber immer gleich ab. Ich fange mit einem Viertel oder der Hälfte der Pille an und warte. Meist setzt die Wirkung nach 20min ein. Einmal sogar schon nach 10min. Die ersten Effekte sind der leichte Energieschub, der sich aufklarende Blick, die leichten Beine und bei mir der Bewegungsdrang. Die anfänglichen negativen Wirkungen wie Übelkeit oder Klaustrophobie habe ich nie mehr erlebt. Meist beobachte ich meine körperliche Reaktion auch sehr genau über meine Puls-Uhr. Ich schaue auf den Puls und die Zeiten wann ich was nehme. Die erste Phase lässt den Puls meist nur leicht auf 85 oder 100 steigen oder manchmal sogar initial deutlich fallen. Über den Abend, unter der vollen Wirkungen, geht der Puls dann aber auf 120 bis 160 Schläge hoch. Die zweite Wirkung ist das wohlig warme Nähegefühl - die emphatische Wirkung. Man fühlt sich gut und möchte das es so bleibt. Es ist dieser Effekt, den man festhalten möchte. Während man am tanzen ist, lächelt man andere an und hat das Gefühl sie lächeln immer nett zurück. Leider weiß man nur zu gut, dass diese Wirkung nach 1 bis maximal 2 Stunden wieder weg ist. So lange wie beim ersten Mal, hält es nie wieder an. Daher muss in Schritten von etwa einer Stunde nachgelegt werden. Bei mir ist das dann meist wieder eine halbe Pille. Ich versuche für mich die Abstände dazwischen so lange wie möglich hinaus zu zögern. Man muss aber einkalkulieren, dass die zweite Hälfte auch wieder mindestens 30min braucht, bis deren Wirkung einsetzt.

Jede weitere Wirkung potenziert dann aber nicht die erste, sondern lässt andere Effekte eintreten. Wenn die Dosis normal ist, hab ich einfach Energie zum Tanzen und Bewegen. Hin und wieder kommt starkes Schwitzen und der Drang nach Wasser dazu. Ist die Dosis leicht zu hoch, setzen Halluzinationen ein. Zum Glück hatte ich das seit den ersten Halluzinationen nur noch einmal und da auch nur leicht. Beim zweiten mal kannte ich den Effekt ja bereits und konnte gut damit umgehen. Es waren blaue verschwommene Punkte überall im Blickfeld und konzentriert auf der Haut und den Gesichtern der Tanzenden. Kein schlechter Effekt, aber auch nichts, was ich wirklich mag. Mit einer Pille vergeht die Nacht dann in der Regel von 2 Uhr bis 7 Uhr wie im Flug. Das Coming-Down, also das Abklingen der Wirkung ist ebenfalls immer gleich. Man fühlt, dass der Abend vorbei ist und es nach Hause geht. Im Gegensatz zu anderen, kann ich meist herrlich schlafen. Lediglich die erweiterten Pupillen halten immer länger an. Meist bis 12 Uhr mittags, einmal aber auch bis 16 Uhr. Die depressiven Effekte ein oder zwei Tage danach, berühren mich glücklicherweise kaum.

Dennoch verändert mich das Zeugs zunehmend. Ich werde asozialer. Die Energie lässt mich einfach nur Tanzen. Alles um mich herum erscheint mir egal. Ich spiele zwar das langsame Annähern mit anderen und es macht immer einen Heidenspaß. Aber nichts erregt mein ernsthaftes Interesse. Am 15. Februar - gerade mal eine Woche nach dem letzten Bericht - war ich mit Freunden bei einer größeren Veranstaltung. Während sie nur je eine halbe Tablette nahmen, hab ich eine ganze verbraucht. Die Stimmung war super. Dennoch zog mich der Bewegungsdrang immer wieder nach vorn auf die Tanzfläche, während meine Freunde eher am Rand die Zeit verbrachten und wir uns im Grunde den ganzen Abend kaum gesehen haben. Die Nebenwirkungen haben sich bei uns allen in Grenzen gehalten, so dass der Rest vom Wochenende dennoch super war. Trotzdem fühle ich mich innerlich noch immer schlecht, da ich sie auf der Veranstaltung so vernachlässigt habe. Ähnlich erging es mir an anderen Tagen, als ich mit einem weiteren Freund unterwegs war. Jedesmal ist mir deren Stimmung zwar nicht egal, aber ich habe auch nie Lust mir meine Stimmung versauen zu lassen. Immer tanze ich weit vorn und kann kaum glauben wie schnell die Stunden verfliegen. Obwohl man nicht allein fortgehen sollte, fühle ich langsam, dass ich allein oft besser dran bin.

Die letzten Male habe ich mit der Dosis variiert. Mit einer halben Pille bin ich locker leicht von 2 Uhr bis nach 5 Uhr unterwegs gewesen. Es war zwar nicht der Höhenflug, aber das wohlig emphatische Gefühl hielt lange an und ich kam ohne Probleme nach Hause. Im Nachhinein betrachtet, ist das eigentlich das Beste was man machen kann. Das letzte Mal hatte ich noch die halbe Pille übrig und hab diese über den Abend verteilt mit einer weiteren Ganzen genommen. Hier war der Höhenflug natürlich deutlich höher, aber man vergißt noch mehr die Zeit und wird umso mehr asozial. Zudem setzten dann die Halluzinationen ein. So vergingen die Veranstaltungen am 2. März und am 8. März.

Ich habe noch ein weiteres Beispiel für den, wie ich es nenne, „Asozial-Effekt“. Die letzte Veranstaltung am 15. März war zwar kein Gay-Event, sondern eine ganz normale und gut besuchte Techno-Veranstaltung. Eigentlich wollte ich in den größeren Club gleich daneben, aber dort standen kaum Leute an, während scheinbar jeder in den kleineren Club wollte. Man konnte die Musik von draußen hören und der erste Eindruck war gut. So verbrachte ich den Abend schließlich dort. Das Publikum war eine herrliche Mischung aus Gays sowie witzigen Hetero-Typen, die scheinbar sonst eher selten ausgehen und heute auf Aufriß aus waren. Dazu ganz normalen Hetero-Pärchen jeglicher Altersklasse. Lustig war zudem, dass gerade die Mädels versuchten jeden anzutanzen und so körperliche Nähe suchten. Jedenfalls war eine Gruppe von etwa 4 Typen im Alter von 30 bis 35 Jahren auch am Tanzen. An der Kleidung und Bewegung konnte man erkennen, dass sie nicht die typischen Fortgeh-Typen waren. Alle wirkten auf mich 120% hetero. Über den Abend veränderte sich deren Zustand natürlich von frisch bis total fertig. Ich denke mal, dass auch sie high waren. Einer von ihnen lächelte mich immer wieder an. Ich lächelte, gefangen in meiner Traumwelt, einfach nur zurück und mehr geschah nicht. Erst am Morgen, als das Licht schon anging, umarmte er mich plötzlich und immer wieder und wollte mich nicht mehr loslassen. Dennoch ließ mich die Situation total kalt. Er schaute kurz rüber zum zweiten Dance-Floor, der aber schon geschlossen hatte. Ich nutze die Zeit, nahm meine Jacke und ging heim. Statt den durchaus lieben Typen zur U-Bahn zu begleiten, gemeinsam zu plaudern oder noch einige Stunden wach durch die Stadt zu wanern, hab ich ihn einfach links liegen gelassen. Total verrückt.

Anhand des Datum der Veranstaltungen erkennt man die Frequenz, welche schon beinahe wöchentlich ist. Zum Glück bin ich demnächst einige Wochen nicht da und werde daher eine Zwangspause einlegen. Auch wenn die Nebenwirkungen gering sind und mich lediglich hier und da Kopfschmerzen plagen, so möchte ich nicht zum Dauer-Süchtling werden, sofern ich das nicht sowieso schon bin. Denn gestern wollten wir wieder fortgehen. Mein Kumpel war dann aber doch zu müde. Letztendlich bin ich allein zum Club. Die Menschen standen Schlange und diesmal war auch die Polizei im Einsatz. So waren alle Dealer verschwunden. Ich stand eine Weile da und wartete, dass sie zurückkommen würden. Da aber auch die Warteschlange keine Bewegung macht und ich bei einem Ordner mitbekommen hatte, dass sie den Einlass gestoppt hatten, fuhr ich einfach wieder heim. Gute Idee!

Was war sonst noch passiert? Seit etwa 3 Monaten war ich durchgehend auf PreP, was als präventiever Schutz vor HIV zu verstehen ist. Seit dem Jahreswechsel hatte ich aber so gut wie gar keinen Sex mehr, so dass ich das PreP wieder abgesetzt habe und nur mehr sporadisch nehme. Ich hatte mir eingeredet, dass es meinem Allgemeinzustand nicht gut tut. Dass ich leichter krank werde und mein sexuelles Verlangen deutlich geringer ist. Rückblickend betrachtet stimmt es. Mein Verlangen ist jetzt wieder gesünder. Körperlich ist es aber noch zu Früh für Rückschlüsse. Beim Snowboarden hab ich mir links zwei Rippen geprellt, was 2 Wochen später noch immer sehr weh gut. Erst war es sogar ein Verdacht auf einen doppelten Bruch. Glück im Unglück! Aber jetzt ist sowieso Frühling und Bärlauchzeit. Letztens hab ich mir beim Sammeln einen Insektenstich eingefangen, der sich zu einem Erypsel mit dick geschwollener Wade und Knöchel entwickelt hat. Wieder muss ich Antibiotika nehmen. Kein gutes Zeichen für den Allgemeinzustand. Aber ich muss demnächst eh zum Labor und dann werde ich die Wahrheit serviert bekommen. Nachtrag von Ende Juni 2019: es war wohl doch Borelliose, welche mein Körper aber gut verarbeitet hatte. Wieder Glück im Unglück.

Neben dem typischen Ecstasy Eskapaden habe ich seit dem nur selten bei Freunden Gras geraucht. Der Effekt war aber immer gleich - also von gar nichts bis zu eher komisch. Bei einer Freundin hatte ich letztens einfach nur mal eine Zigarette geraucht und musste feststellen, dass der Effekt vom Gras bei mir eher der vom Tabak ist. Also spreche ich wohl auf Gras gar nicht an. Aber es reicht ja auch, dass die Frequenz mit meinen anderen Erfahrungen schon deutlich gestiegen ist. Von anderen harten Drogen habe ich die Finger gelassen. Im Februar hatte mir ja jemand Kokain angeboten und ich war schlau genug nein zu sagen. Auch gestern wollte mir jemand Kokain andrehen und wieder blieb es bei einem Nein. Nur einmal haben mein Kumpel und ich am Weg zum Club einen Zwischenstopp bei ihm eingelegt, um eine Line Mephedron zu ziehen. Wir beide am Gang stehend, mit einem gerollten Geldschein und ich mit der Kreditkarte die Line dosierend. Das war für mich wieder neu und witzig, aber irgendwie auch der neue Tiefpunkt. Das Kribbeln in der Nase, und später im Rachen, war eher unangenehm und meine Dosis wohl so niedrig, so dass ich gar keine Wirkung merkte. Neben MDMA und Gras zähle ich Mephedron aber noch zu den halbwegs unbedenklichen Drogen, welche ich probieren würde. Ich bin gespannt was die Zeit bringt.


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